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Einrichtung schreibt rote Zahlen im sechsstelligen Bereich / ver.di stellt sich hinter Mitarbeiter

Wird das Kinderheim Reseberg verkauft?

Hameln-Pyrmont (joa). Das Kinderheim Reseberg, seit dem Jahre 2003 als Netto-Regiebetrieb des Landkreises geführt, schreibt seit 2009 rote Zahlen im sechsstelligen Bereich. In diesem Wirtschaftsjahr wird mit einem Defizit von rund 157 000 Euro gerechnet. In einem von der Verwaltung erstellten Arbeitspapier für die Politik wird davon ausgegangen, dass das Heim nach Errechnen kostendeckender Entgelte „aus Sicht des Jugendamtes in nahezu allen Bereichen nicht mehr marktfähig“ wäre. Grund genug für den Landkreis, Überlegungen anzustellen, sich von dieser Jugendhilfeeinrichtung zu trennen. Die Überlegungen gehen derzeit dahin, politische Maßnahmen für eine Neuausrichtung des Kinderheims zu finden.

veröffentlicht am 25.01.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 15:21 Uhr

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Eine Möglichkeit, die von der Kreisverwaltung bereits im November vorigen Jahres der Politik vorgestellt wurde, wäre der Verkauf des Kinderheimes Reseberg an einen privaten Betreiber. Hierzu haben jetzt die Gewerkschaft ver.di und die Beschäftigten des Kinderheims den Mitgliedern des Kreistages ihre Sicht der Dinge dargelegt.

In dieser Stellungnahme führt Sabine Prenzlow, ver.di-Ansprechpartnerin für den Landkreis Hameln-Pyrmont, an, dass eine weitere Spezialisierung beziehungsweise Angebotserweiterung zur Verbesserung der Ertragssituation der Jugendhilfeeinrichtung durchaus denkbar sei. So lägen bereits Konzepte beispielsweise für ein Anti-Gewalt-Training oder eine Tiertherapie vor. Prenzlow: „Im Übrigen wurde die Möglichkeit zur Entwicklung passgenauer Hilfen mit dem örtlichen Jugendhilfeträger bisher viel zu wenig genutzt.“

Ein ver.di-Vorschlag zum Problem der Auslastungsschwankungen im Heim, bei der die Personaldecke periodisch zu stark wird: „Wir sehen durchaus die Möglichkeit, dass Beschäftigte des Kinderheims zu Zeiten der Minderbelegung Tätigkeiten in der ambulanten Familienhilfe übernehmen könnten, die sonst durch Honorarkräfte oder teure externe Anbieter abgedeckt werden müssten.“

Für den Fall, dass der Landkreis das sanierungsbedürftige Gebäude und das tarifgebundene Personal des Kinderheims am Reseberg an einen privaten Betreiber übergeben würden, warnt ver.di vor weiterhin hohem Zuschussbedarf für den Kreis: Da das bisherige Personal mit übernommen werden müsste, blieben auch die Lohnkosten in gleicher Höhe, argumentiert Sabine Prenzlow. Die Annahme, dass ein privater Betreiber, wie zumeist in der Branche üblich, dann unter dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes entlohnen könnte, wird strikt zurückgewiesen.

Prenzlow: „Falls es zu einer Übertragung der Einrichtung an einen privaten Betreiber kommen sollte, fordern wir einen Überleitungsvertrag.“ Damit sollten die Rechte der Arbeitnehmer dauerhaft abgesichert werden. Erinnert wird daran, dass es solch eine arbeitsrechtliche Regelung immerhin auch gegeben habe, als die Beschäftigten des ehemaligen Kreiskrankenhauses und des Seniorenheims „Zur Höhe“ in eine private Rechtsform überführt wurden. Ohne einen solchen Vertrag werde sicherlich die Bereitschaft, zum neuen Betreiber zu wechseln, eher gering sein, vermutet Prenzlow und kündigt an, den Beschäftigten dringend zu solch einer arbeitsrechtlichen Absicherung zu raten: „Wenn unterstellt wird, dass betriebsbedingte Kündigungen für die Beschäftigten keine gravierenden Folgen hätten, weil sie ja eine andere Stelle fänden, so zeugt dies von einer sozialen Kälte, die hoffentlich politisch nicht mitgetragen wird“, so der Vorwurf in Richtung Kreishaus.

Ferner sieht ver.di kaum eine Chance, dass ein privater Unternehmer die Baulichkeiten, für die ein beachtlicher Sanierungsbedarf errechnet wurde, per Kauf übernehmen würde.

Und „wenn die Gebäude vermietet werden sollten, müsste die Miete entweder kostendeckend sein, sodass auch notwendige Investitionen davon bezahlt werden können oder die Investitionskosten müssten vom Landkreis aufgebracht werden“, so die Argumentation von ver.di und Heim-Mitarbeiterschaft.

Generell, so die Position von ver.di und Reseberg-Mitarbeiterschaft, werde daher eine Neuausrichtung des Kinderheims mit einer neuen Heimleitung präferiert.

Wie geht es weiter mit dem Kinderheim Reseberg? Für die Gebäude wurde ein beachtlicher Sanierungsbedarf errechnet.

Foto: Dana



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