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Jugendhilfeeinrichtung des Landkreises verzeichnet steigende Belegungszahlen durch andere Jugendämter

„Wendepunkt“ schafft die Wende

Hameln. Als „Kinderheim Reseberg“ hatte die Jugendhilfeeinrichtung des Landkreises Hameln-Pyrmont zuletzt keinen wirklich guten Ruf. Im Kreistag gab es sogar starke Tendenzen, das Kinderheim einem privaten Träger zu übergeben. Doch es kam anders. „Die Polizei hat uns dringend gebeten, die Einrichtung zu erhalten“, berichtete Ursula Körtner (CDU) am Rande einer Sitzung des Betriebsausschusses der neuen Einrichtung „Wendepunkt“, die jetzt gut 14 Monate als Reseberg-Nachfolger existiert. Derzeit beherbergt sie zwei Kinder- und Jugendwohngruppen sowie eine Wohngruppe für junge Menschen, die in Zusammenarbeit von Jugendamt und der Polizei als Aufgegriffene „in Obhut“ genommen werden müssen.

veröffentlicht am 10.03.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 21:41 Uhr

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Autor:

Wolfhard F. Truchseß
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Der „Wendepunkt“ ist mit seinen zwei Gebäuden an der Leuthenstraße in Hameln ein Eigenbetrieb des Landkreises mit einem Dotationskapital (vergleichbar mit dem Eigenkapital einer GmbH) von 56 000 Euro und 28 Beschäftigten, von denen 23 in Vollzeit arbeiten. Drei Sozialpädagogen fungieren als Teamleiter, ein Sozialpädagoge befasst sich ausschließlich mit der „Inobhutnahme“, dazu kommen 17 Erzieher und Erzieherinnen. Chef der Einrichtung ist der Sozialarbeiter und Sozialpädagoge Eckard Witte. Die Aufsichtsbehörde für die inhaltliche Arbeit und die Einhaltung der Qualitätsregeln nach dem Sozialgesetzbuch VIII ist das Landesamt für Familie in Hannover, die Finanzaufsicht liegt beim Landkreis. Dass sich der „Wendepunkt“ 2013 zu einem Erfolgsmodell entwickelt hat, das über die Grenzen des Landkreises hinaus nicht nur Beachtung findet, sondern auch von den Jugendämtern in Göttingen, Hannover und Holzminden zunehmend mit Kindern und Jugendlichen belegt wird, zeigen die Zahlen, die Witte dem Betriebsausschuss am Freitag präsentierte. Stammten im Jahr 2012 noch 71,3 Prozent der Bewohner des „Wendepunktes“ aus dem Landkreis Hameln-Pyrmont und nur 28,7 Prozent aus den umliegenden Gebieten, waren es 2013 bereits 43,6 Prozent, die von anderen Jugendämtern nach Hameln geschickt wurden. In Zahlen ausgedrückt: 2012 waren Jugendliche aus anderen Landkreisen 1727 Tage in der Einrichtung untergebracht, 2013 dagegen 2778 Tage. „Die Akzeptanz ist eindeutig gestiegen“, vermerkte Körtner im Ausschuss. „Der ,Wendepunkt‘ wird positiv wahrgenommen, das Kinderheim Reseberg ist Geschichte.“

Finanzierung steht auf zwei Säulen

Die Finanzierung der Jugendhilfeeinrichtung steht auf zwei Säulen. Nach Darstellung von Kreisdezernentin Martina Kurth-Harms ist der Landkreis gesetzlich verpflichtet, Kinder in das Heim aufzunehmen, wenn ihr Wohl gefährdet ist, weil die Eltern aus den unterschiedlichsten Gründen für die Erziehung ausfallen. Pro Monat kostet die Unterbringung eines Betroffenen im „Wendepunkt“ rund 4000 Euro. Je nach Einkommen werden die Eltern an diesen Kosten beteiligt. Reichen die vorgegebenen Sätze nicht aus, muss der Landkreis das Defizit allerdings ausgleichen. Für die Kasse des Landkreises bedeutet deshalb die Zunahme landkreisfremder Probanden, dass der Zuschussbedarf für die Einrichtung sinkt, denn die Personalkosten sind mit 1,265 Millionen Euro weitgehend stabil. Wegen der Umstrukturierung des Hauses – eine stark defizitäre Mutter-Kind-Gruppe wurde ersatzlos aufgelöst und die Kinder-Jugend-Wohngruppe von einer auf zwei erhöht – musste der Landkreis im vergangenen Jahr 361 000 Euro dazubuttern. Für 2014 werde der Zuschuss dagegen nur noch auf 192 000 Euro geschätzt, wie Witte erklärte. „Und 2015 wollen wir ihn erneut auf 92 000 Euro mehr als halbieren.“ Nicht ohne Stolz in der Stimme berichtete er dem Ausschuss, „dass wir im Januar und Februar bereits ganz ohne Zuschuss des Kreises ausgekommen sind“. Oberste Priorität hat für Witte bei der sozialpädagogischen Arbeit die Rückkehr der Kinder in die Familie. „Wir arbeiten dabei nach dem Prinzip der Deeskalation, prüfen die Stärken unserer Schützlinge und untersuchen die Ressourcen in den Familien durch gemeinsame Gespräche mit Eltern und Kindern an einem Tisch“, schilderte Witte die Arbeit seiner Mitarbeiter. Als besonders wichtig habe sich erwiesen, ein schnelles Diagnoseinstrument für neue Heimbewohner zu schaffen. „Innerhalb von maximal sieben bis zehn Tagen sorgen wir mit freiberuflichen Kinder- und Jugendpsychotherapeuten für einen kurzfristigen Arbeitsansatz, den wir mit unserer eigenen sozialpädagogischen Diagnose koppeln und so erste Maßnahmen einleiten können.“

Differenzen gab es im Betriebsausschuss über die Arbeit des „Wendepunktes“ nicht. Ursula Körtner, sonst höchst streitbare Kreispolitikerin, bestätigte, dies sei ein „Ausschuss der Einigkeit“.

„Wendepunkt“ schafft die Wende

Jugendhilfe-Einrichtung an der Leuthenstraße stärker genutzt

In diesem Gebäude sind die beiden Kinder- und Jugendwohngruppen untergebracht. Viele Kinder und Jugendliche werden inzwischen aus anderen Landkreisen nach Hameln geschickt. wft



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