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Bund will finanzielle Hilfen für Demenz-Kranke erhöhen – Reaktion vor Ort

„Trippelschritte“ zum großen Ziel

Hameln (bha). Wenn der 76-jährige Walter Drehn (Name von der Redaktion geändert) wieder einmal den Weg nicht nach Hause findet und durch die Straßen irrt, bedeutet das für die Angehörigen Stress pur. Drehn lebt mit seiner Frau zusammen und kommt alleine nicht mehr zurecht. Ähnlich wie ihm – einigen besser, anderen erheblich schlechter – geht es in Deutschland etwa 1,3 Millionen Menschen. Schätzungen zufolge werden es 2050 doppelt so viele sein. Bis dahin wird vielleicht eine große Pflegereform umgesetzt sein, wie sie Norbert Raabe von den Paritätischen Hameln-Pyrmont vorschwebt. Doch zunächst geht der Blick auf die aktuellen Errungenschaften: mehr Geld für pflegende Angehörige und für die Inanspruchnahme ambulanter Dienste.

veröffentlicht am 24.01.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 15:21 Uhr

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Als „viel zu kleine Trippelschritte auf dem Weg zur Pflegereform“ wertet Raabe die Pläne der Bundesregierung, die ab Januar 2013 Entlastung für Betroffene bringen sollen. „Es ist ein Anfang“, sagt Raabe, der jedoch kritisiert, dass für das Thema, das „ein Riesenproblem wird“, noch kein ausreichendes Bewusstsein geschaffen sei, weder in der normalen Bevölkerung noch in der Politik. So müsse sich beispielsweise Hameln zur demenzfreundlichen Stadt entwickeln. Andere Städte wie Gießen, Darmstadt oder Rendsburg gehen diesen Weg. „Aber Hameln ist nicht einmal behindertenfreundlich“, meint Raabe.

Rund 500 000 Demenzerkrankte werden zu Hause betreut – sie und ihre pflegenden Angehörigen sollen hauptsächlich von den Neuerungen profitieren (s. Kasten). Raabe rechnet vor, welchen Nutzen eine Erhöhung des Pflegesatzes in der Pflegestufe I um 215 Euro hat, wenn ambulante Dienste in Anspruch genommen werden: Je nachdem, was gemacht wird, „können Sie dafür sieben bis neun Stunden an zusätzlicher Pflege erhalten“.

Größtes Problem sei nach wie vor, dass der Pflege- und Betreuungsaufwand Demenzerkrankter unterschätzt wird. Die Pflegeversicherung sei von Beginn an von körperlichen Beeinträchtigungen eines Menschen ausgegangen – dabei ist der Pflegeaufwand für Demente enorm und muss überhaupt nichts mit körperlichen Gebrechen zu tun haben. Das fange damit an, erzählt Annelies Fischer, Leiterin der ambulanten Pflege des Paritätischen, dass der Erkrankte ins Bad geht, um sich für den Tag fertig zu machen – und dann völlig unverrichteter Dinge wieder herauskommt. Demente wüssten ab einem gewissen Stadium einfach nicht mehr, was zu tun ist und wie es zu tun ist, während sie zur Tätigkeit als solcher sehr wohl fähig sind. Das bedeutet: „Es braucht Anleitung und Beaufsichtigung“, dass die Betroffenen erledigen, was zu erledigen ist.

Dass die 100 Euro beziehungsweise 200 Euro (je nach Beurteilung durch den Medizinischen Dienst), die es als Betreuungsgeld als Basisleistung von den Krankenkassen gezahlt werden, „nicht viel ist“, weiß Nevin Savas, stellvertretende Pflegeleiterin im Seniorendomizil Riepenblick in Wangelist. Dass es bisher für einige Demenzkranke und ihre Angehörigen noch gar keine finanzielle Unterstützung gegeben hat, ist laut Savas „ein großes Problem“.

Andererseits, weiß Rainer Schmidt von der Beratungsstelle Demenzhilfe bei der Julius-Tönebön-Stiftung, würden die bereits abrufbaren Leistungen gar nicht in dem Maße in Anspruch genommen werden, wie sie zur Verfügung stehen. Vor allem vom Betreuungsgeld wüssten viele Betroffene nicht; ein Umstand, den auch Krankenkassen bestätigen. „Die Scham vor dem Verlust der eigenen geistigen Fähigkeit ist besonders groß“, beschreibt Schmidt die Sorgen. Viele Angehörige wollten sich keine ambulante Unterstützung ins Haus holen, weil sie „dann nicht wüssten, was mit ihrer Frau passiert“ oder dem Mann. Den Vorstoß der Bundesregierung für mehr Hilfe begrüßt Schmidt wie auch die Alzheimer Gesellschaft. „Ich werte das als einen Schritt“ in die richtige Richtung.



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