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Eicheln in Fülle und mildes Wetter / Tierschützer plädieren für Mittel zur Empfängnisverhütung

Wildschweine vermehren sich explosionsartig

Weserbergland (joa). Ein Herbst, in dem Eicheln und Bucheckern nur so von den Bäumen prasselten und ein bislang überaus milder Winter werden in diesem Frühjahr voraussichtlich zu einer erneuten Bestandsexplosion bei den Wildschweinen führen. Dieser Überzeugung ist Jürgen Ziegler, Vorsitzender und Kreisjägermeister der Jägerschaft Hameln-Pyrmont.

veröffentlicht am 21.01.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 15:21 Uhr

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Wie die Statistik der in den heimischen Revieren erlegten Schwarzkittel zeigt, hat die Zahl der Wildschweine, die in den sogenannten Mastjahren eine Vermehrungsrate von über 300 Prozent haben können, in den vergangenen optimalen Futter-Jahren hierzulande kontinuierlich zugenommen. Für das Jagdjahr 2010/2011 zeigt die Streckenliste stolze 1819 Abschüsse. 1995/96 waren es beispielsweise nur 680. Will heißen: In Feld und Flur droht das Schwarzwild längst zur Plage zu werden, über die immer wieder Klagen von Landwirten zu hören sind. Und selbst Siedlungen sind nicht mehr vor Wildsau-Besuch sicher.

Wie Ziegler zu berichten weiß, sah das in Hameln-Pyrmonts Revieren längst nicht immer so aus. „Nach dem Krieg gab es so gut wie keine Wildschweine im Landkreis-Hameln-Pyrmont“, erinnert sich Ziegler. Nach radikalem Abschuss der Schwarzkittel als Kulturschädlinge baute sich erst in den 60er und 70er Jahren langsam wieder ein Bestand auf. Hierfür wurden in den Wäldern zwischen Emmerthal und Bad Pyrmont sogar Hegegemeinschaften für diese Wildart aufgebaut – der erste Schwarzwildring Niedersachsens geht auf Initiative des unlängst verstorbenen heimischen Waidmanns Prof. Dr. Chelius zurück.

Dass das Schwarzwild heute in den Wäldern des Weserberglands überhandnimmt, hat laut Kreisjägermeister ganz natürliche Gründe: So böte das Weserbergland für Wildschweine nicht zuletzt durch eine veränderte Forst- und Landwirtschaft, regelmäßige Niederschläge und gemäßigte Temperaturen optimalen Lebensraum. Die Tiere seien hier rund ums Jahr ausreichend ernährt; ihre hohe Vermehrungsrate sei nicht, wie von Kritikern immer wieder behauptet, auf Zufütterungen durch Jäger zurückzuführen, so Ziegler; die seien nach dem Jagdgesetz vom 1. Mai bis zum 31. Dezember sogar ausdrücklich verboten. Und dieses Verbot werde hierzulande eingehalten.

Um der Wildschwein-Bestandsexplosion entgegenzuwirken, musste die Jägerschaft in den von Fichten-Monokulturen zu lichten Mischwäldern umgewandelten deckungsarmen Forsten in den vergangenen zehn bis zwanzig Jahren neue Jagdformen entwickeln. Nachdem man den Jungschweinmassen mit der klassischen Pirsch bei Vollmond im verschneiten Revier nicht mehr Herr geworden war, ging man zum Ansitz an Lockstellen mit Schweine-Leckerlis über: Hier kriegt der Waidmann nicht nur Einzeltiere, sondern auch schon mal eine Rotte vor den Gewehrlauf. Zukunftsweisende Jagdmethode zur Eindämmung der Wildschweine, so Ziegler, dürften revierübergreifende Jagden sein. Hierbei wird gleichzeitig über mehrere Reviere gejagt und dabei der gesamte Lebensraum einer Rotte, der ein Gebiet von bis zu 1300 Hektar umfassen kann, erfasst. Hierbei können dann sicher überzählige Jungtiere erlegt werden.

Energisch wird von Hameln-Pyrmonts Jägerschaft indes der Vorwurf zurückgewiesen, den Wildschweinbestand mit dem Abschuss von Leitbachen, der Fallenjagd, mit Nachtsichtgeräten oder der Nachtjagd mit Scheinwerfern zu begrenzen. Das, so Ziegler, sei verboten und schon der Versuch brächte die Jagdberechtigung in Gefahr. Und als absolut illusorisch tut der Kreisjägermeister den Vorschlag ab, der unlängst der Wildtierschutz Deutschland e.V. gemacht hat: Nämlich, den Bachen in kritischen Regionen Empfängnis-Verhütungsmittel zu verabreichen ...

In diesem „grünen Winter“ findet das Schwarzwild optimale Futterbedingungen in den Wäldern des Weserberglandes.

Foto: Wesinär Poem



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