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Auf dem Weg zur Bundesvorsitzenden

Wie die Fischbeckerin Anja Piel eine grüne Karriere hinlegte

FISCHBECK / BERLIN.Seit 2003 lebt Anja Piel in Fischbeck. Über lange Jahre war sie in Hameln als Kreisvorsitzende und als Geschäftsführerin der Stadtratsfraktion der Grünen politisch aktiv. Seitdem hat Piel in kürzester Zeit eine politische Laufbahn hingelegt, die ihresgleichen sucht und derzeit mit ihrer Bewerbung für den Bundesvorsitz der Grünen einen vorläufigen Höhepunkt gefunden haben dürfte.

veröffentlicht am 08.01.2018 um 14:49 Uhr
aktualisiert am 08.01.2018 um 16:16 Uhr

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Autor

Henry Griesefell Reporter
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1965 als zweites von vier Kindern in Lübeck geboren, ist sie seit 1991 Niedersächsin, lebt seit 2003 in Fischbeck. Über lange Jahre war sie in Hameln als Kreisvorsitzende und als Geschäftsführerin der Stadtratsfraktion der Grünen politisch aktiv. Seitdem hat Anja Piel in kürzester Zeit eine politische Laufbahn hingelegt, die ihresgleichen sucht und derzeit mit ihrer Bewerbung für den Bundesvorsitz der Grünen einen vorläufigen Höhepunkt gefunden haben dürfte.

Die 52-jährige Landtagsabgeordnete aus Fischbeck ist eine grüne Karrierefrau par excellence: Nach dem Abitur 1985 erlernte sie in Bad Schwartau den Beruf der Industriekauffrau. Zwischen 1991 und 1995 half sie beim Aufbau des Mütterzentrums in Hameln und war dort von 1995 bis 1997 angestellt. Hier traf sie auf die Grünen, deren frauen- und familienpolitischen Schwerpunkten sie besonders ansprachen. Bereits als Schülerin war bei Anja Piel beim Besuch des Atomkraftwerks Würgassen der Wunsch gereift, sich politisch für eine andere Art von Energiepolitik einzusetzen.

Den Grünen beigetreten ist Anja Piel 1998. Im selben Jahr begann sie, als Geschäftsführerin der Grünen Hamelner Ratsfraktion zu arbeiten, wo sie bis 2012 tätig war. Anja Piel wurde 2009 zur Vorsitzenden des grünen Kreisverbands Hameln-Pyrmont gewählt. In dieser Funktion war sie als Kreisvorsitzende regelmäßig Delegierte auf Landesdelegierten- und Bundesdelegiertenkonferenzen und seit 2005 Mitglied im niedersächsischen Parteirat. 2008 wurde sie zur stellvertretenden Ortsbürgermeisterin in Fischbeck gewählt.

Auf Landesebene war es bereits 2007 weitergegangen. Sie wurde stellvertretende Landesvorsitzende der Grünen und 2010 auf dem Grünen-Landesparteitag in Northeim schließlich Landesvorsitzende. Bis 2013 hatte sie dieses Amt neben Jan Haude inne. Nach 20 Jahren Oppositionsarbeit der Grünen wurde Anja Piel 2013 Spitzenkandidatin für die Landtagswahl. Gemeinsam mit Stefan Wenzel fuhr sie mit 13,7 Prozent das beste Ergebnis ein, das die Grünen bis dahin in Niedersachsen erzielt hatten. Das Ergebnis war eine rot-grüne Koalition mit nur einer Stimme Mehrheit in Niedersachsens Landesregierung. Anja Piel übernahm am 18. Februar 2013 das Amt der grünen Fraktionsvorsitzenden.

Niedersachsens Grünen-Fraktionschefin Anja Piel will nun am 26. und 27. Januar beim Bundesparteitag in Hannover zur Bundesvorsitzende ihrer Partei gewählt werden. „Warum bewerbe ich mich also als Bundesvorsitzende“, fragt Anja Piel in ihrem Internet-Brief an ihre grünen Parteifreunde: Mit ihrer Kandidatur zur Bundesvorsitzende dieser Partei verspricht sie, sich für mehr Mitgliederbeteiligung einzusetzen. „In den kommenden Wahlkämpfen werden wir nicht bestehen, wenn wir uns mit Nabelschau und alten Flügelkonflikten beschäftigen. Die Beteiligungsverfahren unserer Partei müssen dringend überprüft und, wo nötig, reformiert werden. Das möchte ich mit vorantreiben“, schreibt Piel in einem Bewerbungsbrief auf ihrer Seite im Internet. Piel wird dem linken Flügel zugerechnet. Und sie will dafür sorgen, dass die Parteibasis nicht nur in Urabstimmungen mitgestalte.

Wichtig sei ihr eine „gerechtere Gesellschaft“, mit Chancengleichheit für Frauen und Männer, Unterstützung für Menschen mit weniger Geld und politischer Beteiligung von Zuwanderern. In der Energiepolitik setzt sie sich für den Atom- und Kohleausstieg ein. Anja Piel: „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir stärker werden können und müssen. Nur dann wird es gelingen, dass unser Land offener, gerechter und ökologischer wird“, so Piel

Anja Piel ist verheiratet, hat zwei Kinder. Sie ist Mitglied im NABU, im Förderkreis des Stifts Fischbeck, hat sich intensiv mit Fischbecks Dorferneuerung beschäftigt. Ihr Lebensmittelpunkt ist für die Hannover-Pendlerin derzeit noch das Stiftsdorf. Doch schon als Fraktionsvorsitzende an der Leine musste sie ihre Bodenhaftung im Weserbergland nach eigenem Bedauern zwangsweise reduzieren. Bleibt abzuwarten, wie die Fischbeckerin, der es stets so wichtig war, „dass wir Politik nicht aus der Ferne betreiben, sondern die Feinabstimmung immer vor Ort vornehmen“, diesen Spagat als mögliche grüne Bundesvorsitzende zwischen der Spree und der Weser zu leisten vermag.

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