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Schulen bemühen sich um Vorbeugung – aber absolute Sicherheit vor Gewalttaten gibt es nicht

„Uns bleibt nur, auf mögliche Signale zu achten“

Weserbergland (jl/stef/hen/ ul/mafi). „Kann uns das auch passieren?“ – diese Frage stand gestern im Zentrum vieler Gespräche in den Schulen. Nach dem grausamen Amoklauf eines Ex-Schülers in

veröffentlicht am 12.03.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 00:41 Uhr

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der baden-württembergischen Kleinstadt Winnenden machen sich viele Lehrer, Eltern und auch Schüler Sorgen. So sind sich die Rektoren im Pyrmonter und im Lügder Schulzentrum einig, dass es zwar keine 100-prozentige Sicherheit geben kann, die Vorbeugung aber wichtig sei. „Gerade stilleren Schülern sieht man die von ihnen potenziell ausgehende Gefahr nicht an der Nasenspitze an“, sagt Bad Pyrmonts Grund- und Hauptschulrektor Hartwig Henke. „Deshalb intervenieren wir grundsätzlich immer, wenn wir das Gefühl haben, dass Gesprächsbedarf besteht.“ Aber er betont auch: „Wir können nicht alle Schüler unter Generalverdacht stellen.“ Und eine stärkere Überwachung „würde den Schulalltag in eine Richtung verändern, die wir uns nicht wünschen“.

Jeder Beschwerde soll nachgegangen werden

Auch das Lügder Haupt- und Realschul-Kollegium versucht laut Rektor Uwe Tillmanns „die Kinder zu begleiten, die uns Bauchschmerzen machen“. Über die Täterprofile bekannter Amokläufer haben sich die Lügder im vergangenen Jahr von der Polizei informieren lassen. „Einer der beiden Beamten bei dieser Fortbildung war 2006 beim Amoklaufeinsatz in Emsdetten dabei“, schildert Tillmanns. Claudia Herrmann, Leiterin des Pyrmonter Humboldt-Gymnasiums, setzt auch auf Unterstützung vonseiten der Schüler: „Wir versuchen auf jede Beschwerde und besorgte Meldung einzugehen. Dank des Streitschlichterteams wird Gewalt und Mobbing schnell bemerkt, sodass reagiert werden kann.“

Barbara Wendel-Henke, Rektorin der Max-Born-Realschule, hält es für schwer, potenzielle Täter frühzeitig zu erkennen: „Nicht jeder sehr ruhige oder waffeninteressierte Schüler wird zum Amokläufer. Lehrern fehlt die psychologische Qualifikation. Uns bleibt nur, aufmerksam auf mögliche Signale zu achten.“ Wünschenswert sei ein Sozialarbeiter pro Schule, eine halbe Stelle für das ganze Schulzentrum sei zu wenig.

An der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Salzhemmendorf leistet Sozialarbeiterin Irene Lehmann weitaus mehr, als sie mit ihrer halben Stelle bezahlt bekommt: „Sonst hätten wir weitaus mehr Brennpunkte“, glaubt Schulleiter Karl-Heinz Brand. Er fordert: „Wir brauchen mehr Profis in der Beratung. Ich erwarte, dass den Sonntagsreden, die jetzt gehalten werden, auch mal eine Ehrlichkeit folgt.“ Brand hatte seine Kollegen gestern zu einer Pausendienstbesprechung zusammengerufen. „Dabei haben wir gesagt, dass wir auf Emotionen reagieren, sie aber nicht schüren wollen.“ Der Leiter der mit 1700 Schülern größten allgemeinbildenden Schule des Kreises Hameln-Pyrmont berichtet von bestehenden Vorsichtsmaßnahmen. So werden Besucher an der Schule mit Ausweisen ausgestattet. „Fremde werden sofort von Lehrern oder dem Hausmeister angesprochen“, sagt Brandt – wohl wissend, dass dies keinen vollen Schutz vor Gewalttätern bietet.

„Wir fühlen uns alleingelassen“

Die Tragödie von Winnenden nimmt Brandt zum Anlass, erneut auf die verschlechterten Rahmenbedingungen hinzuweisen: „Wir fühlen uns alleingelassen, die Vorgaben werden immer schlechter.“ Es sei geplant, die Anrechnungsstunden der Beratungslehrer erneut zu kürzen: „Früher waren es mal fünf Stunden, jetzt sollen sie von drei auf zwei gestrichen werden.“

In der Handelslehranstalt in Hameln versucht ein „stets präsentes Beratungsteam aufkommende Probleme schon im Vorfeld aufzufangen“, sagt Schulleiter Rainer Manzau. Zudem werde mit Institutionen wie der Kirche ein Sozialtraining angeboten.

Zu einer stillen Verarbeitung hatte Bodenwerders Hauptschulleiterin Claudia Erler gestern ihre Schüler ins Forum geladen. „Wir haben ein Beileidsschreiben an die Schule in Winnenden aufgesetzt; die Schüler haben alle unterschrieben.“ Natürlich gebe es auch für die Haupt- und Realschule in Bodenwerder einen Notfallplan. Erler wie auch ihr Kollege von der Realschule, Karl-Heinz Hasemann, erwägen, mit dem örtlichen Präventionsrat zu besprechen, wie auf die jetzt angesprochenen Probleme und Ängste reagiert werden kann.



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