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Atomkraftgegner kämpfen mit Straßen- und Sitzblockaden gegen Brennelemente-Transport

Umweltaktivist kettet sich an Mox-Transporter

Grohnde (ube). Die beiden Sattelzüge, die plutoniumhaltige Mischoxid-Brennelemente aus dem britischen Sellafield geladen hatten, haben das Kernkraftwerk Grohnde trotz heftigen Widerstands von Atomkraftgegnern in der Nacht zu gestern erreicht: Der erste Speziallastwagen rollte am späten Sonntagabend um 23.44 Uhr durch Tor 1. Kurz zuvor war es einem schwarz gekleideten Umweltaktivisten gelungen, sich vor dem Kraftwerk auf die Straße zu legen. Er wurde von Bereitschaftspolizisten weggetragen. Der zweite Mox-Transporter ließ zunächst auf sich warten. Ein Demonstrant hatte einen kurzen Stopp des Konvois auf der alten B 83 dazu genutzt, unter den Auflieger zu kriechen und hat sich dann unter dem Fahrzeug festgekettet. Auf den letzten Metern war es den Atomkraftgegnern gelungen, den Mox-Transport aufzuhalten – wenn auch nur für 20 Minuten. Die AKW-Gegner feiern die „hammergeile“ Aktion (O-Ton Mox-Ticker).

veröffentlicht am 20.11.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 19.12.2016 um 17:33 Uhr

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Es seien Menschen auf der Transportstrecke gewesen, berichtet Hauptkommissarin Britta Breuers von der Polizeidirektion Oldenburg. Um niemanden zu gefährden, habe der Fahrer des zweiten Sattelzuges angehalten. Als der Atomtransporter zwischen Biogas-Anlage und Anti-Atom-Camp stand, wurde er sofort von zahlreichen behelmten Bereitschaftspolizisten umringt und komplett abgeschirmt. Kaum jemand konnte sehen, wie Polizeibeamte die Ketten des Aktivisten lösten. Am Montag um 0.04 Uhr fuhr auch der zweite Sattelzug auf das KKW-Gelände. 1400 Polizeibeamte waren an diesem mehrtägigen Einsatz zwischen Nordsee und Weserbergland beteiligt.

Die Atomkraftgegner hatten diesmal nichts unversucht gelassen, um den Mox-Transport nach Grohnde zu behindern. Nach Angaben der Regionalkonferenz „Grohnde abschalten“ waren mehrere Hundert Menschen und über 100 Trecker unterwegs. Zeitweise seien alle drei Zufahrtsstraßen zum AKW mit Trecker-, Sitz-, Tripod- und Fassblockaden versperrt gewesen, sagte Tobias Darge von der Regionalkonferenz. Auch die Kletter-Aktivistin Cécile Lecomte, die in der Szene als das „Eichhörnchen“ bekannt ist, war wieder in den Grohnder Bäumen aktiv. Auf der Reherstraße hatten sich Frauen aus Bayern und Hessen an ein 450 Kilogramm schweres Betonfass gekettet. Zudem sei die rückwärtige Zufahrt zum Kraftwerk (Ohsener Straße in Grohnde) mit Trecker-, Menschen- und fünf Meter hohen Tripod-Blockaden versperrt worden, hieß es. Auch die B 83 in Ohr und die Hauptstraße in Emmern waren am Sonntagabend mit Traktoren zugestellt worden. Polizisten räumten die meisten Blockaden, fuhren die Trecker weg.

Nach Angaben von Tobias Darge von der Regionalkonferenz ist während der Ankett-Aktion am Mox-Transporter „die drei- bis fünffach erhöhte Strahlung“ im Vergleich zur vorher gemessenen Hintergrundstrahlung mit bis zu 0,5 Mikrosievert gemessen worden. „Das ist sogar noch mehr, als wir erwartet haben und bestärkt uns in der Kritik gegen den Einsatz von Mox-Brennelementen“, sagt Darge.

Trecker- und Sitzblockade auf der Ohsener Straße in Grohnde: Die Polizei ist mit einem gepanzerten Fahrzeug angerückt. Fotos: ube

Das Umweltministerium in Hannover teilte gestern mit, die Grenzwerte seien „sicher eingehalten“ worden. „Die Messungen der Gamma- und der Neutronen-Dosisleistung wurden in Sellafield durchgeführt und vom Sachverständigen der TÜV-Nord EnSys GmbH zertifiziert“, sagte Sprecherin Inka Burow. Bei den Messungen sei an beiden Fahrzeugen die maximale Gesamt-Dosisleistung (Gamma und Neutronen) entsprechend eines vorgegebenen Messprotokolls bestimmt worden. Die maximale Gesamt-Dosisleistung der Lkw betrug an der Oberfläche 0,018 Millisievert pro Stunde (mSv/h, Grenzwert: 2 mSv/h) und 0,008 mSv/h in zwei Metern Abstand (Grenzwert: 0,1 mSv/h). Insofern seien die Messergebnisse der Atomkraftgegner „absolut plausibel“, sagt Inka Burow. „Sie bestätigen die Messungen des TÜV.“

Atomkraftgegner beklagten sich über „die ruppige Art“ mancher Polizisten. Daniel Baum von der Bürgerinitiative Uelzen sagte, Einsatzkräfte hätten die Teilnehmer einer spontanen Sitzblockade vor Ankunft des Mox-Transports „runtergetreten und runtergezogen“. Eine Frau habe ein blaues Auge davongetragen, man habe einen Rettungswagen rufen müssen. Darge teilte mit, Polizisten hätten Pfefferspray gegen angekettete Aktivisten eingesetzt. Hauptkommissarin Britta Breuers sagte auf Nachfrage: „Es wurde weder Pfefferspray versprüht, noch gab es unangemessene Härte gegen Demonstranten.“ Von Verletzten sei ihr nichts bekannt. „Einige Sachverhalte werden manchmal anders dargestellt, als sie in Wirklichkeit waren.“



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