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Sonderbares Farbenspiel am Himmel – der Deutsche Wetterdienst erklärt das Phänomen

Warum Wolken manchmal lila sind

Wir bleiben wach, bis die Wolken wieder lila sind“, heißt es in einem Hit von Marteria, Yasha & Miss Platnum. Das Lila-Wolken-Lied wurde ein Ohrwurm und sogar von Peter Kraus und Heino nachgesungen. Dabei gibt es doch gar keinen lilafarbenen Himmel. Dachte ich.

veröffentlicht am 21.11.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 17.01.2017 um 16:03 Uhr

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Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Vor ein paar Tagen habe ich während eines prächtigen Sonnenaufgangs beobachten können, wie sich einige Wolken plötzlich lila färbten. Die journalistische Neugier war geweckt; das Beweisfoto wurde Experten des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach vorgelegt.

Die Antwort von Diplom-Meteorologe Gerhard Lux kam prompt und war sogar schmeichelhaft: „Ein schönes Foto ist Ihnen da gelungen. Ich denke, hier hat mal alles gepasst – und das ganz ohne Sahara-Staub oder Vulkanasche. Weder das eine noch das andere war an diesem Morgen in der Luft über Deutschland.“

Lux erklärt das „Lila“-Phänomen so: „Die Sonne war noch unter dem Horizont und bewegte sich nur langsam aufwärts, denn ihre Bahn ist im Winter ja sehr flach. Die Wolkenschicht links im Bild wird schon von der Sonne von unten her gelblich angeleuchtet. Der Rest der mittelhohen Schichtbewölkung aus Altostratus und Altocumulus reflektiert vorwiegend den rötlichen Anteil des Sonnenlichts, das in diesem Moment einen weiten Weg durch die Erdatmosphäre nehmen muss. Das Lila zum oberen Bildrand entsteht aus der rötlichen Aufhellung des blauschwarzen Nachthimmels in Richtung Zenit. Auch am unteren Bildrand wirken die Wolken lila, allerdings deswegen, weil dort die Wolken offenbar etwas kompakter sind und weniger Licht zur Kamera reflektiert wird.“

Bleibt noch zu klären, warum der Meteorologe untersucht hat, ob sich zum Zeitpunkt der Aufnahme Sahara-Staub oder Vulkanasche in der Atmosphäre befand? Dazu muss man wissen: Ein prächtiges Morgen- oder Abendrot ist immer dann möglich, wenn sich besonders viele Aerosole in der Luft befinden. Feine Wassertropfen, Salzkristalle, Sahara-Staub oder Vulkanasche sorgen für außergewöhnlich schöne Sonnenauf- und Sonnenuntergänge, denn: Winzige Wasser- und Staubpartikel reflektieren und brechen das Sonnenlicht, was unter anderem zur Folge hat, dass der Himmel gelblich oder rötlich erscheint und es besonders intensive Farben beim Sonnenauf- und -untergang gibt. „Gerade nach Vulkanausbrüchen kann man ganz besonders schöne Farbspiele beobachten. Schweflige Partikel können sogar einen grünlich-purpurfarbenen Himmel zaubern“, erklärt Lux.

Ist die Luft dagegen trocken und rein, also frei von Aerosolen, zum Beispiel Fettmoleküle aus Abgasen, Silicate (Sand) und Meersalze, kann der Himmel nicht erröten.

„Der Himmel erscheint uns nur deshalb rötlich, weil aus dem Sonnenlicht alle anderen Farben herausgefiltert werden und rote und gelbe Lichtanteile dominieren“, erklärt Diplom-Meteorologe Lux. Beim Morgenrot ist es ähnlich, denn: Auch bei Sonnenaufgang ist ja der Lichtweg verlängert.

Tagsüber müssen die Sonnenstrahlen nur einen kurzen Weg durch die Atmosphäre zurücklegen. Weil blaues Licht am stärksten gestreut wird, erscheint uns der Himmel blau. Bei Sonnenaufgang und -untergang hat das Sonnenlicht allerdings einen weiten Weg zu uns. Dadurch wird ein Großteil des blauen Lichts schon auf dem Weg herausgestreut, und es gelangt nur noch der rote Anteil zum Beobachter.

Oder wissenschaftlich ausgedrückt: Jede Farbe hat eine andere Wellenlänge. Ein physikalisches Gesetz besagt, dass kurzwellige Strahlung sehr viel stärker gestreut wird als langwellige Strahlung. Der blaue Anteil des Lichts hat eine kleine Wellenlänge, der rote Anteil eine große.



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