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Ticker: Prozess gegen mutmaßliche Brandstifter von Salzhemmendorf

Update: Angeklagte bereuen ihre Tat

Salzhemmendorf (ube). Um 9 Uhr beginnt heute (Mittwoch, 10. Februar) im Landgericht Hannover der Prozess gegen ein Trio, das nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hannover "seine Tatbeteiligung" an dem Brandanschlag auf ein von Deutschen und Asylbewerbern bewohntes Haus an der Hauptstraße in Salzhemmendorf eingeräumt hat. Aus dem Landgericht Hannover berichtet Ulrich Behmann

veröffentlicht am 10.02.2016 um 08:39 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:42 Uhr

Richter Dr. Stephan Loheit, Sprecher des Landgerichts Hannover,
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Gegen Dennis L. (31) aus Lauenstein, Sascha D. (25) aus Salzhemmendorf und Saskia B. (24) aus Springe hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen gemeinschaftlichen versuchten Mordes in Tateinheit mit versuchter schwerer Brandstiftung erhoben. 

 

++ 10:20 Uhr ++

Verteidiger Roman von Alvensleben gibt Interviews.
Richter Dr. Stephan Loheit, Sprecher des Landgerichts Hannover,
  • Foto: ube

Die drei Angeklagten haben ihre vier Verteidiger sprechen lassen. Alle sagen, sie bereuten sehr, was sie getan haben. Sie schämen sich und entschuldigen sich bei den Bewohnern. Dennis L. und Sascha D. erklären ihr Verhalten mit ihrem exzessiven Alkoholgenuss. Hätten sie an diesem Abend nicht so viel Weinbrand und Bier getrunken, wäre die Tat ganz sicher nicht passiert, behaupten sie. Dennis L. lässt erklären, es komme ihm so vor, als sei er ein anderer Mensch, wenn er Alkohol trinke. Er habe Erinnerungslücken. Die Angeklagten bestreiten, ausländerfeindlich zu sein. Alle drei weisen darauf hin, dass Ausländer zu ihren Freunden zählen. Sascha D. belastet Dennis L. schwer. Er sei "die Triebfeder der Tat" gewesen, heiß es in der Verteidiger-Erklärung. Den Molotow-Cocktail wollen die Männer aus Heizöl, Benzin und Sägespänen gebastelt haben. Saskia B. habe dabei zugesehen. Saskia B. lässt erklären, sie habe zu diesem Zeitpunkt nicht gewusst, was ein Molotow-Cocktail ist. In ihrer polizeilichen Vernehmung, die der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch vorgelesen hat, steht, dass Saskia B. seinerzeit gesagt hat, Dennis L. habe "an dem Abend rassistisches Zeug geredet". Auf der Fahrt zum Flüchtlingshaus habe Dennis L. gesagt, er wolle "einen Neger brennen sehen".

 


++8:50 Uhr ++

Wie bereits berichtet, ist das Medieninteresse sehr groß. Neben ARD, ZDF, mehreren privaten TV-Sendern und freien Produktionsgesellschaften berichten auch Reporter der Süddeutschen Zeitung und des Nachrichtenmagazins Der Spiegel über den Prozess. Vor dem Schwurgerichtssaal geben derzeit Richter Dr. Stephan Loheit, Sprecher des Landgerichts, und Roman von Alvensleben, einer der Verteidiger von Dennis L., Interviews. Auch eine Reporterin der New York Times sitzt im Saal. Noch hat die Hauptverhandlung nicht begonnen, sitzen die drei Angeklagten im Gerichtsgebäude in ihren Zellen. Zum Thema erhöhte Sicherheitsvorkehrungen: Die Justizbeamten des Landgerichts Hannover werden von der Einsatzreserve Niedersachsen unterstützt. 

 

Das Medieninteresse ist sehr groß. Schon eine Stunde vor Prozessbeginn haben sich zahlreiche Reporter vor dem Saal 127 versammelt. Die Journalisten warten auf Einlass. Die Sicherheitsvorkehrungen sind erhöht worden. Die drei Angeklagten werden von vier Anwälten verteidigt. Es gibt zwölf Nebenkläger. Vier Dolmetscher sollen die Vernehmungen der 13. Großen Strafkammer unter Vorsitz von Richter Wolfgang Rosenbusch übersetzen. Auch zwei Sachverständige sind geladen.

Den drei Freunden wird zur Last gelegt, den Anschlag in den frühen Morgenstunden des 28. August aus fremdenfeindlicher Gesinnung begangen zu haben. Dort soll einer der Männer einen selbstgebastelten Molotow-Cocktail durch das geschlossene Erdgeschossfenster eines Zimmers geworfen haben, in dem sich zur Tatzeit allerdings kein Bewohner des Hauses aufhielt. Anschließend flüchteten die Tatverdächtigen mit einem Auto vom Tatort Der Molotow-Cocktail zerstörte die Fensterscheibe und schlug auf dem Fußboden des Zimmers auf, wodurch der PVC-Bodenbelag in einem Umkreis von etwa 50 Zentimeters verschmorte und es zu einer starken Rauchentwicklung kam. Hausbewohner kamen glücklicherweise nicht zu Schaden Die drei Freunde wurden noch Abend desselben Tages aufgrund eines Zeugenhinweises vorläufig festgenommen und befinden sich seit dem 29. August in Untersuchungshaft. 



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