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Hameln-Pyrmonts Landrat fällt Gewaltverbrechen zum Opfer / Täter richtet sich selbst

Trauer um Rüdiger Butte

Hameln. Die Menschen im Weserbergland sind geschockt und fassungslos – sie trauern um Rüdiger Butte. Hameln-Pyrmonts Landrat ist gestern Vormittag einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen. Der 74 Jahre alte Rentner Hans B. aus Nienstedt bei Bad Münder hat ihn um 10.15 Uhr in seinem Büro in der zweiten Etage des Kreishauses an der Süntelstraße erschossen. Nach der Tat richtete sich der Mörder selbst.

veröffentlicht am 27.04.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 14:41 Uhr

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Autor:

VON ULRICH BEHMANN und Frank Henke
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Rüdiger Butte wurde nur 63 Jahre alt, hinterlässt eine Frau, zwei Kinder und fünf Enkel. Butte war seit 2005 Landrat von Hameln-Pyrmont. Zuvor war er vier Jahre lang Direktor des Landeskriminalamtes in Niedersachsen gewesen. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) zeigte sich über Buttes Tod tief betroffen: „Er war ein wunderbarer Mensch, immer freundlich, zugewandt und motivierend.“ Das Mitgefühl der ganzen Landesregierung gelte Buttes Frau und seiner Familie. Polizeipräsident Robert Kruse und der stellvertretende Landrat Carsten Vetter sagten, sie seien bestürzt und sehr traurig, hätten mit Rüdiger Butte einen Freund verloren.

Der Täter Hans B. hatte bereits vor zwei Tagen versucht, Rüdiger Butte telefonisch zu erreichen. Dem Rentner wurde mitgeteilt, dass der Landrat nicht im Kreishaus sei. Am Donnerstag rief er erneut an. Wieder erfuhr der 74-Jährige, der Landrat befinde sich nicht im Haus, wäre aber am Freitag in seinem Büro. Gestern meldete sich der Täter zwischen 8.15 Uhr und 8.30 Uhr erneut. Er sprach mit Buttes Sekretärin. Sie sagte ihm, der Landrat sei zurzeit im Gespräch. Die Vorzimmerdame informierte ihren Chef über den Anrufer. Kurz vor 10 Uhr tauchte der Täter persönlich im Vorzimmer des Landrats auf. Er wurde gebeten, im Wartebereich Platz zu nehmen, was er auch tat. Auf seinem Weg zu einem anderen Gesprächstermin ging Rüdiger Butte zu Hans B. und bot ihm an, in etwa einer halben Stunde mit ihm zu sprechen. Hans B. wartete. Als der Landrat nach zirka 30 Minuten von seinem Termin zurückkehrte, nahm er Hans B. mit in sein Büro. Unmittelbar danach soll es zu einem Kampf gekommen sein. Dann fielen Schüsse. Die Sekretärin flüchtete über den Flur in das Zimmer einer Kollegin und berichtete von den Schüssen. Die Kollegin, Pressesprecherin Sandra Lummitsch, alarmierte die Polizei. Da die Lage zunächst unklar war, umstellten Polizisten das Kreishaus, wurde ein Sonder-Einsatz-Kommando aus Hannover angefordert. Schnell war dann aber klar: Landrat Rüdiger Butte und Mörder Hans B. sind tot. Und es gibt keinen Komplizen, der sich noch im Gebäude aufhält.

Hans B., so heißt es, sei aufbrausend und cholerisch gewesen. Schon oft ist er mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Die Polizeiakte über ihn ist dick. Erstmals sei er 1966 wegen Körperverletzung, im Jahr 2009 wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz verurteilt worden, sagt der Leiter der Polizeiinspektion Hameln/Holzminden, Kriminaldirektor Ralf Leopold. Bereits 1988 war dem Mann nach einer Durchsuchungsaktion der Waffenschein entzogen worden. 2009 habe Hans B. einen Jagdschein haben wollen. Wieder fand bei ihm eine Hausdurchsuchung statt. Warum, ist noch unklar. Vermutlich gab es Hinweise auf illegale Schusswaffen. Seinerzeit ist die Polizei auch fündig geworden. Der Mann hat viel auf dem Kerbholz – er ist auch wegen Betruges, Untreue, häuslicher Gewalt, Körperverletzungen und Vortäuschens einer Straftat in Erscheinung getreten. Im Gefängnis habe er aber nicht gesessen, sagt Leopold.

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  • Gestern Abend im Hamelner Münster: der Gedenkgottesdienst. dpa

Gestern Abend kamen 500 Menschen zu einem Gedenkgottesdienst im Hamelner Münster zusammen, an dem auch Ministerpräsident Weil teilnahm. „Wir müssen die Stimme erheben“, sagte Superintendent Philipp Meyer, „wir dürfen der Gewalt nicht nachgeben.“

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Rüdiger Butte, wie die Hameln-Pyrmonter ihn kannten: Freundlich, bürgernah und offen. Er wurde gestern in seinem Büro erschossen.

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