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Hessisch Oldendorfer Ehepaar kann sich mit Glück von kenterndem Costa-Kreuzfahrtschiff retten

Weihnachtsgeschenk wird zum Albtraum

Hessisch Oldendorf. Es war ein kostspieliges Geschenk, das Renate Kurrek zusammen mit ihrem Mann zu Weihnachten von ihrem Sohn geschenkt bekam. Eine Kreuzfahrt mit dem Luxusliner Costa Concordia durch das Mittelmeer. Dass die einwöchige Reise nach fünf Tagen in der Katastrophe enden würde, hätte sie sich nicht träumen lassen.

veröffentlicht am 18.01.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 15:21 Uhr

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Autor:

Jobst Christian Höche
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„Wir sind nach dem Essen ins Theater gegangen. Dort trat an diesem Abend ein Magier auf.“ Bereits kurz nach Beginn der Vorführung habe es einen starken Ruck durch das gesamte Schiff gegeben. Sie selbst habe sich zunächst nichts weiter dabei gedacht. Um sie herum aber brach Panik aus: „Der Magier schrie auf und verließ panisch die Bühne.“ Auch das Personal habe verstört reagiert. Der Saal leerte sich schnell nach diesem Stoß im Schiff. „Wir leben im 21. Jahrhundert. Da kann kein Schiff mehr untergehen, habe ich gedacht“, erklärt Renate Kurrek ihre Ruhe in der Situation. Da es keinerlei Ansagen durch die Bordlautsprecher gegeben hatte, habe sie sich auch nicht durch die zunehmende Schräglage des Schiffes beunruhigen lassen.

„Wir sind dann erst mal in die Kabine gegangen. Dort funktionierte weder das Licht noch ließ sich der Safe mit unserem Bargeld, den gesamten Papieren, Schlüsseln und anderen Wertsachen öffnen. Während ihr Mann in den Gängen nach dem Grund für die Panik fragen wollte, blieb Renate Kurrek in der Kabine. Eine Ansage – rund eine Stunde nach dem Aufprall – hatte mittlerweile darüber informiert, dass man dabei sei, das „technische Problem an Bord zu lösen“.

Dass es sich bei den Geschehnissen um weit mehr als ein Versagen der Technik handelte, machte der Ehemann seiner Frau bei der Rückkehr in die Kabine klar. „,Wir müssen alle raus‘, hat er geschrien. Ich habe eine Jacke und die Schwimmweste angezogen und bin auf den Flur gegangen“, sagt die Hessisch Oldendorferin. Während die zunehmende Schräglage des Schiffes das Laufen in den Gängen immer schwieriger machte, versuchte das Ehepaar in eines der Rettungsboote zu gelangen. An jedem Ausgang sei man abgewiesen worden. „Die Schiffe waren entweder schon weg oder die Einstiege heillos überfüllt.“ Auch der Versuch, in einem der Boote der tieferen Decks einen Platz zu finden, scheiterte. „Wir haben uns dann auf die ganz andere Seite des Schiffes vorgearbeitet“, dort habe es noch zwei Plätze im letzten der Rettungsboote gegeben. Doch auch das Zu-Wasser-Lassen der Rettungsinsel habe aufgrund der Neigung des Schiffes nicht richtig funktioniert. „Unser Boot ist mehrfach an einen Stahlträger geschlagen. Ich dachte, wir stürzen ab“, erzählt die Rentnerin.

Auch am rettenden Ufer habe sich die Besatzung nicht um die Geretteten gekümmert. „Erst als wir am nächsten Morgen von der kleinen Insel aufs Festland gebracht wurden, hat man uns mit Getränken und Decken versorgt.“ Hier seien auch erstmals die Daten der Überlebenden aufgenommen worden. Nachdem das Ehepaar Kurrek mit einem Shuttle zum Flughafen nach Rom gebracht worden war, sei auch dort niemand von der Reederei vor Ort gewesen, um Hilfe anzubieten. „Durch Zufall habe ich erfahren, dass Costa-Mitarbeiter im angrenzenden Hotel untergekommen sind.“ Dorthin sei die Rentnerin dann gegangen, um ihrem Ärger über die schlechte Koordinierung Luft zu machen. „Zumindest haben sie uns dort eine Mahlzeit und ein Zimmer organisiert“, erklärt sie. Erst vom Hotelzimmer aus habe sie sich bei ihrem Sohn melden können, um ein Lebenszeichen von sich zu geben. Mitarbeiter der deutschen Botschaft haben dann die Rückflüge mit Sondermaschinen der Lufthansa organisiert.

Am Freitag feiert Renate Kurrek neben ihrem Geburtstag „das zweite Leben, das ich geschenkt bekommen habe“.

Ein Interview mit Renate Kurrek finden Sie unter: dewezet.de

Eine Handtasche und zwei Karten vom Schiff sind das Einzige, das Renate Kurrek mit von Bord des Kreuzfahrtschiffes nehmen konnte.

Foto: jch



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