weather-image
28°
275 Feuerwehrleute aus Hameln-Pyrmont und Holzminden sichern Deiche im Landkreis Lüneburg

Von der Weser an die Elbe

Hameln-Pyrmont/Amt Neuhaus. „Noch ist die Gefahr nicht sichtbar, aber die Experten sind sich einig: Da rollt was auf uns zu“, sagt Jürgen Selle. Der 57-jährige Feuerwehrmann aus Rohrsen steht auf einem Deich, schaut auf die Elbe und auf einen vorgelagerten Seitenarm beim Amt Neuhaus im Landkreis Lüneburg, der am Mittwoch Katastrophenalarm ausgelöst hat. Noch fließt das in der Sonne glitzernde Wasser des Flusses, das der Leiter der Hameln-Pyrmonter Kreisbereitschaft West, vor Augen hat, idyllisch dahin. „Kaum zu glauben, dass davon eine ernste Gefahr ausgehen soll.“ Selle hat jedoch gehört, dass irgendwo in Sachsen-Anhalt ein Damm gesprengt worden ist. „Das ist wohl der Grund, warum es hier noch ganz dicke kommen kann“, meint er.

veröffentlicht am 07.06.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 12:21 Uhr

270_008_6396061_wb101_0706.jpg

Autor:

Ulrich Behmann
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Fest steht: Die Elbe breitet sich aus. Die Behörden rechnen derzeit damit, dass die Welle aber nicht vor dem 13. Juni durch die niedersächsischen

Elbauen schwappen wird. Millionen von Sandsäcken müssen bis dahin noch gefüllt werden, um Deiche und Häuser sichern zu können. Da wird jede helfende Hand gebraucht. Hilfe für die von einer Rekordflut bedrohten Menschen kommt auch von der Weser: 132 Feuerwehrleute aus Hameln, Bad Pyrmont, Hessisch Oldendorf und Aerzen und die Besatzung eines DRK-Rettungswagens aus Marienau sind gestern um 4.15 Uhr zur Deichverteidigung an die Elbe gefahren. Der Blaulicht-Konvoi der Kreisbereitschaft West war mehrere Hundert Meter lang – er setzte sich aus 31 Einsatzfahrzeugen zusammen. Die Freiwilligen hatten geahnt, dass sie irgendwann gebraucht werden. Bereits in den Jahren 2002 und 2006 waren sie an der Elbe im Hochwasser-Einsatz – stets im Kreis Lüchow-Dannenberg. Diesmal sollen sie einen Deich im Landkreis Lüneburg verteidigen. Nur vier Stunden später setzt sich in Eschershausen ein zweiter Hilfskonvoi in Bewegung – 143 Feuerwehrleute rücken mit ebenfalls 31 Fahrzeugen ab. Sie haben dasselbe Ziel: das Amt Neuhaus.

Als die Feuerwehrleute am Mittwochabend gegen 21.30 Uhr angefordert wurden, wussten sie nur, dass sie nach „Amt Neuhaus“ fahren und voraussichtlich vier Tage im Katastrophengebiet helfen sollen. Um 4 Uhr versammelten sich die Ehrenamtlichen an der B 217 in Höhe Hottenbergsfeld. Dann ging’s Richtung Norden.

270_008_6394975_hm203_0706.jpg

„Unser Auftrag lautet: ,Befüllen und Verbauen von Sandsäcken!‘“, erklärt Selle. Die Stimmung unter den Feuerwehrleuten ist ausgezeichnet. „Wir sind hoch motiviert, freuen uns darauf, Menschen in Notsituationen helfen können“, sagt Selle. Auch die anderen Feuerwehrleute sehen das so: „Dann lasst uns mal wieder kämpfen“, postet Oberbrandmeister Bernhard Mandla aus Hameln, der mit Interhelp schon auf Haiti Erdbebenopfer behandelt hat, auf Facebook – und fügt hinzu: „Denn wir wären auch heilfroh, wenn Leute kämen, die uns helfen, wenn uns in Hameln das Wasser im wahrsten Sinne des Wortes bis zum Halse stände.“ So sehen das alle hier, die von der Weser an die Elbe gefahren sind.

„Wenn jeder tüchtig mit anpackt, kann es uns gelingen, den Schaden für die Leute so gering wie möglich zu halten. Jeder, der mitgefahren ist, weiß: Das, was wir machen, ist wichtig und sinnvoll. Und genau das treibt uns an“, meint Björn Lönnecker. Ihm und den anderen Helfern ist völlig egal, wo sie die Nacht verbringen müssen. „Wir werden wohl in einer Schule oder in einer Sporthalle schlafen. Wo, das wissen wir noch nicht.“ Gegen Mittag spucken die ersten Feuerwehrleute aus dem Weserbergland auf einem eingezäunten Platz hinter dem Deich bei Pommau (Amt Neuhaus) in die Hände und greifen zu ihren Schaufeln. 29 000 Säcke sollen gefüllt werden. Ein riesiger Berg Sand liegt schon da. Bei Temperaturen um 20 Grad schuften sie bis zum Umfallen. Die Frauen und Männer aus Hameln, Bad Pyrmont, Hessisch Oldendorf und Aerzen unterstützen ihre Kameraden aus den Orten Stapel und Zeetze, die sich sichtlich darüber freuen, dass man ihnen unter die Arme greift. Die Verstärkungskräfte haben sogar eine mobile Sandsack-Füllanlage mitgebracht. Das Gerät erleichtert die schweißtreibende Arbeit sehr.

Auch Oberbrandmeister Maik Gödeke aus Bad Pyrmont-Holzhausen kämpft mit an der sogenannten „Hochwasser-Front“. „Jeder hat doch die Bilder im Fernsehen gesehen. Ist doch klar, dass wir da alle ein gemeinsames Ziel verfolgen, nämlich: Menschen helfen, Hab und Gut sichern“, sagt der Oberbrandmeister.

Feuerwehrleute aus Hameln erhöhen einen Elbdeich im Landkreis Lüneburg. Am Morgen waren sie gemeinsam mit Freiwilligen aus Bad Pyrmont, Hessisch Oldendorf und Aerzen nach Pommau (Amt Neuhaus) gefahren.

fn/S. Bode

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare