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Ottensteiner Bürger entsetzt / Nach Raubüberfall richtet Kripo Sonderkommission ein

Wie kamen die Täter in die Bank?

Ottenstein. Nach dem Überfall auf die Volksbank in Ottenstein herrscht Entsetzen in dem kleinen, sonst so beschaulichen Ort auf der Hochebene. Ein solches Verbrechen auf dem Land, dass hat niemand für möglich gehalten. Die Kripo hat eine Sonderkommission eingerichtet, um den Tätern auf die Spur zu kommen.

veröffentlicht am 11.04.2016 um 19:43 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:04 Uhr

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Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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„So einen Ausweis habe ich noch nie live gesehen. Das ist ja hier wie im Tatort“, sagt eine Passantin zu einem Kripobeamten, der nach dem Überfall auf die Ottensteiner Volksbank-Filiale die Ermittlungen aufgenommen hat. Der Kommissar hat sich gerade vorgestellt und ihr seinen Dienstausweis gezeigt. Der Beamte fragt, ob der Ottensteinerin am Vormittag etwas aufgefallen sei. Die schüttelt wie auch ihre Begleiterin nur mit dem Kopf. Nein, sie hätten nichts bemerkt, sagen die Frauen.

Nicht zu übersehen sind die Uniformierten, die sich im fast 1200 Einwohner zählenden Ort aufhalten und im Umkreis Streife fahren. Vor der Filiale der Volksband flattert ein rot-weiß gestreiftes Flatterband. Am Eingang steht ein Streifenpolizist, lässt niemanden herein. Ermittler in weißen Schutzanzügen suchen im Bankgebäude nach Spuren, stellen Beweismittel wie die Kabelbinder sicher, mit denen die Angestellte gefesselt wurde.

Ein VW fährt an der Volksbank vor. Eine Frau steigt aus. Sie scheint besorgt zu sein. „Ich zittere jetzt noch. Das ist ein Ding. Auf dem Land und am helllichten Tag. Das hätte mich auch erwischen können“, ist sich die Ottensteinerin sicher. Es ist die Reinigungskraft, die eigentlich zur Tatzeit in der Filiale sauber gemacht hätte. Ihre Arbeit hatte die Frau allerdings wegen eines Termins schon am Sonntagabend erledigt. Sie habe gerade vom Überfall im Internet gelesen und wollte hören, ob alles gut ausgegangen ist, sagt sie. Kripobeamte fangen die Putzfrau ab, vernehmen sie in einem Polizeifahrzeug.

„Schöne Schei …“ Der erste Kommentar von Friedrich Schomburg fällt knapp aus. Der 63-Jährige wohnt zwei Häuser neben der Filiale und mag nicht glauben, was gerade im beschaulichen Ort passiert ist. Um 7.45 Uhr war Schomburg noch selber in der Bank, hatte eine Überweisung eingeworfen und Geld am Automaten abgehoben. Es ist durchaus möglich, dass sich die Verbrecher zu dem Zeitpunkt schon im Gebäude aufgehalten haben.

Er habe aber in der Bank nichts Auffälliges gehört oder gesehen, so der Nachbar. Das gibt der Ottensteiner auch Kripobeamten zu Protokoll, die an Häusern an der Breiten Straße klingeln und Anwohner befragen. Nicht jedes der Häuser an der Straße ist noch bewohnt. Auch in den links und rechts an das Filialgebäude angrenzenden Häusern wohnt niemand mehr.

Der Überfall ist im ganzen Ort Gesprächsthema. Auch im Lebensmittelladen. „Alle reden darüber. Doch bis jetzt weiß noch keiner, was genau passiert ist“, sagt Inhaber Alaa Ragob. Auch zwei Streifenwagenbesatzungen hatten schon bei ihm angehalten. Der Händler kann nicht verstehen, dass so ein Überfall gerade in Ottenstein passiert.

Noch können – oder wollen Polizeibeamte – nicht mitteilen, wie die Täter ins Haus gelangt sind. Die eingerichtete Soko „Burg“ fahndet nach zwei Tätern, sagt Polizeioberkommissar Andreas Appel. Beide Männer hatten sich Sturmhauben mit Sehschlitzen über den Kopf gezogen. Sie sollen ungefähr 1,85 Meter groß sein und jeweils eine schlanke, sportliche Figur haben. Die Räuber sprachen hochdeutsch ohne Akzent. Sie trugen kurze, schwarze Blousons. Ein Täter soll 45 bis 50 Jahre alt, der andere mit 50 bis 55 Jahren etwas älter sein. Der Jüngere hatte zur Tatzeit eine Sonnenbrille auf.

Nach dem eingegangenen Notruf fuhren verfügbare Streifenwagen aus Bodenwerder, Hameln, Bad Pyrmont und Holzminden auf die Ottensteiner Hochebene. Die Fahndung nach den Bankräubern blieb erfolglos.

Wohl auch, weil die Tat erst nach fast einer Stunde entdeckt wurde und die Kriminellen dadurch einen Vorsprung hatten. Noch wissen die Ermittler nicht, wie die Täter geflüchtet sind, ob sie zunächst zu Fuß die Bank verließen und anschließend in ein Fluchtfahrzeug stiegen oder direkt von der Filiale mit einem Auto weggefahren sind.

Die 51-jährige Bankangestellte sei medizinisch betreut worden, sagt Polizeisprecher Appel. Die Volksbank habe ihr empfohlen, einen Arzt aufzusuchen und gegebenenfalls psychologische Hilfe anzunehmen, unterstützt Rolf Haas, Volksbank Privatkundenbankleiter die Mitarbeiterin.

Die Ermittler hoffen auf Hinweise aus der Bevölkerung und suchen Zeugen, die verdächtige Beobachtungen gemacht haben. Sachdienliche Hinweise nimmt die Polizei in Hameln unter der Telefonnummer 05151/933/222 entgegen.



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