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Henne Gertrud folgt Börryer auf dem Fuß

Verrücktes Huhn stiehlt allen die Show

BÖRRY. Trotz all der historischen Arbeitsmaschinen, den alten Gemäuern und originell vorgetragenen Anekdötchen – der eigentliche Star im Museum für Landtechnik und Landarbeit in Börry trägt Federn. Henne Gertrud folgt Museumsführer Dieter Brockmann auf den Fuß.

veröffentlicht am 23.10.2018 um 17:39 Uhr
aktualisiert am 23.10.2018 um 18:33 Uhr

Wenn Dieter Brockmann im Museum unterwegs ist, wird er stets von Henne Gertrud begleitet. Foto: fn
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Henne Gertrud darf nicht fehlen, wenn Dieter Brockmann auf dem Gelände bei Führungen seine Runden dreht. Gertrud zeigt überhaupt keine Scheu vor den Menschen. Sehr zur Freude der Besucher. Denen wird schnell klar, dass zwar ein Ei dem anderen gleicht – aber offensichtlich kein Huhn dem anderen.

Ist der Museumswart auf dem weiträumigen Areal unterwegs, weicht das zutrauliche Huhn dem Börryer keinen Schritt von der Seite. Fast sieht es so aus, als habe Brockmann einen zweiten Schatten – allerdings einen weißen. „Bei Führungen geht sie bei Fuß mit. Wenn ich stehenbleibe und etwas erzähle, bleibt sie auch stehen. Das ist total verrückt“, erzählt der wortgewandte Museumsführer, dem das Haushuhn inzwischen fast schon die Show stiehlt.

Allenfalls bei Führungen mit jüngeren Besuchern ziehen sich die gefiederten Tiere zurück, weil Kinder ihnen oft hinterherrennen. Doch dagegen hat der Museumswart seine eigene Taktik entwickelt: „Ich erzähle den Kindern, dass die Hühner von den Dinosauriern abstammen. Wenn die Hennen auf sie zukommen, sollen sie sich flach hinlegen und sich nicht bewegen“. Allein durch diese Warnung komme Ruhe auf, weiß er.

In Pausen lässt sich das Huhn gern streicheln. Foto: fn
  • In Pausen lässt sich das Huhn gern streicheln. Foto: fn


Die Jüngste ist Gertrud nicht mehr. Stolze sieben Jahre alt ist die Henne – für Hühner fast schon ein biblisches Alter. Ein entblößtes Körperteil lässt ihre Lebensjahre erahnen: Ihr Hintern ist nackig. „Wenn man fast sieben Jahre Eier legt, kann man schon einmal einen nackten Popo bekommen“, meint Dieter Brockmann und zwinkert.

Apropos Eier: Gertruds sehen exotisch aus. Das Haushuhn legt Grünfarbige ins Nest. Zwar nicht mehr so häufig wie in ihren jüngeren Jahren, aber immerhin noch alle zwei bis drei Tage ein Exemplar. „Die Grünen kann man besser pellen, finde ich“, hat der Börryer inzwischen herausgefunden. Und schmecken sollen sie ebenfalls. „Es heißt, die grünen Eier sollen weniger Cholesterin enthalten. Aber ob das stimmt, weiß ich nicht“, so Brockmann.

Verzehrt werden die Eier zu Hause, nicht im angegliederten Museums-Café. Dort im Kaffee-Garten soll Gertrud mitunter selbst auf Nahrungssuche gehen. „Es kommt schon vor, dass sie auf die Tische springt. Was sagen die Gäste dazu? „Die sind erstaunt, dass das Huhn so zutraulich ist“, meint Brockmann. Besonders interessiert sei die Henne an Käse- und Wurstbroten, hat Brockmanns Kollegin Undine Grubitzsch festgestellt.

Ist einmal Pause im Museum, sitzt das Huhn oft auf Brockmann Schoß, lässt sich vom 59-Jährigen liebevoll am Hals kraulen und spreizt genüsslich die Federn. „Dabei gurrt sie zufrieden“, meint der Museumswart. Gertrud ist gehandicapt. Auf dem linken Auge ist das Tier blind. Körner und Würmer findet das Huhn dennoch. „Was sie auf dem Hinweg nicht sieht, entdeckt sie halt auf dem Rückweg mit dem gesunden Auge, sage ich immer“, meint der Tierfreund.

Seit zweieinhalb Jahren ist das Museum die Heimat von Gertrud und ihren Kolleginnen. „Ich wollte mit den Hühnern etwas Leben in das Museum bringen und habe einen Hühnerstall gebaut“, erklärt Brockmann die Anschaffung des Federviehs. Das scheint ihm gelungen zu sein.

Gertrud & Co. nächtigen in einem aus alten Baustoffen gezimmerten Hühnerstall. „Zumindest die Dachsteine sind historisch und stammen aus dem Jahr 1790“, erklärt der Museumswart. Die Mitarbeiter hoffen, dass das Huhn auch in der kommenden Saison die Besucher erfreuen kann. Selbstverständlich ist das nicht. „Hühner haben eine Lebenserwartung von ungefähr sieben Jahren. Das ist ihr derzeitiges Alter. Wir wären richtig traurig hier vor Ort, wenn unsere Gertrud nicht mehr da sein sollte“, meint Brockmann.



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