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Was Google ausspuckt, wenn man nach Eigenschaften der hiesigen Städte und der Region sucht

Weserbergland – wo ist das?

Weserbergland. Hamburg ist ein schönes Städtchen, Berlin ist eine Reise wert, Köln ist ein Genuss und München ist bunt. Die Suchmaschine Google hält für jede Stadt eine zweite Identität bereit. Was online zu lesen ist, wenn man nach den Städten sucht, unterscheidet sich dabei von Reiseführern dadurch, dass sie genau zeigen, was die Menschen an einem Ort interessiert oder fasziniert. Nicht immer ist alles schön, aber das macht die Einträge irgendwie glaubwürdig. Wie sieht nun das Weserbergland online aus? Stößt man durch einfaches Googeln auf echte Schätze oder dominieren gähnende Hilferufe die Google-Suche? Ohne ein Zusatzverb, wie „ist“ oder „hat“ zeigt die automatische Google-Vervollständigung der Städte im Weserbergland am häufigsten Kino, Weihnachtsmarkt oder Reha an. Der Rückschluss für den Nutzer: Im Weserbergland geht man nach einem anstrengenden Tag in der Reha eine Runde über einen Weihnachtsmarkt, bevor man sich im Kino die Zeit vertreibt.

veröffentlicht am 26.02.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 22:21 Uhr

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Autor:

von Julia Rau
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Fügt man das Wörtchen „ist“ zur gesuchten Stadt hinzu, zum Beispiel „Salzhemmendorf ist“, gibt es für Google nur zwei Möglichkeiten dessen, was man nun suchen könnte: einen Dönerladen namens Istanbul oder die Stadt vor dem Verb selbst. In Hessisch Oldendorf hat man dann die Wahl zwischen Istanbul oder Istanbul 2, das Weserbergland selbst ist unauffindbar. Auf „Weserbergland ist“ folgt: „Weserbergland, wo ist das?“ Ebenfalls schwer zu finden auf der digitalen Landkarte sind Emmerthal („Wo ist Emmerthal?“), Coppenbrügge („Wo ist Coppenbrügge?“), Salzhemmendorf, Holzminden und Bodenwerder. Bei all diesen Städten stellt die Autovervollständigung erst einmal die Frage „wo ist das?“ Und wer nach Holzminden will, fragt sich online häufiger mal, „ist Holzminden NRW?“ Aerzen dagegen – das im Netz auch zuerst mit Istanbul in Verbindung gebracht wird, wenn man „Aerzen ist“ sucht – hat tatsächlich etwas mit der türkischen Großstadt zu tun: Die Aerzener Maschinenfabrik ist dort tätig.

Klarer Trend: Den Städten fehlt ein Alleinstellungsmerkmal oder genug Nutzer, die die Suchwort-Rangliste ändern könnten.

Hameln mit seiner Rattenfängersage, von der man bei jeder Gelegenheit zu hören bekommt, wie berühmt sie ist, steht im Internet auch als die Stadt mit der Sage da: „Hameln ist berühmt für eine Sage.“ Aha. Immerhin. Sucht man „Hameln hat“, macht einem aber sogar bei dieser konkreten Wortwahl schon wieder eine andere Stadt den dritten Eintrag streitig: „Hat Köln eine Umweltzone?“, lautet dann die Frage. Das kleine Wörtchen „hat“ ist anscheinend so oft in diesem Zusammenhang benutzt worden, dass es nicht mehr in der Verbenwelt der deutschen Sprache, sondern der Großstädte zu Hause ist. Denn alle anderen „haben“ scheinbar nicht viel. Aber Köln hat eine Umweltzone.

Für Hameln ohne weiteres Suchwort steht an vierter Stelle „Hameln lebt“. Gut zu wissen. Die Seite wird von zwei Fotografen betrieben, die sich in das Hamelner Nachtleben – zumindest an den Tagen im Kalender, an denen es eins gibt – stürzen und die ausgelassene Seite der Stadt zeigen. Dass darauf hingewiesen werden muss, dass die Stadt lebt, stimmt allerdings etwas nachdenklich und lässt deshalb genau das Gegenteil vermuten. Was hat Hameln noch?

Gibt man „Hameln hat“ ein – bei den Städten im Weserbergland führt dieser Zusatz zu gar keinem Ergebnis mehr – bekommt man „Hameln hatsuki yura“. Was? Yura Hatsuki ist ein japanischer Künstler, der in seinem Repertoire auch das Lied „Hameln“ führt. Es handelt von den berauschenden Klängen, die – nein, nicht etwa der Rattenfänger – sondern die Stadt Hameln pfeift. Da ist die Sage wohl nur zur Hälfte in Japan angekommen.

Fazit einer Online-Suche nach den Städten im Weserbergland: Die meisten sind gänzlich unbekannt und müssen erst gefunden werden. Geografisch, nicht im Netz. Dass Google bei den meisten keinen Vorschlag hat, was die Stadt zu bieten hat, stimmt nachdenklich. Denn Identitätslosigkeit scheint in der Suchmaschine das Alleinstellungsmerkmal der Region zu sein. Ernüchternd, aber online.



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