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Einkaufsführer leitet Kunden zu fair gehandelten Produkten

Von Kaffee bis Curry

Hameln-Pyrmont (ms). Ob 15 Jahre alter Rum aus Kuba, Glas aus Mexiko oder Leder-Portemonnaies aus Indien – Petra Haupt hat in ihrem Bad Münderaner Weltladen allerhand Geschenkideen, die aus fairem Handel stammen. Und obwohl sie mit dem Laden Verlust macht, betreibt sie ihn gern. Da es ihr um die Sache geht: „Jeder von uns hat Essen im Kühlschrank und kann zum Arzt gehen, wenn er krank ist. Wenn ich daran denke, wie viele Menschen gerade in diesem Moment in Mülltonnen wühlen und an Hungersnot leiden, dann ist das für mich ein echter Schiefstand.“

veröffentlicht am 06.08.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 18:41 Uhr

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Als sie 2009 mit dem Laden angefangen hat, da hatte sie noch jeden Tag geöffnet. „Aber in Bad Münder läuft es leider nicht so gut“, sagt sie. Zwei Jahre lang hat sie es versucht, jetzt hat sie nur noch donnerstags geöffnet und jederzeit nach Absprache. In ihrer Heimat, dem Saarland, gibt es Weltläden in jedem kleineren Dorf, erzählt Haupt.

Um auf fair gehandelte Produkte auch im Landkreis Hameln-Pyrmont aufmerksam zu machen, hat der Kreis nun in Zusammenarbeit mit einigen Schülern der KGS Salzhemmendorf den „FairFührer“ herausgebracht. Einen Einkaufsführer, der alle Läden im Kreisgebiet auflistet, die fair gehandelte Produkte anbieten. Dafür wurden über 400 Geschäfte und Gaststätten angeschrieben. 94 davon haben angegeben, dass sie solche Produkte anbieten. Von häufig vorkommenden Klassikern wie Kaffee und Schokolade bis hin zu fair gehandelter Unterwäsche ist alles dabei. „Viele Cafés werben gezielt mit fair gehandeltem Kaffee“, sagt Christiane Lampen von der Steuerungsgruppe „Fairtrade“ des Landkreises, in der Politik, Vereine, Schulen, Wirtschaft und Kirchen zusammenarbeiten. Ein Manko der Erhebung: Die Angaben des Handels wurden nicht überprüft.

Tatsächlich 100-prozentige Fairtrade-Läden gibt es im „FairFührer“ nur drei: Den Weltladen von Petra Haupt am Friedhof in Bad Münder, den kirchlich betriebenen „Eine-Welt-Laden“ am Kirchplatz in Hessisch Oldendorf und den Weltladen Q’Antati in der Hamelner Innenstadt. Dass sie neben „gewöhnlichen Geschäften“ gelistet sind, stört die Weltladenbetreiber nicht: „Es ist gut, dass auf das Thema fairer Handel aufmerksam gemacht wird“, sagt Christiane Veeh vom Weltladen Q’Antati. Bisher besuchen das Geschäft hauptsächlich Touristen, die Weltladen-Konzepte schon kennen. Elisabeth Sievers vom „Eine-Welt-Laden“ in Hessisch Oldendorf findet es im Sinne des Fairtrade nicht schlimm, zwischen Supermarktketten und Caféstuben gelistet zu sein. „Es wäre wunderbar, wenn noch mehr Fairtrade-Produkte in den Supermärkten angeboten würden“, sagt sie. Obwohl bei einem Supermarkt auch der Profit des Unternehmens nicht außer Acht gelassen würde, während der Laden am Kirchplatz von ehrenamtlichen Helfern betrieben und jeder Gewinn direkt an die Produzenten weitergegeben wird. „Ziel dieser Broschüre ist es, auch zu zeigen, dass es Fairtrade-Handel nicht wie vor Jahren nur im Weltladen gibt, sondern auch beispielsweise die Discounter ihr Angebot an fair gehandelten Produkten stetig erweitern“, sagt Lampen. Durch die Broschüre sollen die Menschen im Kreis auf das Thema Fairtrade aufmerksam gemacht werden. „Wenn man in Hameln auf der Straße jemanden fragt, dann weiß bestimmt nicht jeder, was fairer Handel bedeutet“, sagt Andreas Manz, Dezernatsleiter für Wirtschaft. „Unser Landkreis ist zwar nur ein kleines Stück vom Puzzle, aber wir sind auch ein Teil des Staates und sollten mit gutem Beispiel vorangehen – wenn nicht wir, wer dann?“

Seit 2012 ist Hameln-Pyrmont als „Fairtrade-Landkreis“ zertifiziert. Noch bis 2019 behält er diese Titulierung, dann wird von Transfair e.V. neu geprüft, ob sich der Landkreis weiter mit dieser Titulierung schmücken darf. Kriterien, auf die dabei geachtet wird, sind das kommunale Einkaufsverhalten (im Kreishaus wird nur Kaffee und Tee aus fairem Handel angeboten), die durchgeführten Kampagnen sowie die Anzahl der ehrenamtlichen Unterstützer. Zudem musste der Landkreis das Angebot von fair gehandelten Waren in Einzelhandel und Gastronomie nachweisen. Der „FairFührer“ ist im Internet auf der Seite des Landkreises abrufbar sowie als Auslage bei städtischen Einrichtungen und teilnehmenden Geschäften zu bekommen.ms

Letztere freut sich zwar, dass ihr Laden ein bisschen Werbung bekommt, aber dass sie in der Bröschüre des Landkreises genannt wird, davon wusste sie nichts. Obwohl es im FairFührer heißt:

Im Kreishaus wird bei allen Sitzungen und Veranstaltungen nur Kaffee und Tee aus fairem Handel angeboten.

Auch der Kreis will den Fairen Handel auf lokaler Ebene fördern und Verbrauchern das Thema näher bringen soll.

Die Anzeigen im „FairFührer“ beruhen auf Selbstnennungen. Darin heißt es, dass in einer groß angelegten Informationskampagne und aktive Firmenanschreiben seien alle Händler und Gastronomiebetriebe im Landkreis Hameln-Pyrmont aufgefordert worden, ihre Geschäftsadresse und ihre fair gehandelten Produkte zu nennen. Das führt in der Praxis nun dazu, dass zwar dei großen Supermarktkonzerne gelistet sind, aber wirkliche Geheimtipps für Verbraucher, die mehr als nur als nur Kaffe wollen, in der Bröschüre etwas knapper gesäht sind.

diese Praxis machte es wohl mit sich, das in der Broschüre zu Hauf Supermärkte aufgeführt sind, die den ein oderen Fair gehandelten Kaffee in ihrem Regal stehen haben oder Schokolade und mehrer Teesorten. Daneben ist jede Filiale der Bekleidungskette „Ernstings Family“ im Kreis gelistet, weil der Konzern Rair gehandelte Kinderbekleidung in seinem Sortiment anbietet.



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