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Wie Fördervereine beim Erhalt helfen

Weserbergland, deine Bäder

WESERBERGLAND. Ungefähr seit den 60er Jahren hatte es jede Stadt, die etwas auf sich hielt: ein Freibad. Die Freibäder waren ein Statussymbol, mittlerweile sind viele jedoch eher ein hilfsbedürftiger Patient, der ohne die Unterstützung eines Fördervereins nicht überleben könnte. Wir geben einen Überblick über den Zustand der Bäder im Weserbergland.

veröffentlicht am 22.06.2017 um 16:02 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:22 Uhr

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Vorzugsweise hatten die Freibäder eine 50-Meter-Bahn, eine große Wiese und einen Pommes-Stand. Früher war das Schwimmbad ein Aushängeschild, ein Statussymbol, das nach Wohlstand für alle roch. Das funktioniert schon lange nicht mehr. Einige Bäder schlossen, andere wurden teure Sanierungsfälle. Den goldenen Zeiten folgte das Sparen. Mit den eigentlich immer defizitären Schwimmbädern beginnt die große Zeit der Fördervereine. Mit den engagierten, oft ehrenamtlich arbeitenden Helfern, gelingt es vielerorts, die Bäder über Wasser zu halten.
Bis auf das Südbad und das Hallen- und Freibad in Bad Pyrmont haben alle Bäder im Landkreis einen Förderverein im Rücken. Sie betreiben entweder das Bad oder unterstützen es finanziell oder durch Mitarbeit. Für ein Bad in der Größenordnung des Südbades sei der Mehrwert eines Fördervereins allerdings fraglich, sagt Geschäftsführer Tim Corinth von der Aqua Sport GmbH.

Badekarte für das Weserbergland

Doch viele kleinere Bäder würden heute wohl nicht existieren, wenn es die Fördervereine nicht gäbe. Denn ob die Besucher die Eintrittspreise zahlen würden, die dann nötig wären, um das Bad zu unterhalten, ist fraglich. In Deutschland sei mehr als die Hälfte der Frei- und Hallenbäder sanierungsbedürftig, sagt Franz Schramma, Sprecher der neu gegründeten Bäderallianz Deutschland, in der „Süddeutschen. Er fordert einen Masterplan zur Finanzierung. 4,5 Milliarden Euro wären demnach notwendig, um die Bäder vor der Schließung zu bewahren.
Soweit ist es im Weserbergland lange nicht. Noch haben Kinder die Möglichkeit, schwimmen zu lernen – auch wenn sie gefühlt immer seltener ins Schwimmbad gehen. Ob ein Spaßbad, wie es für Hameln immer mal wieder im Gespräch war, daran etwas ändern würde?
Zumindest eines ist gewiss: Das Südbad ist das einzige Bad in Hameln-Pyrmont, über dessen Schließung bald entschieden wird. Der Sanierungsstau betrug 2007 laut Gutachten 9,15 Millionen Euro. Die würden heute wohl nicht mehr reichen. Die letzten Überlegungen sahen deshalb einen Außenbereich am Hallenbad Einsiedlerbach vor.

Ein Überblick zu den Freibädern im Weserbergland (in alphabetischer Reihenfolge)

Freibad Aerzen



Erbaut: 1971
Betreiber: Flecken Aerzen, seit 2009 dem Eigenbetrieb Flecken Aerzen „Wasser“ angegliedert
Kosten: 477.200 Euro
Defizit: 240.000 Euro 250.000 Euro gemacht (2013).
Kostenfresser: Personal und Energie
Zuschüsse: keine
Drohende Schließung: Nein. Nach dem Freibad-Brand wurde der Rückhalt der Bäder in der Politik und bei den Bürgern deutlich. Mit der neuen Technik, mit der auch das Hallenbad betrieben wird, sind die Bäder technisch gut aufgestellt. Allerdings soll die Wirtschaftlichkeit der Bäder gesteigert werden, das heißt: Die Preise erhöhen sich. Unterstützung erhält der Flecken Aerzen vom neu gegründeten Förderverein Aerzener Bäder
Besucher: 30.586 Besucher (2013)
Öffnungszeiten: 8 – 11 und 14 – 20 Uhr, Mi. ab 7 Uhr. In den Sommerferien durchgängig geöffnet.
Eintritt: 3 Euro, Kinder 1 Euro.

Rohmelbad Bad Münder


Erbaut: Juni 1955
Betreiber: Stadt Bad Münder
Kosten: Jahresergebnis 251.909 Euro (2015),
Defizit: -191 096 Euro.
Kostenfresser: Personalkosten.
Zuschüsse: Nein, bis auf Spenden
Drohende Schließung: Nein.
Besucherzahl: 28 071
Öffnungszeiten: 11- 19 Uhr, bei gutem Wetter bis 20 Uhr, Di. bis Fr. von 6.30 Uhr bis 8.30
Eintritt: 2,80 Euro, Kinder: 1,30 Euro

Freibad Bad Pyrmont


Erbaut: 1973
Betreiber: Stadtwerke Bad Pyrmont Beteiligungs- und Bäder GmbH
Kosten: 1.780.800 Euro (keine getrennte Rechnung für Frei- und Hallenbad)
Defizit: 1,484 Mio. (2016)
Kostenfresser: Materialaufwand, Personal
Zuschüsse: Nein, Finanzierung durch den steuerlichen Querverbund aus den Gewinnen der Stadtwerke Bad Pyrmont
Drohende Schließung: Nein
Besucher: Rund 123 000 ohne Schüler und Vereine, sonst rd. 150 000
Öffnungszeiten: Mo. - Fr.
6.45 - 20 Uhr, Sa.-So.8 - 20 Uhr
Eintritt: 4 Euro, Kinder 2,50 Euro.

Freibad Bakede


Erbaut: 1938
Betreiber: Förderverein Freibad Bakede e. V.
Kosten: 40 000 Euro
Defizit: ca. 6000 Euro
Kostenfresser: Badeaufsicht und Kioskbetreiberin.
Zuschüsse: Stadt Bad Münder, 8500 Euro
Drohende Schließung: 1979, Gründung des Fördervereins.
Besucherzahlen: ca. 3500
Öffnungszeiten: Mo. - Fr. 14- 20 Uhr, Sa. 12 - 20 Uhr, So. 10- 20 Uhr
Eintritt: 2,50 Euro, Kinder 1 Euro

Freibad Bodenwerder-Polle


Erbaut: 1977
Betreiber: erst Samtgemeinde Polle, ab 2010 Samtgemeinde Bodenwerder-Polle
Kosten: ca. 145.000 Euro
Defizit: ca. 124.000 Euro
Kostenfresser: Personal
Zuschüsse: Unterstützung bei Pflege- u. Unterhaltungsmaßnahmen.
Drohende Schließung: Nein
Besucher: ca. 17 500 plus 450 aus Vereinen und Feuerwehr.
Eintritt: 3 Euro, 1,50 Euro

Freibad Bösingfeld


Erbaut: 1961
Betreiber: Förderverein des Freibades Bösingfeld Asmissen e.V.
Kosten: rund 60 000 Euro
Defizit: rund 40 000 Euro
Kostenfresser: Personalkosten
Zuschüsse: gemeinde zahlt Schwimmmeister und 13 000 Euro .
Drohende Schließung:. Da die Gemeinde Extertal zwei Freibäder hat, wird schon überlegt, eines zu schließen.
Besucher: ca. 13.000 Besucher
Öffnungszeiten: Mo – Sa 13 – 19 Uhr (Ferien: ab 12.30 – 19.30 Uhr), So. 10 – 19 Uhr, Bei schlechtem Wetter: 15 – 18 Uhr
Eintritt: 2,50, 1,50 Euro

Freibad Coppenbrügge


Erbaut: 1958
Betreiber: Flecken Coppenbrügge
Kosten: 140 000 Euro
Defizit: 120000 Euro
Kostenfresser: Unterhaltung und Betriebskosten (im Schnitt 52000 Euro).
Zuschüsse: keine
Drohende Schließung: Nein.
Besucherzahl: 18 000
Öffnungszeiten: Mo/Mi/Fr: 14 - 20 Uhr, Di/Do: 6 - 10 Uhr u. 14 - 18 Uhr, Sa/So: 11 - 20 Uhr
Eintritt: 3 Euro, Kinder 1,80 Euro

Süntelbad Haddessen

Erbaut: 1939
Betreiber: bis 1971 Zweckverband Süntelbad Haddessen, bis 1973 Gemeinde Fischbeck, danach Stadt Hessisch Oldendorf. 1998 pachtet der Trägerverein Süntelbad Haddessen das Bad von der Stadt.
Kosten: 40 000 Euro
Defizit: 3000 Euro, aus Rücklagen finanziert
Kostenfresser: Personal und Strom
Zuschüsse: Stadt Hessisch Oldendorf ca 20 000 Euro
Drohende Schließung: Mit dem Bau des Baxmannbades wurde das Süntelbad in andere Trägerschaft überführt. Überlegungen zur Schließung gab es öfter. Engagierte Bürger haben das verhindert.
Besucherzahl: 6309
Öffnungszeiten: Mo. bis Fr.: 14 - 20 Uhr (Ferien ab 13 Uhr), Sa. 13 - 20 Uhr, So. 10 - 20 Uhr
Eintritt: 2 Euro, Kinder 1 Euro.

Freibad Halvestorf


Erbaut: 1940er Jahre
Betrieben von: Trägerverein Waldbad Halvestorf.
Kosten: 40 000 Euro
Defizit: keins
Kostenfresser: Strom
Zuschüsse: nicht regelmäßig
Drohende Schließung: Derzeit nicht
Besucher: ca. 8000
Öffnungszeiten: Vorsaison: Mo - Fr 14 - 19 Uhr, Wochenende: 11 - 19 Uhr, (Sommerferien): Mo – Fr 13 - 19 Uhr, Di – So 11 bis 19 Uhr
Eintritt: 3 Euro, Kinder 1,50 Euro

Südbad Hameln
Erbaut: 1975
Betreiber: seit 1. Januar 2017 die Aqua Sport Hameln GmbH, eine Tochter der Stadtwerke.
Kosten: 455 580 Euro (2016)
Defizit: 331 700 Euro
Kostenfresser: Personal- und Unterhaltung
Zuschüsse: die Gewinnausschüttung an die Stadt reduziert sich entsprechend um die benötigen Zuschussmittel.
Drohende Schließung:
Derzeit wird ein Bäderkonzept erstellt, die Schließung des Südbades ist nicht ausgeschlossen. Als Alternative wurde ein kombiniertes Hallen- und Freibad am Einsiedlerbach diskutiert.
Besucher: 16 000
Öffnungszeiten: Mo. bis Fr. 6.30 - 20 Uhr, Wochenende: 10 - 18 Uhr
Eintritt: 3 Euro, 1,20 Euro.

Naturerlebnisbad Lauenstein


Erbaut: 1998
Betreiber: Naturerlebnisbad-Verein Lauenstein
Kosten pro Jahr: ca. 50 000 Euro
Defizit: keins
Kostenfresser: Personal
Zuschüsse: 24 000 Euro Gemeinde Salzhemmendorf
Drohende Schließung: Nein
Besucher: rund 8000
Öffnungszeiten: Mo. - Fr. 14 - 19 Uhr, Wochenende/Ferien 10 - 19 Uhr
Eintritt: 3,50 Euro, Kinder 2 Euro

Waldbad Osterwald


Erbaut: 1953/4
Betreiber: bis 1973 Gemeinde Osterwald, bis 1997 Flecken Salzhemmendorf, ab 1998 Waldbad Osterwald e. V.
Kosten: ca. 90 000 Euro pro Jahr.
Defizit: ohne Verlust.
Kostenfresser: Betriebskosten.
Zuschüsse: Zuschuss vom Flecken, außerdem Unterstützung bei Investitionen, Sponsoren, Vereinsbeträge, Einnahmen aus Veranstaltungen.
Drohende Schließung: 1997, dann Übernahme durch den Verein.
Öffnungszeiten: Mo. bis Fr.: 14.30 - 19.30 Uhr, Wochenende/Feiertag/Sommerferien: 10 - 19.30 Uhr
Eintritt: 1,50 Erwachsene, Kinder 1,20 Euro

Waldbad Rohden


Erbaut: 1966
Betreiber: Bis 1994 Gemeinde Rohden, dann Stadt Hessisch Oldendorf, ab 1995 die Waldbadinitiative Rohdental
Kosten pro Jahr: 45 000 Euro.
Defizit: keins
Zuschüsse: 25000 Euro (Stadt Hessisch Oldendorf)
Kostenfresser: Reparatur und Instandhaltung.
Drohende Schließung: 1993/94, als in Hessisch Oldendorf das Baxmannbad entstand. Verhindert durch die Waldbadinitiative.
Besucher: im Schnitt 7000 pro Jahr.
Öffnungszeiten: Mo. bis Fr. 7 - 9, 16 - 19 Uhr, Sa. 14.30 - 19 Uhr, So. 12 - 19 UhrSchulferien: 12 - 19 Uhr
Eintritt: 2,50 Euro, Kinder 1 Euro

Waldbad Sünteltal


Erbaut
: 1977
Betreiber: seit 1. Januar die Aqua Sport Hameln GmbH, gehört zum Konzernverbund der Stadtwerke.
Kosten: 109 340 Euro
Defizit: 79 610 Euro
Kostenfresser: Personal,und Unterhaltung
Zuschüsse: die Gewinnausschüttung an die Stadt reduziert sich entsprechend um die benötigen Zuschussmittel.
Drohende Schließung: 2006, der Förderverein Waldbad Sünteltal e.V. kämpfte für den Erhalt.
Öffnungszeiten: Mo, Di u. Do: 14.30 - 20 Uhr, Mi u. Fr: 14.30 - 19 Uhr. Wochenende 11 - 19 Uhr
Eintritt: 3 Euro, Kinder 1,20 Euro

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