weather-image

Kreis erwägt Güterverkehrszentrum

Was kommt nach dem Atomkraftwerk Grohnde?

EMMERTHAL/GROHNDE. Wenn das Atomkraftwerk Grohnde eines Tages Geschichte ist, könnte das Gelände als Umladestation für den Güterverkehr und durch Speditionen genutzt werden. So lautet eine Überlegung aus der Hameln-Pyrmonter Kreisverwaltung.

veröffentlicht am 04.04.2018 um 14:37 Uhr
aktualisiert am 04.04.2018 um 20:14 Uhr

Das Atomkraftwerksgelände bei Grohnde ist ans Eisenbahn- und Wasserstraßennetz angebunden, die Bundesstraße 83 führt direkt vorbei. Nach Einschätzung der Kreisverwaltung sind das gute Voraussetzungen, um das Areal nach der Demontage des Kraftwerkes a
Marc Fisser

Autor

Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Wohl die meisten Hameln-Pyrmonter können sich die Szenerie bei Grohnde ohne den Meiler und die mächtigen Kühltürme des Atomkraftwerkes bisher kaum vorstellen. Die Kulisse gehört eben seit vier Jahrzehnten zum Alltag im Wesertal – wenngleich sie immer beeindruckend und für viele auch beängstigend geblieben ist. In der Kreisverwaltung werden jetzt erste Überlegungen formuliert, wie das weitläufige Gelände für die Region sinnvoll und dauerhaft nachgenutzt werden könnte, wenn die Anlage Ende 2021 stillgelegt und voraussichtlich ab 2027 abgebaut wird. Und falls der Eigentümer Preussen-Elektra keine ganz anderen Pläne verfolgen sollte, etwa dort weiterhin Strom zu erzeugen. Im Entwurf für das neue Regionale Raumordnungsprogramm (RROP) schlagen die Autoren aus dem Kreishaus vor, auf dem Areal ein Güterverkehrszentrum einzurichten, einen Ort, an dem Waren zwischen unterschiedlichen Verkehrsmitteln umgeladen werden.

Neben der räumlichen Lage im Landkreis sprächen für ein solches Vorhaben bei Grohnde die Nähe zu den Bundesstraßen 83 und 1, mit Hamelns Südumgehung auch zur B 217, der vorhandene Schwerlast-Gleisanschluss sowie der Weserkai. Der RROP-Entwurf, der noch nicht in den politischen Gremien diskutiert worden ist, fordert eine Machbarkeitsstudie für eine solche Logistik-Einrichtung, sieht aber „gute infrastrukturelle Voraussetzungen gegeben“. Mobilität sei eine der wesentlichen Voraussetzungen für wirtschaftliche Prosperität, heißt es in dem Landkreis-Papier. Eine leistungsstarke Verkehrs- und Kommunikationsinfrastruktur sei nötig und in Teilen Hameln-Pyrmonts noch nicht gegeben. Deshalb werde nun der Breitband-Internet-Zugang kreisweit auf den neuesten Stand gebracht; und eine Aufgabe sei es, Straße, Schiene und Wasserwege besser zu vernetzen.

Hintergrund ist, dass der Anteil des Güterverkehrs auf der Straße seit Jahren wächst und ohne Eingreifen des Staates wohl weiter wachsen wird. Bereits über 70 Prozent dieser Transporte werden auf der Straße abgewickelt, was mit beträchtlichen Belastungen für Mensch und Natur verbunden ist. Auch die Schäden an Straßenbelägen und Brücken gehen zum großen Teil auf den Schwerverkehr zurück. „Um den Aufkommenszuwachs im Güterverkehr bewältigen zu können, muss dieser auf alle Verkehrsträger verteilt werden“, erklären die Verkehrsfachleute der Kreisverwaltung. Besonders dem kombinierten Verkehr Schiene/Straße und Straße/Wasserstraße komme eine hohe Bedeutung zu: Güter werden im Hauptlauf per Bahn oder Schiff transportiert, im Start- und Zielgebiet per Lkw. Für den Aufbau geeigneter Umladestationen gibt es Fördergelder von EU, Bund und Land. Der Landkreis geht davon aus, dass das regionale Güterverkehrszentrum „auch besonders günstige Standortvoraussetzungen für die Ansiedlung von Transport- und Logistikunternehmen“ bieten würde. Ebenso ließe sich die Anlieferung der Paketdienste optimieren.

Emmerthals Bürgermeister Andreas Grossmann (SPD) gibt zu bedenken, dass die B 83 bislang keine direkte Zufahrt zum Kraftwerksgelände besitzt. Das könnte schon in einigen Jahren zum Problem werden, wenn zahlreiche Lastwagen mit demontierten Maschinen und Abbruchmaterial durch den Ort rollen. Die Verkehrssituation ist ohnehin schon lange für die Industriebetriebe in Kirchohsen und die Anwohner vor allem der Hauptstraße und der Berliner Straße unbefriedigend. Die Notwendigkeit einer zusätzlichen Auf- und Abfahrt an der B 83 würde noch verstärkt, sobald die Gemeinde ihr Gewerbegebiet, wie ins Auge gefasst, um bis zu 20 Hektar erweitert. Bislang ist der Bau einer dritten Anschlussstelle für Emmerthal daran gescheitert, dass die Verkehrsplaner mindestens zwei Kilometer Abstand zwischen diesen Punkten verlangen. Ute Weiner-Kohl von der zuständigen Landesbehörde in Hameln betont: „Man müsste schon massive Gründe haben, um von den Grundsätzen abweichen zu können.“ Aus ihrer Sicht wäre eine „Gesamtkonzept“ erforderlich. Dazu gehörte dann sicherlich auch die Betrachtung im Zusamenhang mit dem Bau der Grohnder Ortsumgehung, die der Bund ins Auge gefasst hat. Vielleicht ließe sich eines Tages die Abfahrt „Grohnde“ mit der Zufahrt zum Industriegebiet in Kirchohsen und zum Güterverkehrszentrum kombinieren. „Die Planungen und das Genehmigungsverfahren für den Straßenbau nähmen mehrere Jahre in Anspruch“, betont Weiner-Kohl. Wohl ein Grund mehr, sich frühzeitig Gedanken zu machen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt