weather-image
„Erhalten statt töten“ lautet die Devise

Was tun beim Wespennest im Garten?

WESERBERGLAND. Ein Sommerabend im Garten mit kühlen Getränken und vielleicht Essen vom Grill – diese Pläne können jedoch schnell durch ein Wespennest im Freien vermiest werden. In diesem Jahr scheint es besonders viele Exemplare zu geben – die Feuerwehr wird jedenfalls besonders häufig auf den Plan gerufen.

veröffentlicht am 02.08.2018 um 16:43 Uhr

Ungewöhnlich viele Wespennester gibt es in diesem Sommer. Foto: Pixabay

Autor:

Lea Drewnitzky
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Zum Anfang des Frühsommers beginnen die Wespen, ihre Nester aus zerkauten Holzfasern zu bauen. Besonders beliebt seien dafür ruhige Plätze wie Carports und Dachböden, sagt Günter Blötz vom Naturschutzbund (Nabu). Die Tiere seien jedoch, anders als viele meinten, eher harmlos, wenn sie nicht gereizt werden. Dass die Tiere nerven, sei kein Grund zum Entfernen von Nestern. Es müsse schon ein wirkliches Risiko vorliegen, beispielsweise wenn sich das Nest am Fenster eines Kinderzimmers befindet, so Blötz weiter.

Dies bestätigt auch der IHK-geprüfte Schädlingsbekämpfer Stefan Berger: Angst vor Wespen sei kein Grund, die Nester entfernen zu lassen. Er hat in diesem Jahr bereits ungewöhnlich viele Wespennester entfernt. Das ist allerdings nur möglich, wenn er eine Genehmigung der unteren Umweltbehörde hat, da Wespen als Wildtiere gelten und nicht einfach getötet werden dürfen.

Diese Genehmigung wird nur erteilt, wenn eine „Gefahr für Leib und Leben“ besteht. Dies wird von Vertretern der Behörde geprüft, die Entfernung sollte aber keinesfalls selbst vorgenommen werden.

Wenn eine Genehmigung vorliegt, versucht Berger zunächst, die Tiere mit dem Nest umzusiedeln. Dies sollte morgens oder abends geschehen, wenn möglichst viele Wespen im Nest sind. Das Nest wird dann komplett abgenommen, verpackt und in einen Kühlkoffer gelegt – nicht um die Wespen einzufrieren, sondern um sie durch die kühle Dunkelheit zu beruhigen. An geeigneter Stelle setzt der 48-Jährige die Wespen dann wieder frei. Falls die Entfernung des Nestes durch dessen Lage nicht möglich ist, wird ein Insektizid eingesetzt.

Von einer Entfernung auf eigene Faust rät auch Berger dringend ab: Durch das Zukleben der Nestöffnungen oder das „Draufhauen“ mache man die Tiere nur aggressiv und erhöhe somit die Gefahr für sich selbst und andere.

Die Hornissen als größte Wespenart lösen ebenfalls oft ängstliche Reaktionen aus. Laut Berger sind sie jedoch sehr friedliche Tiere: „Wenn man sich in die Einflugschneise zu ihrem Nest stellt, fliegen sie einfach drumherum.“ Falls man ein Hornissennest im Garten finde, das entfernt werden soll, solle man allerdings direkt die untere Naturschutzbehörde anrufen, da die Tiere hochgradig geschützt seien.

Auch die Feuerwehr Hameln hat in diesem Jahr bereits 24 Wespennester entfernt (Stand 1. August), teilte Pressesprecher Norbert Tegtmeyer mit. Im gesamten Jahr 2017 waren es nur 11. In den meisten Fällen konnten die Anrufer allerdings beruhigt werden, da es sich um Bienen oder um die Königin einer Wespenart handelte, die nur aussieht wie eine Hornisse. In solche Fällen wird die Feuerwehr, die auch nur mit Genehmigung der Umweltbehörde handelt, von einer Beratergruppe aus freiwilligen Helfern, Mitarbeitern der Naturschutzbehörde und des Landkreises Hameln-Pyrmont unterstützt. Diese hilft bei der Einhaltung der artenschutzrechtlichen Vorschriften und gibt Ratschläge zum Umgang mit Wespen und Hornissen.

Hierzu hat die Feuerwehr ein Infoblatt im Internet veröffentlicht. Um die Tiere nicht zu provozieren, sollte man heftige Bewegungen im Umkreis von zwei bis drei Metern um das Nest vermeiden. Kleinkinder könne man durch Absperrungen im Abstand von bis zu fünf Metern vom Nest vor Stichen schützen. Gegen das Eindringen der Tiere ins Haus helfen Fliegengitter. Auch die Einflugschneisen haben Gefahrenpotenzial: Wespen fliegen immer auf dem selben Weg aus dem Nest und zurück, diesen sollte man umgehen, um Begegnungen zu vermeiden.

Information

Wespenstich - Was tun?

Wenn eine Wespe zusticht, dann ist dies zwar meist schmerzhaft, aber trotzdem ungefährlich, erklärt Dr. Ben Schwerdtfeger vom Sana-Klinikum. Hier helfen Hausmittel wie ein kalter Wickel und eine Zwiebel ebenso wie antiallergische Salben gegen den Schmerz- und Juckreiz.

Sollte die betreffende Person allerdings Allergiker sein, wird die Situation lebensgefährlich: Es kann zu starken Schwellungen oder einem anaphylaktischen Schock kommen. Bei diesem erweitern sich die Blutgefäße schlagartig, was wiederum zu einem Kreislaufzusammenbruch führt.

Typische Symptome einer allergischen Reaktion sind Schweißausbrüche, Erbrechen und Schwindel. In diesem Fall sollten Helfer auf jeden Fall Ruhe bewahren und den Rettungsdienst rufen. Auch das Kühlen der Einstichstelle kann helfen. Sollte das Herz-Kreislaufsystem versagen, kann die Herz-Lungen-Wiederbelebung Leben retten. Bei vorher bekannter Allergie tragen viele Allergiker ein Notfallset mit Medikamenten bei sich.

Wenn die Wespe in Mund oder Hals sticht, kann die Schwellung der Atemwege auch für Nichtallergiker gefährlich werden.

Der Stich einer Hornisse ist weniger giftig als der einer Wespe, tut aber mehr weh. Das liegt an Neurotransmittern in dem Gift und dem längeren Stachel, der in tiefere und empfindlichere Gewebeschichten eindringen kann als der Stachel einer Wespe.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt