weather-image
22°
Deutsch-singhalesisches Interhelp-Team hat auf Sri Lanka schon 2000 Patienten behandelt

Wasser, Medizin und Menschlichkeit

Aluthgama (Sri Lanka). Großer Bahnhof im Tempel von Aluthgama auf Sri Lanka. Uns empfangen der Gesundheitsminister der Westprovinz, der Bürgermeister und eine Schar von Honoratioren; ein buddhistischer Priester vollzieht ein segnendes Ritual, ein halbes Dutzend Reden folgen, dann kann das Interhelp-Team um seinen Präsidenten Ulrich Behmann an die Arbeit gehen.

Alexander zu Schaumburg-Lippe berichtet aus Sri Lanka

veröffentlicht am 26.02.2016 um 08:26 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 17:18 Uhr

Interhelp in Sri Lanka

Autor:

Alexander zu Schaumburg-Lippe
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Das Ärzteteam - Dr. Sophia Schelcher und Dr. Sibylle Trapp-Dammaschke aus Hameln sowie Dr. Siegfried John aus Rahden (Kreis Minden-Lübbecke) - leistet in der Schwüle des aufziehenden Gewitters Bewundernswertes, behandelt Patienten wie am Fließband. Wie an allen anderen Tagen zuvor werden die Ehrenamtlichen aus Deutschland auch heute wieder auf Anweisung des Gesundheitsministers des Landes von zwei Ärzten und zahlreichen Krankenschwestern aus Sri Lanka unterstützt. Der Schweiß rinnt in Strömen. "Das laute Stimmengewirr, die Menschenmassen, das Gedränge, die Hitze - das ist schon sehr anstrengend", sagt die verantwortliche Interhelp-Ärztin Dr. Sibylle Trapp-Dammascke. "Aber es macht viel Spaß, zu helfen", fügt Assistenzärztin Dr. Sophia Schelcher hinzu. Sie ist jung, hat aber schon reichlich Auslandserfahrung: Als Medizinstudentin half die 32-Jährige ein halbes Jahr lang Lepra- und Tuberkulose-Kranken in Pakistan.

Je länger die Wartezeit wird, desto mehr schwindet die Bereitschaft der Hilfesuchenden zu geordnetem Verhalten. Die Warteschlange löst sich in einen drängelnden Pulk auf, bis der Leiter der Interhelp-Taskforce, Lehrrettungsassistent Reinhold Klostermann, das Gemurmel übertönt: "Entweder hört das auf, oder wir brechen ab!" Der Übersetzer wiederholt auf singhalesisch - und die Schlange bildet sich wieder. Inzwischen ist eine ältere Frau in der Hitze dehydriert zusammengebrochen. Reinhold fordert sofort notärztliche Hilfe an und kümmert sich um die Kranke. Mit seinem Sohn Nils baut er rasch eine improvierte Liege. Auf Anordnung von Dr. Sophia Schelcher hängen die beiden Sanitäter die kollabierte Patientin an den Tropf. In den vergangenen acht Tagen hat das Interhelp-Team, das im Auftrag von mfs International aus Frankfurt und in Kooperation mit dem Gesundheitsministeriums in Colombo auf Sri Lanka den Ärmsten der Armen hilft, schon 2000 Frauen, Männer und Kinder versorgt.

Die Optikerin aus Kalutera, die uns unentgeltlich unterstützt, hat das Chaos vorausgesehen und handgeschriebene Zettel mit Nummern verteilt, damit die Reihenfolge feststeht. Es sind hunderte von Menschen, die hier auf eine kostenlose Brille hoffen. Sie alle sollen eine möglichst genau angepasste Sehhilfe erhalten, die sie sich selbst kaum oder gar nicht leisten könnten.

