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Gericht schickt 22-Jährigen in Entziehungsanstalt

Vom Räuber zum Patienten

Bückeburg. Nach dem missglückten Raubüberfall auf die Spielothek an der Langen Straße in Bückeburg hat das Landgericht den Täter zu vier Jahren Haft verurteilt. Gleichzeitig ordnete die 1. Große Strafkammer die Unterbringung des 22-Jährigen in einer Entziehungsanstalt an. Dort ist er vor allem Patient. Zur Tatzeit, am Nachmittag des 17. September 2012, hatte der Bückeburger mindestens 2,5 Promille Alkohol im Blut.

veröffentlicht am 09.04.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 15:41 Uhr

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Freigesprochen hat das Gericht den Angeklagten vom Vorwurf, zwei Polizisten verletzt zu haben, allerdings nicht wegen erwiesener Unschuld. Vielmehr erkannte die Kammer in diesem Punkt auf Schuldunfähigkeit. Nach Erkenntnissen des Gerichts hat „Alkohol im Zusammenspiel mit Adrenalin-Ausstoß“ zum Kontrollverlust geführt. Schuld ist im deutschen Rechtssystem die Voraussetzung für Strafe, deshalb Freispruch. Nur selten haben die beiden erfahrenen Polizisten, die auf Streife an der Spielothek vorbeigekommen waren, ein ähnliches Verhalten erlebt. „Wie von Sinnen“ habe der Mann gewirkt, „völlig schmerzfrei und unkontrolliert.“

Auf seiner Flucht war der Bückeburger mit einem Beamten zusammengeprallt, worauf beide Männer zu Boden gingen. Erst mit vereinten Kräften gelang es, den Tobenden zu überwältigen. Ohne Blessuren kamen die Polizisten jedoch nicht davon. Der Räuber hatte wild um sich getreten, geschlagen, gebissen und gespuckt. Auf der Wache ging es weiter.

Beim Überfall hatte der Täter die Kassiererin (66) mit seiner ungeladenen Softair-Pistole bedroht. „Für den Laien ist diese nicht von einer echten großkalibrigen Schusswaffe zu unterscheiden“, erklärt der Leitende Oberstaatsanwalt Martin Appelbaum. Trotzdem rückte die Rentnerin keinen Cent heraus, sondern flüchtete aus der Spielothek. Allein gelang es dem maskierten Mann nicht, die Kasse zu öffnen. Deshalb forderte er Geld von einem Kunden, der sein Portemonnaie auf einen Spielautomaten legte, ohne dass der Täter jedoch danach griff. In seinem Leben hat der Bückeburger nichts auf die Reihe bekommen. Alkohol in Mengen trinkt er seit der Pubertät, raucht Cannabis, hat keinen Schulabschluss, noch nie gearbeitet. „Straftaten“, so die Vorsitzende Richterin Dr. Birgit Brüninghaus, „begeht der Angeklagte seit dem 14. Lebensjahr, vornehmlich unter Alkoholeinfluss.“

Aus dem Gerichtssaal wurde der 22-Jährige zurück in Untersuchungshaft gebracht. In die Entziehungsanstalt, ebenfalls mit vergitterten Fenstern, kommt er, sobald ein Therapieplatz frei ist. Die Zeit dort wird mit der Strafe verrechnet. „Wenn Sie diese Chance nicht nutzen, sehe ich schwarz für Ihre Zukunft“, gab Richterin Brüninghaus dem Angeklagten mit. Dessen kriminelle Energie stuft das Gericht als hoch ein.ly



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