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Unbeliebter Job: In den Freibädern fehlen die Schwimmmeister / Azubis aus Niedersachsen wandern ab

„Wir arbeiten, wenn andere ihren Spaß haben“

Weserbergland (xb).Strahlender Sonnenschein, die Temperaturen klettern in die Höhe und die Sommersachen werden ausgepackt. An einem solchen Tag erfrischen sich viele Menschen in den Freibädern der Region. Es wird geschwommen, gesprungen, gerutscht und geplanscht.

veröffentlicht am 20.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 04:41 Uhr

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Im Baxmannbad in Hessisch Oldendorf ist das Schwimmvergnügen aber erst ab 12 Uhr möglich, auch an einem Sommertag aus dem Bilderbuch – weil der Bademeister fehlt. In Bad Münder musste man ebenfalls lange suchen, um eine zweite Kraft zu finden. Es gibt nämlich nicht genug Schwimmmeister, die die Schwimmer beaufsichtigen. Aber woran liegt das? „Wir arbeiten, wenn andere ihren Spaß haben. Gern würde ich an solch einem Tag auch ins Wasser springen. Das mag für viele junge Leute abschreckend wirken“, vermutet Frank Haake, Schwimmmeister in Bad Münder als Wurzel des Übels. Korrekt ausgedrückt ist er Meister für Bäderbetriebe. An einem heißen Badetag arbeitet er am härtesten. Es werden Pflaster für kleine Wunden vergeben, wiederholt ermahnt er die Kinder und Jugendlichen, nur alleine auf dem Sprungturm zu stehen. Außerdem „liegt das Augenmerk immer auf der Wasseroberfläche“, erklärt Haake. Kollegin Nicole Beldner ist Fachangestellte für Bäderbetriebe, eine dreijährige Ausbildung hat sie absolviert, um den Gästen sicheren Badespaß zu gewährleisten. Im Gegensatz zu einem Meister darf sie aber nicht ausbilden und muss nicht die Übersicht über die Betriebsführung eines Bades behalten. „Das ist kein stupider Bürojob, man ist an der frischen Luft und hat viel Kontakt mit den Menschen. Wer das Element Wasser liebt und körperlich und geistig fit ist, für den ist der Job optimal“, erzählt sie von ihrem Beruf. „Man bringt Kindern das Schwimmen bei und sorgt für einen reibungslosen Badetag im Schwimmbad, das ist eine wichtige Aufgabe, die mir sehr viel Spaß macht“, fügt Pierre Kramer, Fachangestellter für Bäderbetriebe in Coppenbrügge hinzu. Trotz solch eines attraktiven und abwechslungsreichen Berufs haben die Bäder scheinbar Schwierigkeiten, Meister und Fachangestellte für sich zu gewinnen. Die Ausbildung ist nicht leicht, vierzig bis fünfzig Prozent schaffen sie nicht. Von allem ein bisschen müssen die Fachangestellten für Bäderbetriebe können, von Chemie über Anatomie zur Ersten Hilfe und Rettungsübungen. Außerdem müssen sie in ihrer Abschlussprüfung hundert Meter in einer Minute dreißig schwimmen. Jährlich schließen etwa neunzig bis hundert junge Leute die Ausbildung ab und wachen über Schwimmer und Bäder. „Hier in Niedersachsen haben wir sogar einen Exportüberschuss. Geprüfte Fachangestellte für Bäderbetriebe aus Niedersachsen arbeiten oft in anderen Bundesländern oder sogar in der Schweiz und Österreich. Wahrscheinlich sind diese Standorte attraktiver als Kleinstädte wie Bad Münder und Hessisch Oldendorf“, erklärt sich Winfried Meis von der Landesschulbehörde die Knappheit an Arbeitskräften. Und was machen die Hüter der Bäder im Winter? Für viele ist der Beruf Saisonarbeit. Wer Glück hat, arbeitet wie Pierre Kramer im Winter im Hallenbad. Frank Haake hält im Winter das Freibad in Bad Münder in Ordnung, so dass im Sommer der Badebetrieb ohne Probleme fortgesetzt werden kann. Wer nur einen Saisonvertrag über den Sommer hat, der muss gucken, wie er den Kopf über Wasser hält. „Auch das könnte ein Grund sein, warum viele sich gegen den Beruf entscheiden. Das ist eben die Kehrseite der Medaille“, vermutet Nicole Beldner. Außerdem sei es schwer, die Arbeitszeiten mit einer Familie unter einen Hut zu bringen, weil man ja gerade im Sommer mal einen Ausflug ins Grüne oder eben ins Schwimmbad machen will, meint Beldner. Haake sagt trotz aller kleinen Nachteile: „Ich liebe meinen Job. Seit ’78 gehe ich mit einem Lächeln zur Arbeit.“

Nicole Beldner ist Fachangestellte für Bäderbetriebe – ihr macht ihr Beruf an der frischen Luft Spaß.Foto: xb

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