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Nahverkehrsbehörde des Landes wendet sich gegen Erweiterung des hannoverschen Tarifverbundes

Weiche zum billigen Bahnticket klemmt

Hameln-Pyrmont / Hannover.

veröffentlicht am 11.09.2014 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:08 Uhr

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Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Seit vielen Jahren warten Bahnbenutzer aus dem Weserbergland auf den Anschluss an den hannoverschen Tarifverbund. Seit vielen Monaten ist der Zug zum billigeren Bahnticket tatsächlich unterwegs. Doch plötzlich klemmen die Weichen – und das kurz vor dem Ziel. Aus Sicht der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) könnten die Nachbarn der Region Hannover – unter anderem also Hameln-Pyrmont und Schaumburg – mit dem vor gut einem Jahr eingeführten Niedersachsentarif zufrieden sein. Es kämen jedenfalls nach Prognose der Landesbehörde kaum mehr Menschen in die S-Bahn-Züge, wenn das Tarifgebiet des Großraumverkehrs Hannover (GVH) ausgeweitet würde. Für Berufspendler bestehe ja bereits ein Sondertarif; er werde an Werktagen von über 14 000 Bahnfahrern genutzt. „Es bringt nicht viel, nun auch die Einzeltickets zu verbilligen“, sagt LNVG-Sprecher Rainer Peters, „das Potenzial ist gering.“ Mehr noch: „Für die Landkreise würde es auf Dauer ein Zuschussgeschäft sein.“

Die Einschätzung der Landesbehörde steht im Widerspruch zu den langjährigen Hoffnungen der Kommunen zwischen Heide und Weser, durch Einbindung in den GVH die Attraktivität dieser Gegenden zu steigern. Der preisgünstige schnelle Weg in die Landeshauptstadt, so die Überlegung, könnte die Menschen davon überzeugen, an der Peripherie wohnen zu bleiben und gegebenenfalls zum Einkaufen oder für Freizeitaktivitäten in die Großstadt zu reisen. Das GVH-Ticketsystem wäre damit ein Instrument gegen den prognostizierten Bevölkerungsrückgang. „Wirtschaftsförderung, Regionalplanung und öffentlicher Nahverkehr hängen eng zusammen“, erklärt im Hameln-Pyrmonter Kreishaus Hauptamtsleiter Holger Schrake. Dort favorisieren die Verantwortlichen sogar „den großen Wurf“, also die volle Integration in den GVH: Ein Aerzener könnte dann mit seinem Busfahrschein auf Straße und Schiene zum Vogelpark in Walsrode fahren – und dabei gegenüber dem heutigen Preis rund 25 Prozent sparen. Beim Niedersachsentarif, der momentan außerhalb bestehender Verkehrsverbünde gilt, ist hingegen der Zubringerverkehr zur Schiene nicht enthalten. Die eigens gegründete Niedersachsentarif GmbH (Nitag) peilt langfristig „einen Fahrschein für ganz Niedersachsen über das gesamte Sortiment“ an. Auch der Vorlauf per Bus könnte irgendwann integriert werden, erläutert Nitag-Fachmann Thilo Knoblich. „Unser Modell ist für die Fahrgäste etwas teurer als das des erweiterten GVH, teilweise aber günstiger als bisher. Knoblich lockt die Kommunen mit „mehr Flexibilität und maßgeschneiderten Lösungen“. In einer Woche wird sich der Lenkungsausschuss des Erweiterten Wirtschaftsraumes Hannover mit der Thematik befassen.

Die Kommunen hatten bei der Landesregierung angefragt, ob diese die GVH-Erweiterung sponsern wolle. Angesichts der Position der LNVG ist es nun unwahrscheinlich, dass Geld vom Land fließt. Zudem springt der Kreis Hildesheim ab: Er hätte bei der Anschubfinanzierung den zweitgrößten Batzen zu schultern, befürchtet aber „aufgrund der hohen Bahncard-Anteile für viele Fahrgäste im Einzelticketbereich Preiserhöhungen“. Die Umsetzung sei deshalb nicht möglich, heißt es aus der Domstadt. Für Hameln-Pyrmont war bisher ein jährlicher Kostenbeitrag von bis zu 300 000 Euro im Gespräch, für die Region Hannover als Herz des Tarifverbundes geht es um eine Million Euro. Die Kommunalpolitik soll nach bisheriger Planung noch 2014 über die Zuschüsse abstimmen.

GVH-Chef Ulf Mattern ist trotz allem zuversichtlich: „Vielleicht starten wir nicht mit allen Landkreisen. Aber im Laufe des nächsten Jahres anzufangen, bleibt das Ziel. Das Vorhaben verschwindet nicht in der Schublade!“



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