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Urteil im Vergewaltigungsprozess

Was geschah wirklich am Doktorsee?

Rinteln/Bückeburg (ly). Die Einschätzungen der Tat gehen ebenso weit auseinander wie die Strafforderungen: Im Prozess gegen einen früheren Rintelner, der im August 2009 am Doktorsee eine 14-Jährige im Auto vergewaltigt haben soll, verlangt Staatsanwalt Frank Hirt eine 22-monatige Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung. Die Verteidigung will einen Freispruch.

veröffentlicht am 02.03.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:41 Uhr

Verurteilung oder Freispruch: Heute wird im Prozess gegen einen
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Opferanwalt Dr. Volkmar Wissgott hält den Heranwachsenden, dem außerdem versuchte Nötigung durch Beeinflussung eines Zeugen vorgeworfen wird, ebenfalls für schuldig. Verteidiger Jan Zielke zeigte sich darüber „schier verblüfft“ und plädierte auf Freispruch.

Am heutigen Mittwoch verkündet die 1. Große Jugendkammer am Bückeburger Landgericht das Urteil. Meilenweit liegen Staatsanwaltschaft und Nebenklage auf der einen Seite sowie die Verteidigung auf der anderen in der Beurteilung des Falles auseinander. Vor allem ein Gutachten zur Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers wird vollkommen unterschiedlich ausgelegt.

Sinngemäß kommt eine vom Gericht bestellte Psychologin darin zu folgendem Schluss: Unter dem gefühlten Druck durch Eltern, Freunde und Gesellschaft soll die 14-Jährige freiwilligen Geschlechtsverkehr oder eine Überrumpelung zur Vergewaltigung „umgedeutet“ haben. Gelogen habe das Mädchen allerdings nicht, wie die Sachverständige auf Nachfragen erklärte.

Über das Gutachten setzte sich Staatsanwalt Hirt im Plädoyer hinweg. Er nennt eine „Umdeutung kaum vorstellbar“ und nimmt an, dass die Schilderung der Schülerin auf einem tatsächlichen Erlebnis beruht. Wissgott als Vertreter der Nebenklage fragt sich, wodurch das Mädchen traumatisiert sein soll, wenn nicht durch einen sexuellen Übergriff. „Es gab diese Vergewaltigung“, glaubt er.

Verteidiger Zielke (Wilhelmshaven) zählte aus seiner Sicht eine Reihe von Widersprüchen auf, die es in diesem Verfahren tatsächlich gibt. „Es soll nicht sein, was nicht sein darf“, vermutet er. Das Gutachten hält der Anwalt für eine „saubere Analyse“, die Darstellung der heute 15-Jährigen für falsch. Als deren Motiv nimmt Zielke „Erklärungsnot“ an: „Sie konnte ihre Aussage nicht mehr korrigieren, ohne das Gesicht zu verlieren.“

Weil der Angeklagte noch Heranwachsender ist, würden im Fall einer Verurteilung wohl andere Maßstabe angelegt als bei Erwachsenen. Beim vergleichsweise moderaten Jugendstrafrecht steht der Erziehungsgedanke im Vordergrund.

Als Bewährungsauflagen hat die Staatsanwaltschaft 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit und die Teilnahme an einem sozialen Trainingskurs beantragt. Zudem soll der 20-Jährige zu dem Mädchen keinen Kontakt mehr aufnehmen dürfen.

Zugunsten des Angeklagten geht Hirt davon aus, dass die knapp dreimonatige Untersuchungshaft den jungen Mann „sehr geprägt“ habe. Einer Knast-Psychologin zufolge hat der 20-Jährige sogar daran gedacht, sich umzubringen. Die Frau schreibt dazu: „Er konnte mit dem Vorwurf der Vergewaltigung nicht leben, weil dies ihn und seine Familie in der Ehre getroffen habe.“

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