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Entsorgungskonzern verhandelt mit den Großen der Branche – Mitarbeiter und Kunden warten auf Vollzug

Wer kauft Tönsmeier?

WESERBERGLAND. In Deutschlands Abfallindustrie machen diverse Spekulationen um den Verkauf des Entsorgungskonzerns Tönsmeier die Runde. Nach der Ankündigung des Unternehmens, dass sich die Eigentümerfamilie bis Mitte 2018 zu 100 Prozent von ihrer Firma trennen möchte, wird in der Branche nunmehr über mögliche Käufer spekuliert.

veröffentlicht am 19.06.2018 um 14:48 Uhr

Im Weserbergland ist Tönsmeier groß im Recycling-Geschäft: Hier werden die gelben Säcke eingesammelt und verwertet. Foto: dpa
Thomas Thimm

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Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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Genannt werden immer wieder die Branchengrößen Remondis und Veolia – wobei dies kein Wunder sein dürfte, schließlich kommt für eine Tönsmeier-Übernahme wohl nur ein Großer der Branche in Frage, und das sind die beiden zweifelsohne.

Der Tönsmeier-Konzern mit Stammsitz in Porta-Westfalica und einer Dependance in Hameln ist mit Informationen zum Verkaufsprozess eher zurückhaltend. Pressesprecher Boris Ziegler sagt auf Anfrage unserer Zeitung: „Zum Stand der Dinge gibt es nichts Neues. Wir liegen mit unserem Zeitplan gut im Rennen und sind optimistisch, dass wir Nachrichten im Zeitplan veröffentlichen können.“ Als Verkaufszeitraum war im März das erste Halbjahr 2018 genannt worden; Ziegler spricht nunmehr von „Juni/Juli“. Somit müssten die Verkaufsgespräche offenbar weit fortgeschritten sein. Wer also macht das Rennen um Tönsmeier?

Es muss jedenfalls jemand sein, der nicht nur den Kaufpreis stemmen kann, sondern auch den Investitionsstau, den Tönsmeier selbst mit 150 Millionen Euro beziffert hat. Quellen wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) oder auch der „Europäische Wirtschaftsdienst“ (Euwid) nennen Veolia, die nach eigenen Angaben zu den drei größten privaten Entsorgungsunternehmen in Deutschland gehört. Immer wieder genannt wird aber auch Remondis. Nach FAZ-Informationen soll Remondis jedoch nur Interesse an der Müllverbrennungsanlage in Bernburg haben, die als Ertragsperle bezeichnet wird. Das Ersatzbrennstoff-Heizkraftwerk Bernburg dient als Industriekraftwerk der Energieversorgung eines benachbarten Werkes der Solvay GmbH. Es wird von der Energie Anlage Bernburg GmbH betrieben, einer Tochtergesellschaft von Solvay und Tönsmeier.

Information

Das ist der Tönsmeier-Konzern

Der Entsorgungs-, Verwertungs- und Recyclingkonzern wurde 1927 von Karl Tönsmeier als „Bahnamtliche Spedition“ in Porta Westfalica gegründet und wird mittlerweile in dritter Generation als Familienunternehmen geführt.

Heute ist Tönsmeier mit einer breiten Leistungspalette europaweit als Umweltdienstleister und Energielieferant tätig. 1958 stieg Tönsmeier in die Hausmüllentsorgung ein, 1971 in die Industrie- und Gewerbeabfallentsorgung, 1973 kam Glas hinzu, 1989 Schrott und Altmetall. 1991 wurde Tönsmeier Partner des Dualen Systems. 1996 eröffnete Tönsmeier seine erste Niederlassung in Polen. Seit 1998 arbeitet Tönsmeier im Kunststoff- und Holzrecycling. Und seit 2005 ist der Konzern im Glasrecycling zur Gewinnung von Ersatzbrennstoffen tätig.

Über 3000 Mitarbeiter betreuen mit 1100 Fahrzeugen kommunale Auftraggeber, duale Systemträger und Kunden aus Industrie und Gewerbe. Tönsmeier unterhält 30 Aufbereitungs-, Sortier- und Recyclinganlagen, hat Standorte in Deutschland, in den Niederlanden und in Polen.

Die Tönsmeier-Gruppe ist an 70 Standorten aktiv – darunter auch in Porta Westfalica, Hameln, Herford, Gütersloh, Lemgo, Espelkamp, Detmold, Halle, Paderborn, Petershagen und Rheda-Wiedenbrück.

Der Umsatz des Tönsmeier-Konzerns lag im Jahr 2016 bei 437,8 Millionen Euro (im Vorjahr waren es 403,1). Der Jahresüberschuss des Konzerns stieg im Jahr 2016 von 4,06 auf 7,09 Millionen Euro.

Der in der Branche umtriebige „Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung“ beruft sich ebenfalls auf die FAZ, um die Gesellschaft Waterland ins Spiel zu bringen, die angeblich Interesse an Tönsmeier haben und das Unternehmen inklusive Schulden mit mehr als 300 Millionen Euro bewerten soll. Waterland hält nach diesen Informationen unter anderem einen Mehrheitsanteil an Attero, einem niederländischen Unternehmen für Abfallmanagement, das Dienstleistungen aus dem gesamten Bereich der Abfallverwertung bietet, also Verbrennung, Kompostierung, Recycling und Deponierung. Das Unternehmen ist demnach der größte Abfallverwerter in den Niederlanden.

Mein Standpunkt
Thomas Thimm
Von Thomas Thimm

Der Tönsmeier-Konzern ist in seiner Entwicklung und seiner Bedeutung ein Vorzeige-Unternehmen: Seit 1927 als Familienunternehmen mittelständisch aufgebaut, ist Tönsmeier heute einer der Großen seiner Branche und Arbeitgeber für 3000 Menschen. Nun kommt – wahrscheinlich – ein noch Größerer als Investor. Den Mitarbeitern, der Region, den Standorten und den Kunden drücken wir die Daumen, dass der neue Eigentümer den Konzern nicht ausschlachtet, sondern weiterentwickelt.



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