weather-image
20°

Wer die 22 Millionen Euro Bauern-Stütze erhält

Weserbergland (rom). Tanja Klingner aus Coppenbrügge staunt nicht schlecht, welch bunte Blüten die Agrarsubventionen der Europäischen Union im Weserbergland auf den ersten Blick treiben. Stadtwerke sollen Hilfsgelder für die Landwirtschaft erhalten? Das kann sie gar nicht glauben.

veröffentlicht am 28.06.2009 um 19:35 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 21:21 Uhr

´kuh
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Weserbergland (rom). Tanja Klingner aus Coppenbrügge staunt nicht schlecht, welch bunte Blüten die Agrarsubventionen der Europäischen Union im Weserbergland auf den ersten Blick treiben. Stadtwerke sollen Hilfsgelder für die Landwirtschaft erhalten? Das kann sie gar nicht glauben.
 Die Pferdehalterin zählt zu den 1215 Empfängern in den Landkreisen Hameln-Pyrmont und Holzminden, die sich die 21,616 Millionen Euro aus Brüssel teilen. Doch kassieren nicht nur Landwirte die Bauern-Stütze, auch 41 Unternehmen und Institutionen sowie Kirchengemeinden, eine Schule und Freiherren listet die Bundesanstalt für Landwirtschaft seit kurzem als – selbstverständlich allesamt rechtmäßige – Empfänger offen im Internet auf.
 Pferdehalterin Klingner hat selbst nur einen kleinen Acker. Und erhält mit ihren 115,87 Euro eine der niedrigsten Summen im Weserbergland.
 Im Gegensatz zu der Pferdehalterin aus Coppenbrügge trumpft ein Unternehmen im Landkreis Hameln-Pyrmont auf, das sich in der Vergangenheit nicht als Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft hervortat: die Stadtwerke Bad Pyrmont. 149 586 Euro erhielt der kommunale Kurstadtversorger im Jahr 2008 laut Subventionsliste. Mehr Geld in den Kreisen Hameln-Pyrmont und Holzminden gab es nur noch für die Deister-Sünteltal GbR aus Bad Münder. Über das viele Geld wundert sich im ersten Moment selbst Bad Pyrmonts Stadtwerkechef Dieter Boldt. Denn von den 150 00 Euro bleiben selbst nur „20 000 bis 30 000 Euro“ in der Kurstadt hängen. Den Rest verteilt das Unternehmen an acht weitere Versorger in der „Interessengemeinschaft Wasserversorgungsunternehmen Weser“, darunter die Stadtwerke Hameln und Hessisch Oldendorf. „Wir sind für Brüssel so zusagen eine Geschäftsstelle der Interessengemeinschaft“, erklärt Boldt. Nur ein Teil des Geldes bleibe daher in Bad Pyrmont. Den Rest überweist Boldt an seine Stadtwerkekollegen, damit sie das Geld dann an die Landwirte weiterreichen. Als Entschädigung, wenn man so will.
 Denn mit dem Geld finanzieren die Bauern etwa den Grundwasserschutz oder fangen Ernteausfälle auf. Die drohen ihnen, wenn sie etwa auf ihren Äckern in Quellenschutzgebieten weniger Dünger ausbringen dürfen.
 Die Europäische Union will mit ihren Direktzahlungen – sie bemessen sich mit 300 Euro pro Hektar Ackerland überwiegend nach der Größe der bewirtschafteten Fläche – so einerseits benachteiligten Bauern unter die Arme greifen und Wettbewerbsverzerrungen in der Landwirtschaft ausgleichen. Mit anderen Maßnahmen wiederum will sie die Entwicklung des ländlichen Raums etwa durch ökologischen Landbau fördern. Außerdem will sie mit den Direktzahlungen die Preise für Verbraucher niedrig halten. Allerdings setzen genau hier die Kritiker an. Landwirte außerhalb der Europäischen Union hätten keine Chance, mit ihren nicht subventionierten und somit teureren Produkten auf dem Markt zu bestehen. 

 Neben den Stadtwerken tauchen auch Empfänger auf der Subventionsliste auf, die auf den ersten Blick fehl am Platz wirken. Ein Beispiel ist die Elisabeth-Selbert-Schule in Hameln, die 1069 Euro kassiert. „Wir haben ja auch einen fünf Hektar großen Acker, den wir bewirtschaften“, erklärt Schulleiterin Gisela Grimme. Agrarschüler bauen dort Gerste und Weizen an.
 Den baut auch einer der prominentesten Subventionsprofiteure auf seinem Acker an: der CDU-Landtagsabgeordnete Otto Deppmeyer aus Hessisch Oldendorf. 13 067 Euro überwies die Europäische Union 2008 auf sein Konto. „Das Geld kriege ich wie jeder andere Landwirt auch“, sagt Deppmeyer, der im Gegensatz zum Minister Sander als Abgeordneter einen Betrieb bewirtschaften darf. 

 Die Landwirte in Hameln-Pyrmont konnten sich 2008 über 12,810 Millionen Euro freuen. Größter Nutznießer waren die Bauern in der Gemeinde Emmerthal. 2,015 Millionen Euro kassierten sie abhängig von der Größe ihrer Höfe. So erhielt Hans-Ulrich Uibeleisen laut der Internet-Liste 125 311 Euro. Er führt die Emmerthaler Empfängerliste an, will sich aber nicht äußern. Er sagt nur, dass seine Tochter das Geld erhalte.

 

http://agrar-fischerei-zahlungen.de/Suche

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare