weather-image
22°

Am 19. November wurde Attentäter von Turku in Rinteln registriert / Deppmeyer beklagt Fingerabdruckverbot

Terrorist auf Durchreise

RINTELN. Zehntausende Asylsuchende haben die Notunterkunft in der Prince Rupert School durchquert. Wie jetzt bekannt wurde, befand sich darunter auch ein späterer Terrorist. Noch ist nicht bekannt, ob sich der Marokkaner erst später radikalisierte, oder von Anfang an mit bösen Absichten nach Deutschland einreiste. Auf jeden Fall ermordete er am 18. August in der finnischen Stadt Turku zwei Frauen und verletzte acht weitere Menschen, bevor er verhaftet werden konnte.

veröffentlicht am 28.08.2017 um 20:12 Uhr

Kerzen und Blumen stehen in Turku auf dem Marktplatz. Bei der Messerattacke am 18. August waren zwei Frauen getötet und acht Menschen verletzt worden. Foto: dpa
DSC_8809

Autor

Jakob Gokl Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Die Behörden in Finnland gehen von einem terroristischen Motiv aus. Vor seinem Attentat in Finnland befand sich der Mann längere Zeit in Deutschland. Wie Recherchen ergaben, soll er am 3. November 2015 am Hauptbahnhof von Hannover erstmals in Niedersachsen behördlich registriert worden sein. Von dort wurde er in die Erstaufnahmeeinrichtung nach Bramsche gebracht.

Wegen Überfüllung wurde er in die Außenstelle Rinteln weitergeleitet. Dort kam er nach unseren Informationen am 19. November auch an. Ob und wie lange er im Anschluss tatsächlich in der Weserstadt lebte, wird derzeit ermittelt.

Möglicherweise befand er sich nur auf der Durchreise. Denn wie die Neue Osnabrücker Zeitung berichtet, soll die Stadt Dortmund bestätigt haben, der Marokkaner sei ab dem 19. November dort aufgetaucht. Also dem gleichen Tag, an dem er sich auch in Rinteln befunden haben soll.

Damals aktive Helfer der Notunterkunft in der Prince Rupert School berichten, viele Flüchtlinge seien sofort weitergereist. „Der Bus kam an und sie haben sich sofort auf die Suche nach dem nächsten Bahnhof gemacht.“ Viele Asylbewerber hätten lieber in die Großstädte gewollt. Außerdem hatten einige Freunde und Familie, die bereits in anderen Teilen des Landes weilten. Das LKA in Hannover wollte zu den Fragen gestern keine Auskunft geben, und verwies auf eine Pressemitteilung in den nächsten Tagen. Auch die hiesigen Polizeibehörden halten sich bedeckt. Rintelns Bürgermeister Thomas Priemer erfuhr erst aus der Presse von dem Vorgang.

Der Landtagsabgeordnete Otto Deppmeyer (CDU) verweist auf Anfrage darauf, dass zu jener Zeit Innenminister Boris Pistorius (SPD) ein Verbot erlassen habe, Fingerabdrücke zu nehmen. „Das hat die Verfolgung natürlich erheblich erschwert“, so Deppmeyer. Anfangs hätten die Landesbehörden direkt Fingerabdrücke eingesammelt. Der Landtagsabgeordneten Karsten Becker (SPD) widerspricht dieser Darstellung entschieden. Für die Registrierung und Abnahme der Fingerabdrücke sei ausschließlich der Bund zuständig gewesen. Die Landesbeamten hätten zwar theoretisch Fingerabdrücke nehmen, diese aber nicht dem Bund übermitteln können.

„Wir haben gefordert, endlich ein gemeinsames Register aufzubauen“, so Becker. Damit hätte eine technische Schnittstelle geschaffen werden sollen, damit Landes- und Bundesbeamte bei der Registrierung zusammenarbeiten könnten. „Zu behaupten, Pistorius habe verboten Fingerabdrücke abzunehmen, ist eine grobe Verkürzung.“

Das Land habe vom Bund ständig gefordert, seinen Verpflichtungen nachzukommen. „Und das Bundesamt für Migration ist direkt dem CDU-geführten Innenministerium unterstellt.“ Insofern seien die Schuldzuweisungen des CDU-Abgeordneten „entweder Unkenntnis oder dem Wahlkampf geschuldet.“

Deppmeyer sagt: „Man muss nur zurückdenken an die Zeit vor zwei Jahren. Wer damals versuchte, den Zuzug der Flüchtlinge einzudämmen und wer gar nicht genug bekommen konnte. Das war doch die SPD.“ Beispielsweise sei der SPD-Landrat Tjark Bartels in Hameln enttäuscht gewesen, dass die Aufnahmeeinrichtung in der Linsingen-Kaserne monatelang quasi leergestanden habe. Bis zum Verbot von Pistorius hätte die Landesbehörden Fingerabdrücke genommen. „Und sie hätten weiter genommen werden können, aber das wurde beendet.“

Wie nun ebenfalls bekannt wurde, reiste der spätere Attentäter von Turku mit verschiedenen Identitäten durch Deutschland und später auch nach Finnland ein. Zunächst wurde daher sein Alter auch in unserer Zeitung mit 18 Jahren angegeben. Nach neuen Erkenntnissen soll er allerdings bereits 22 Jahre alt gewesen sein. Er soll mit zumindest einem zweiten verdächtigen Mann zusammen nach Deutschland eingereist sein. Auch der befand sich offenbar kurzzeitig in der Notunterkunft in Rinteln.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?