weather-image
Wie der Baum funktioniert, ob es weibliche Pflanzen gibt und vieles mehr

Waldwissen

Im Kindergarten steht im Frühling der Wald ganz oben auf der Ausflugsliste. Wie sieht eine Linde aus? Wo wohnt der Regenwurm? Das sind dann die Fragen, die es anschaulich zu beantworten gilt. Kaum sind Kindergarten, Sachunterricht und Biologiestunden vorbei, können hier und da schon mal beträchtliche Wissenslücken entstehen. Hier deshalb noch mal Wissenswertes zum Baum und wie er funktioniert – erklärt für Große von Studienrat Mathias Degenhardt, Biologielehrer an der Hamelner Gesamtschule.

veröffentlicht am 19.05.2015 um 10:18 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 23:41 Uhr

Baum
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Wie produziert der Baum Sauerstoff?

Fotosynthese ist der wohl wichtigste Prozess in der Natur. Hierbei werden energiearme und anorganische Stoffe – Wasser und Kohlendioxid – in einen energiereichen organischen Stoff, Glukose (Traubenzucker), umgesetzt. Als Nebenprodukt fällt Sauerstoff an. Die Energiequelle der chemischen Reaktion ist Licht. Die Pflanzen bilden eigens die Blätter als Fotosyntheseorgane aus. Generell sind alle grünen Pflanzenteile zur Fotosynthese fähig, da die Zellen dieser Teile chlorophyllhaltige Chloroplasten haben, in denen dieser mehrstufige Prozess stattfindet. Die Glukose ist neben Wasser der wichtigste Ausgangsstoff für die Herstellung aller anderen Stoffe der Pflanze: Zellulose, Lignine, Eiweiße, Fette, Farbstoffe und Bitterstoffe. An einem sonnigen Tag setzt eine ausgewachsene Buche fast 10 000 Liter Sauerstoff frei, was dem Tagesbedarf von etwa zehn Menschen entspricht.

Warum werden Bäume so alt?

Jede Tier- und Pflanzenart hat genetisch festgelegte Lebensspannen. Wie hoch das mögliche Höchstalter einer Art ist, hängt davon ab, wie oft die alten Zellen durch junge Zellen „ausgetauscht“ oder erneuert werden. Mit jeder neuen Zellgeneration gehen infolge des „Kopierens“ der alten DNS kleine Informationen verloren. Irgendwann ist der Datenverlust so groß, dass der Organismus Alterungserscheinungen aufweist. Das hohe Alter von Bäumen kommt durch ihre teils längeren Zellgenerationswechsel, ihre stabile Struktur und durch das Fehlen dynamischer und komplexer Organe wie Nervensystem, Herz oder Muskeln, die „verschleißen“ könnten, zustande.

Haben Bäume ein Geschlecht?

Die meisten Bäume sind hermaphrodit, also zwittrig. Einige Blüten haben männliche und weibliche Geschlechtsorgane in sich vereint, die Kirschblüte ist ein Beispiel. Die kleinen Staubblätter, die die Pollen tragen, sind männlich, der Fruchtknoten in der Blüte ist weiblich. Bei vielen Bäumen, etwa Buche, Eiche, Erle, gibt es jeweils männliche und weibliche Blüten an derselben Pflanze. Weiden und Pappeln dagegen haben nur weibliche oder nur männliche Blüten.

Warum werden Blätter braun und Nadeln nicht?

Wasser gefriert bei Minusgraden und dehnt sich aus. Wasser in Blattzellen würde diese zerreißen. Die Laubblätter müssen daher im Herbst abgeworfen werden. Außerdem ist die verminderte Tageslänge für die Fotosynthese so nachteilig, dass sich die Fotosynthese nicht mehr lohnen würde. Daher baut sich im Herbst das Chlorophyll in den Chloroplasten der Blätter ab. Verschwindet der grüne Farbstoff, so kommen andere Farben, die das Chlorophyll zuvor überdeckte, zum Vorschein beziehungsweise das abgebaute Chlorophyll wird in rote, gelbe oder braune Farbstoffe umgewandelt. Bei Nadelbäumen – außer der Lärche – ist das anders: Sie haben in ihren Zellen eine Art „Frostschutzmittel“, nämlich Glycerin. Das verhindert das Gefrieren des Zellwassers im Winter. Der gesamte Fotosyntheseapparat des Nadelbaums wird in einen Ruhezustand versetzt. Damit spart sich der Nadelbaum das aufwendige Austreiben im Frühjahr und hat keinen Grund, seine Nadeln abzuwerfen.

Wie kommt Wasser in die Krone?

Zunächst gelangt das Wasser durch Osmose in die Wurzelhaare. Wassermoleküle durchdringen die äußere Schicht der Wurzel. Dort sammelt es sich, es entsteht ein Wurzeldruck. Der drückt das Wasser leicht nach oben Richtung Stamm. Nach oben kommt Wasser mithilfe der Adhäsions- und Kohäsionskräfte im Splintholz. Sie bewirken, dass lange Wassermolekülketten entstehen. Die Blätter geben unterdessen Wasser über die Spaltöffnungen an die Luft ab. Das abgegebene Wasser „zieht“ die Wassermolekülkette innerhalb des Stammes hinter sich her und somit nach oben. Das nennt man Transpirationssog. Der ist an heißen Tagen besonders groß. Deshalb welken Pflanzen bei großer Hitze schneller. Das Wasser gelangt durch das Zusammenwirken aller Kräfte von der Wurzel in die höchsten Blätter.

Was ist Holz?

Holz besteht aus langgestreckten Zellen, die man in faserartige Tracheiden und röhrenartige Gefäßzellen unterteilt. Die Zellen des Splintholzes nahe der Rinde leiten das Wasser von der Wurzel Richtung Krone. Die älteren Zellen des Kernholzes in der Mitte sind abgestorben und dienen als Zentralstütze. Im Zellaufbau wird der Unterschied zu den Krautpflanzen deutlich: Neben der Zellulose, aus der alle pflanzlichen Zellwände bestehen, sind in den Zellwänden der Holzzellen noch Lignine eingelagert. Dadurch härten die Zellwände stark aus und machen das Holz stabiler als krautige Pflanzen.

Kann man Holz essen?   

Menschen fehlt das Enzym Zellulase, das Zellulose in seine Einzelteile zerlegen kann. Pflanzenfresser haben das Enzym. Wiederkäuer, wie Rehe, haben in ihren Mägen symbiontische Bakterien, welche Zellulase herstellen können. Deshalb können Rehe Triebholz, Borke oder Bast fressen, verdauen und energetisch nutzen. Für Menschen ist die Zellulose nahezu unverdaulich und wird daher ernährungsphysiologisch zu den Ballaststoffen gerechnet.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt