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Mit ihren schweren Transporten sind sie auf die Wasserstraße angewiesen

Weser für Betriebe lebensnotwendig

Weserbergland. Die Oberweser muss trotz zurückgegangener Tonnagezahlen in der Frachtschifffahrt auch weiterhin als funktionierende Wasserstraße erhalten werden. Dafür machen sich nicht nur die Personenschifffahrt und das Tourismusgewerbe stark. Vor allem Weser-Anliegergemeinden und die Wirtschaft von Kassel bis Minden protestieren derzeit gegen die Pläne der Bundesregierung, die Weser wegen geringen Frachtaufkommens als Bundeswasserstraße herunterzustufen und damit links liegen zu lassen.

veröffentlicht am 18.07.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 17:58 Uhr

Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Coppenbrügge-Salzhemmendorf zur Autorenseite
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Dr. Rolf Foellmer, Vorsitzender der Interessengemeinschaft (IG) Oberweser und Chef der Rieke GmbH Holzminden, die früher ihr Getreide über den Fluss verschifft hat, schlägt Alarm angesichts der Pläne der Bundesregierung, die Weser mit allen baulichen Konsequenzen herabzustufen, nur weil zu wenig Tonnage verschifft wird. Die Oberweser müsse für die Frachtschifffahrt auch bei niedrigen Wasserständen ganzjährig befahrbar sein, erklärt der Vorsitzende der IG Oberweser, die hierfür in die Suche nach gangbaren Wegen eingestiegen ist. Wobei man heute längst nicht nur in Kanalisierung und Staustufen das Heil für den Oberlauf des Flusses sucht.

Und auch die Initiative des Wirtschaftsverbandes Weser e.V. hat sich bereits in der Frage zum Erhalt der Wasserstraße zu Wort gemeldet. In einer Resolution zahlreicher Verbände und Organisationen hat auch sie sich für eine Änderung der vom Bundesverkehrsministerium geplanten Wasserstraßenkonzeption ausgesprochen: Die berechtigten Forderungen und Erwartungen der wasserstraßenorientierten Unternehmen und Wirtschaftsregionen an der Oberweser seien nicht angemessen berücksichtigt worden, heißt es darin.

Deutliche Signale gegen eine geplante Oberweser-Rückstufung und für einen Erhalt der Beschiffbarkeit zumindest auf dem Status quo kommen auch aus Hessen. Bei der Rückstufung der Wasserstraße habe der Bund die Entwicklung in den vergangenen Jahren vollkommen außer Acht gelassen, moniert Ulrich Spengler, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Kassel-Marburg. Die aktuelle Zahl der Nutzer und der beförderten Tonnage seien nicht mit in die Bewertung eingeflossen.

Als Argument führt die IHK Kassel-Marburg an, dass Unternehmen wie die Richter Maschinenfabrik AG, Anlagenbauer aus Hessisch Lichtenau, Alstom Power Energy Recovery GmbH, Hersteller von Prozesswärmetauschern und Energierückgewinnungssystemen für die Industrie aus Kassel und das niedersächsische Unternehmen AHE Schaumburger Weserkies aus Rinteln die Oberweser für Schwertransporte nutzen. Und auch VW Baunatal bei Kassel hat Interesse für den Wassertransport von Maschinenteilen angekündigt. Diese Entwicklung habe der Bund bei der Entscheidung zur Rückstufung des Flusses nicht berücksichtigt, so Spengler.

Denn immer mehr Betriebe sind mit ihren Transporten auf die Wasserstraße angewiesen, weil viele Brücken und Straßen für Schwertransporte nicht ausgerichtet sind, und es daher keine Genehmigungen für Sondertransporte gibt. So fordert Joachim Kraus, Prokurist der Richter Maschinenfabrik, nachdrücklich von der Politik eine verlässliche Zusage über die Möglichkeit künftiger Schwertransporte auf der Oberweser: „Der Erhalt der Wasserstraße bildet für unser Unternehmen einen wichtigen Baustein, um die Zukunft des Standorts zu sichern. Die Wasserstraße muss offenbleiben.“

Und der Prokurist führt weiter aus, dass die Spezialanfertigungen der Richter Maschinenfabrik bis 300 Tonnen wiegen. Über die Straßen darf das Unternehmen nur Gewichtsklassen bis 150 Tonnen befördern. Aufgrund neuer Richtlinien dürfte sich der Grenzwert bei immer maroder werdenden Brücken, die aus den 70er Jahren stammen, weiter reduzieren. Wird die Wasserstraße als Option von der Politik gestrichen, könnte der Betrieb aus Hessisch Lichtenau diese Sonderkonstruktionen nicht mehr befördern. Die Folge: Das Geschäftsfeld für den Bau von kundenspezifischen Sonderanfertigungen bricht weg. Damit entgehen dem Unternehmen mit 200 Mitarbeitern nicht nur die Kundenaufträge, sondern auch Freiräume für Investitionen am Standort im Werra-Meißner-Kreis. „Wir brauchen die Oberweser und die Umschlagstelle Hann. Münden, um Lasten über 100 Tonne transportieren zu können. Ein Betreiber für die Umschlagstelle ist bereits im Gespräch“, sagt Joachim Kraus im Interview.

Die Richter Maschinenfabrik hat nämlich bereits Einiges in den Erhalt der Wasserstraße investiert. So wurden 250 000 Euro in die Befestigung der Weserumschlagstelle in Hann. Münden gesteckt, um Bauteile gesichert von einem Lkw auf ein Schiff laden zu können. Die Stadtwerke Hann. Münden haben zudem signalisiert, dass ein Portalkran gebaut werden kann – sofern die Wirtschaft die Weserumschlagstelle regelmäßig nutzt. Bisher mussten sich die Unternehmen selbst um einen Kran für die Umladestelle kümmern. Eine Studie hat bereits bestätigt, dass rund 45 Unternehmen aus dem Oberweserraum Interesse an einer Entwicklung des Weserumschlagplatzes in Hann. Münden haben, der bislang vor allem von den Maschinenbauern genutzt wird.

Die Abwertung der Oberweser zur untergeordneten Bundeswasserstraße durch den Bund im vergangenen Jahr basiere auf veralteten Zahlen kurz nach der Jahrtausendwende, argumentiert auch Karsten Stückrath, Geschäftsführer der Alstom Power Energy Recovery. Die Schwertransporte von Alstom und der Richter Maschinenfabrik aus Hessisch Lichtenau wurden damals noch nicht über den Fluss abgewickelt. 2012 habe man immerhin drei Teile mit einem Gewicht von jeweils 250 bis 300 Tonnen transportiert, so Stückrath weiter, in diesem Jahr seien maximal sechs Transporte auf der Oberweser geplant; der Auftragswert liege im hohen zweistelligen Millionenbereich. Auch Alstom bleibt aufgrund des Gewichts der gefertigten und montierten Teile nur die Wasserstraße als Transportweg.



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