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Hilfe für ausländische Jobsuchende: Neues Gesetz vereinfacht Anerkennung der Berufsausbildung

„Verborgene Schätze für den Arbeitsmarkt“

Hameln (joa). Die Fälle sind Rudolf Kallmeier-Voss, Pressesprecher beim Jobcenter in Hameln, noch gut in Erinnerung. Obwohl sie gute Qualifizierungen aus ihren Herkunftsländern mitgebracht hatten, waren sie auf dem hiesigen Arbeitsmarkt nicht vermittelbar: Die Ärztin und der Elektrotechniker, die aus Russland in den Landkreis Hameln-Pyrmont gekommen waren ebenso wie der Archivar aus Polen, für den in Hameln und Umgebung keine Arbeit zu finden war. Gemeinsam war allen drei Jobsuchenden eines: Sie konnten keine berufliche Qualifikation vorweisen, die hierzulande anerkannt wird.

veröffentlicht am 31.01.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 14:41 Uhr

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Nach Auskunft des Integrationsbüros und des Jobcenters Hameln-Pyrmont leben derzeit im Landkreis Hameln-Pyrmont viele Migranten, die in anderen Ländern gute berufliche Abschlüsse und Qualifikationen erworben haben, die auf dem heimischen Arbeitsmarkt dringend gebraucht werden. Nicht zuletzt durch den demografischen Wandel gibt es jedoch bereits heute einen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften in bestimmten Arbeitsmarktsegmenten, so etwa in Medizin und Erziehungsberufen, im Pflege- und IT-Bereich. Migranten, die hier Lücken auf dem Arbeitsmarkt füllen könnten, können hier diese Qualifikationen oft nicht optimal nutzen, weil Bewertungsverfahren und Bewertungsmaßstäbe bisher fehlten.

Ab dem 1. März soll ein Gesetz in Kraft treten, das ausländischen Mitbürgern, aber auch Deutschen, die im Ausland eine Berufsausbildung abgeschlossen haben, die die Anerkennung einfacher machen soll als bisher: Das Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen, kurz BQFG genannt. Das Gesetz hat am 4. November den Bundesrat passiert.

Nach Inkrafttreten des Gesetzes können Anträge von Personen gestellt werden, die über einen im Ausland erworbenen und dort öffentlich anerkannten beruflichen Bildungsabschluss verfügen. Hierzu müssen Zeugnisse und Arbeitsbestätigungen in beglaubigter Übersetzung vorgelegt werden. Nach einer einjährigen Übergangsfrist muss dann jeweils innerhalb von drei Monaten über die entsprechenden Anträge entschieden werden. Das Gesetz legt fest, dass zukünftig der Inhalt und die Qualität der im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen entscheidend sind, nicht jedoch die Staatsangehörigkeit oder die Herkunft einzelner Personen.

Für Ulrich Wichmann indes, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Hameln-Pyrmont, „könnte durch das Gesetz eine gewisse Brisanz entstehen“. So sei der türkische Barbier nicht gleichzusetzen mit dem deutschen Damen- oder Herrenfriseur, der Traktorist aus Russland sei nicht vergleichbar mit dem deutschen Landmaschinenmechaniker. Wichmann: „Da bleibt abzuwarten, inwieweit das mit den Ansprüchen der Betriebe und der tariflichen Entlohnung kompatibel sein wird.“

„Mit Inkrafttreten des neuen Gesetzes werden für den Arbeitsmarkt verborgene Schätze gehoben, die derzeit noch im Verborgenen schlummern“, meint Dr. Dorothea Schulz von der IHK-Geschäftsstelle Hameln. Ein wesentliches Ziel des Gesetzes bestehe darin, die im Ausland erworbenen Qualifikationspotenziale noch effektiver in das Wirtschaftsleben einzubringen. Die neue Regelung böte vor allem Unternehmen, die bislang mit der Einstellung ausländischer Mitbürger vorsichtig waren, weil sie deren in Ausland erworbene Qualifikationen nicht einschätzen konnten, Sicherheit. Mittel- und langfristig dürfte dies den betrieblichen Personalabteilungen erheblich nutzen. Sie werden deutlich besser abschätzen können, über welche Qualifikationen die Bewerber aus dem Ausland tatsächlich verfügen. Und auch die Arbeitsuchenden könnten sich mit ihren für Deutschland anerkannten Berufsausbildungen selbstbewusst in Bewerbungsgespräche begeben, so Dr. Schulz. Sollten ausländische Qualifikationen nicht per Dokument vorgelegt werden, gibt es Kompetenzchecks, nach denen Experten dann einen Gleichwertigkeitsabschluss bescheinigen können. Dr. Schulz: „Eine Erstberatung für Betroffene ist bei der IHK schon jetzt möglich.“

Über die neue Gesetzeslage, deren Hintergründe und künftige Optionen informiert ferner eine Veranstaltung im Multi-Mediaraum der Dewezet (Osterstraße 15-19) in Hameln am Mittwoch, 8. Februar um 18 Uhr. Dort wird das Integrationsbüro des Landkreises, vertreten durch Dr. Feyzullah Gökdemir, und der Geschäftsführer des Jobcenters Hameln-Pyrmont, Gerhard Durchstecher, als Veranstalter das neue Gesetz erklären. Ein Grußwort wird Landrat Rüdiger Butte sprechen. Als Vertreterin des niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration wird Britta Hartmann anwesend sein.



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