Interhelp in Sri Lanka
  • Wasserprojekt in Aluthgama: Die kleine Kusmika (5) dreht gemeinsam mit dem Interhelp-Vorsitzenden Ulrich Behmann und dem Schirmherrn Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe zum allerersten Mal den Wasserhahn auf. (Foto: M. Görbing)
Interhelp in Sri Lanka
  • So drückt ein Dorf seine Dankbarkeit aus: Kinder im weißen Kleidern begrüßen das Team von Interhelp und mfs International mit Blumenblättern. (Foto: M. Görbing)
Interhelp in Sri Lanka
  • Das medizinische Interhelp-Team im Einsatz für Menschen in Not: Dr. Sophia Schelcher, Rettungsassistent Nils Klostermann, Dr. Siegfried John, Dr. Sibylle Trapp-Dammaschke und Sanitäter Ulrich Behmann werden von Ärzten und Krankenschwester aus Sri Lanka unterstützt. (Foto: M. Görbing)

Der Herr der Augengläser bin ich. Vor mir auf einem langen Tisch befinden sich hunderte von Spenderbrillen. Viele davon wurden bereits von Optikern in Hameln, Bückeburg und Minden kostenlos vermessen und beschriftet. Nun werden mir von allen Seiten Zettel mit den Messwerten der Optikerin entgegengehalten. Finde ich eine Brille mit einem geeigneten Wert, wird es spannend: Wenn mein Gegenüber sie ausprobiert, halte ich für ein paar Sekunden die Luft an. Entweder gibt es eine verneinende Geste - dann geht die Suche von vorne los. Oder man wiegt das Haupt bejahend, ein Lächeln - die Brille passt, die Freude ist groß, die Dankbarkeit auch.

Eine Empfängerin schüttelt missmutig den Kopf. "Sie sieht Nebel" sagt der Übersetzer.   Ich verstehe nicht. Das sind doch genau ihre Werte? Kurz entschlossen zücke ich ein Tempotaschentuch und putze die Gläser. Nun wird alles wundersam klar; sie strahlt vor Freude und bedankt sich.  Ein junges Mädchen kommt an der Hand ihrer Mutter. Die Kleine wirkt, als sei sie blind. In der Tat sind ihre Werte haarsträubend. Eine Spenderbrille hilft hier nicht weiter, aber sie bekommt ein besonders schönes Gestell. Das ist das eigentlich Teure. Die Gläser sind einigermaßen erschwinglich, wenn auch nicht für jeden in diesem bitterarmen Land.

Immer wieder bekomme ich Zettel mit dem selben Wert - plus 2,5; plus 2,5 - und die vorvermessenen Lesebrillen in dieser Stärke gehen zur Neige. Jetzt fällt auch noch der Refraktometer, mit dem ich Gläser vor Ort messen kann, aus, und ich verliere wertvolle Minuten mit der Suche nach einer Behelfslösung.  Der Andrang wird aber nicht schwächer, sondern immer stärker. Nach vielleicht drei Stunden in der tropischen Hitze habe ich in meine physischen Grenzen erreicht und sehe aus, als sei ich ins Wasser gefallen. Als Interhelp-Präsident Behmann zum Aufbruch bläst - wir wollen noch das Ergebnis einer Bewässerungs-Aktion besichtigen - bin ich nicht gänzlich dagegen. Die einheimischen Krankenschwestern in ihren adretten Paradeuniformen übernehmen nach einer Einweisung.

Am Rande der Stadt werden wir von Kindern in weißer Festtagskleidung empfangen, die uns die traditionellen Blumenkränze umhängen. Die Freude dieser Menschen ist ehrlich und überhaupt nicht gespielt. Zum ersten Mal haben sie fließendes Wasser auf dem eigenen Grundstück. Bisher mussten sie sich seit vielen Jahren entweder mit einem brackigen, verseuchten Brunnen behelfen oder bei Nachbarn um Wasser betteln. Waren die gerade nicht daheim, gab es eben kein sauberes Wasser. Das ist nun vorbei, und die zehn Familien strahlen vor Glück.

Morgen in aller Frühe bringt uns die Sri Lanka Air Force in den Nordosten ins ehemalige Kriegsgebiet. In einem Dorf bei Trincomalee wollen wir Grundsteine für neue Interhelp-Häuser legen und einige neue an singhalisische und tamilische Familien übergeben. Wir müssen vorsichtig sein. Dort liegen immer noch viele Minen, es gibt Malaria, Dengue-Fieber und giftige Schlangen.

Wer die Helfer unterstützen möchte, findet unter www.interhelp.info Fördermitgliedsanträge und Spendenkonten.
IBAN: DE60 2545 0110 0000 0203 13 - Sparkasse Weserbergland
IBAN: DE49 2546 2160 0700 7000 00 - Volksbank Hameln-Stadthagen
www.interhelp.inf



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt