weather-image
Elke und Holger Biester „können rechtsorientierten Parteikurs nicht länger mittragen“

Wegen Rechtsruck: Politiker-Ehepaar verlässt AfD

HAMELN-PYRMONT. Holger Biester, Landesvorstandsmitglied der AfD-Niedersachsen und Ratsherr in Coppenbrügge, ist zusammen mit seiner Frau Elke Biester, Kreistagsabgeordnete in Hameln-Pyrmont und ebenfalls Ratsmitglied in Coppenbrügge, aus der bisherigen Partei ausgetreten. Gleichzeitig legt Holger Biester seine Ämter als Landesvorstandsmitglied der AfD Niedersachsen und der Desiderius-Erasmus-Stiftung-Niedersachsen (DES- Niedersachsen) nieder.

veröffentlicht am 06.12.2018 um 17:19 Uhr
aktualisiert am 06.12.2018 um 21:40 Uhr

Elke und Holger Biester sind nicht länger Mitglieder der AfD. Foto: wfx
Avatar2

Autor

Burkhard Reimer Reporter

Es war vor ziemlich genau einem Monat, als Holger Biester, Landesvorstandsmitglied der AfD Niedersachsen und Ratsherr in Coppenbrügge, in einem Dewezet-Bericht über die internen Streitigkeiten im Kreisverband Weserbergland der Alternative für Deutschland (AfD) der Antwort noch auswich. Es ging um die Frage, wie er künftig mit dem von ihm so bezeichneten „absoluten Rechtsruck in dieser Partei“ umzugehen gedenke. Das sei eben, antwortete er damals, „die Gretchenfrage“. Am Mittwochabend nun lieferte Biester die konkrete Antwort, als er zu Beginn der öffentlichen Sitzung des Coppenbrügger Finanzausschusses erklärte, er selbst und seine Ehefrau Elke – inzwischen fraktionsloses Mitglied im Kreistag – seien „aus der AfD ausgetreten, da wir den rechtsorientierten Parteikurs nicht länger mittragen können“.

Das geht auch aus einer entsprechenden Pressemitteilung hervor, in der Elke und Holger Biester ihren Parteiaustritt wie folgt begründen: „Der Gründungsgedanke der AfD für eine wertkonservative und freiheitliche Politik ist der AfD komplett abhandengekommen.“ Der „völkische Flügel“ heißt es dort weiter, dominiere die Partei, deren Politik sich nicht mehr an Inhalten ausrichte, „sondern nur noch an politischen Grenzüberschreitungen“.

Auch am – ihrer Meinung nach – eher fragwürdigen Umgang mit dem Parteivermögen stoßen sich Elke und Holger Biester. Diese „Laisser-faire“-Haltung sei „mit Armin Paul Hampel nicht verschwunden“, heißt es in ihrer gemeinsamen Stellungnahme.

Im Übrigen, so Holger Biester, seien „Politik und Meinungsbildung mehr, als nur das Bestellen von Lampions in den Farben Schwarz, Rot Gold“. Insbesondere den „Rechtsruck“, der sich derzeit innerhalb des AfD-Kreisverbands Weserbergland abzeichne, bezeichnete Holger Biester am Donnerstag im Gespräch mit unserer Zeitung als „unerträglich“. Wörtlich: „Das ist eine regelrechte Sekte, die sich da im Kreisverband herausgebildet hat.“ Da würden beispielsweise derzeit „nur noch Antragsteller als Mitglieder in die AfD aufgenommen, die sich offiziell zur politischen Linie eines Björn Höcke bekennen und bereit sind, diese auch nach außen zu vertreten“.

Dass auf der anderen Seite allein im vergangenen Jahr bereits 17 Mitglieder, so Biester, eben wegen dieser rein rechtspopulistischen Ausrichtung aus dem Kreisverband ausgetreten seien, gehe den „Herren im Kreisvorstand offensichtlich am Selbigen vorbei“. Dieser letzte und entscheidende Schritt heraus aus der AfD, sagt Holger Biester im Gespräch, „ist uns nicht leichtgefallen, dafür fühlen wir uns jetzt beide aber umso befreiter“.

Sowohl Elke als auch Holger Biester sind gewählte Mitglieder im Rat des Fleckens Coppenbrügge. Holger Biester, unter anderem auch Gründungsmitglied der Desiderius-Erasmus-Stiftung, einer Organisation für politische Bildung mit wertkonservativer Ausrichtung, war bis zum 1. Dezember 2018, dem Tag seines Parteiaustritts, Mitglied des AfD-Landesvorstands und bis September vergangenen Jahres Kreistagsabgeordneter und Vorsitzender der AfD-Fraktion. Nachdem er sein Kreistagsmandat – „aus privaten Gründen“ – niedergelegt hatte, übernahm seine Ehefrau Elke zum 1. Oktober 2017 seinen Sitz im Kreistag, hat aber bereits im November die Fraktion verlassen und firmiert seitdem als „fraktionslos“.

Elke Biester will, wie es in der gemeinsamen Verlautbarung heißt, weiterhin ihr Kreistagsmandat, jetzt eben als parteiloses Mitglied, wahrnehmen. Das gelte auch für beide Mandate im Rat des Fleckens Coppenbrügge, „da wir einen klaren Wählerauftrag zu erfüllen haben, dem wir uns verpflichtet fühlen“.

Mit Beifall wurde übrigens die Erklärung Holger Biesters im Coppenbrügger Finanzausschuss quittiert. Schon längst stehe im Rat und seinen Ausschüssen die „konstruktive und sachorientierte Mitarbeit“ von Elke und Holger Biester im Vordergrund, wie Rainer Olze als Vorsitzender der SPD-Fraktion am Donnerstag gegenüber der Dewezet erklärte. Nahezu wortgleich wurde das von seinem Amtskollegen, dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Thorsten Kellner, bestätigt.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt