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Viel zu wenige Fachkräfte verfügbar

Wenige arbeitslose Pflegekräfte

HAMELN-PYRMONT. Die Fachkraftquote in Altenheimen bleibt unangetastet – diese Antwort erhielt das „Forum der stationären Pflegereinrichtungen im Landkreis Hameln-Pyrmont“ vom Sozialministerium auf einen Brief, den die Mitglieder an Sozialministerin Cornelia Rundt geschrieben hatten. Das hat das Ministerium auf Nachfrage mitgeteilt.

veröffentlicht am 26.10.2017 um 16:46 Uhr
aktualisiert am 26.10.2017 um 17:50 Uhr

Eine Frau wird in einem Seniorenpflegeheim in ihrem Bett von einer Pflegerin betreut. Foto: dpa
Jens Spickermann

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Mehr Pflegehelfer anstatt von Fachkräften anstellen zu können, um dem Personalnotstand in den Altenheimen entgegenzuwirken, das ist eines der Ziele, denen sich das Forum und die „AG 15 nach 12“ verschrieben haben. Die Zusammenschlüsse der Heimleiter fordern eine Abschaffung oder Flexibilisierung der gesetzlichen 50-Prozent-Fachkräftequote, um vakante Stellen auch mit Pflegehelfern besetzen zu können. In ihrem Brief an Sozialministerin Rundt brachten die Heimleiter diese Forderung sowie den Wunsch nach einer Veränderung des Personalschlüssels – für mehr Arbeitskräfte pro Patienten – zum Ausdruck.

Das Sozialministerium hat geantwortet – aber nicht unbedingt im Sinne des Forums. Die 50-Prozent-Quote solle erhalten bleiben, teilt die zuständige Pressestelle mit. Es zeichne sich aber ab, dass die bisher geltenden Personalschlüssel in einem neuen Rahmenvertrag für die vollstationären Pflegeeinrichtungen deutlich verbessert werden sollen. Für die Heime würde das bedeuten, dass mehr Personal für die gleiche Anzahl Patienten finanziert wird.

Die Veränderung des Personalschlüssels wäre zwar theoretisch eine Entlastung für die Pfleger, doch noch immer müsste die Hälfte von ihnen aus Fachkräften bestehen. Die seien aber kaum aufzutreiben, klagen die Heimleiter. Doch wie viele examinierte Pfleger stehen auf dem Arbeitsmarkt in Hameln-Pyrmont zur Deckung des steigenden Bedarfs wirklich zur Verfügung?

Gerade einmal durchschnittlich 17 Altenpflege-Fachkräfte waren im Kreis Hameln-Pyrmont zwischen August 2016 und Juli 2017 arbeitslos gemeldet, im Berichtsmonat September 2017 waren es sogar nur vier. Die Anzahl der ausgeschriebenen sozialversicherungspflichtigen Stellen für Pflegefachkräfte war mehr als zehn Mal so hoch: Sie lag durchschnittlich bei 184, teilt die Agentur für Arbeit mit.

Inzwischen behelfen sich viele Arbeitgeber durch Rekrutierungen aus dem Ausland. Bei dem hohen Bedarf an Fachkräften, der sowohl aktuell herrscht, als auch für die Zukunft prognostiziert wird, sei aber auch diese Maßnahme nur ein Tropfen auf den heißen Stein, heißt es von Heimleitern.

Doch wie sieht es bei den Pflegehelfern aus – könnte eine größere Zahl von ihnen zu Fachkräften weitergebildet werden? Zwar gibt es bundesweit etwa 31 000 arbeitslose Pflegehelfer, denen nur 7200 geeignete Stellen gegenüberstehen. In Hameln-Pyrmont fällt die Zahl von 51 arbeitslosen Pflegehelfern im September 2017 aber eher gering aus – und tendenziell sinke die Arbeitslosigkeit in diesem Bereich, so die Agentur für Arbeit. Trotzdem würde die Arbeitsagentur es fördern, dass in Heimen tätigen Personen, die keine dreijährige Ausbildung absolviert haben, gezielt die Möglichkeit einer innerbetrieblichen Weiterbildung zur Fachkraft angeboten wird. Bei Pflegehelfern, die bereits Berufserfahrung haben, könne die sonst dreijährige Ausbildungszeit verkürzt werden, sagt Jan Phillip Lehmker, Pressesprecher der Arbeitsagentur im Kreis Hameln-Pyrmont. Auch arbeitslosen Arzthelferinnen würden Umschulungen zur Pflegefachkraft nahegelegt, so Lehmker, weil sie ohnehin schon im medizinischen Bereich tätig gewesen seien. Ein häufiges Problem, das gerade bei Pflegehelferinnen einer Weiterbildung im Wege stünde, sei, dass viele von ihnen wegen ihrer Kinder nur in Teilzeit arbeiten könnten, die Umschulungen aber nur in Vollzeit angeboten würden, sagt Lehmker.

Mein Standpunkt
Jens Spickermann
Von Jens Spickermann

Eine Lösung der Fachkräfteproblematik scheint in weiter Ferne – zumindest solange es keine zeitlich flexibleren Umschulungsmöglichkeiten gibt. Potenzial könnte es nämlich bei Personen geben, die durch eigene Kinder für eine Vollzeitbeschäftigung zu eingebunden sind. Eine Abschaffung der Fachkraftquote wäre aber der falsche Weg und auch eine Abwertung der dreijährigen Ausbildung.

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