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Kommando „Such!“ – wie Spürnasen aus Obernkirchen die Polizei unterstützen

Suchhunde im Einsatz: Im Ernstfall zählt jede Minute

OBERNKIRCHEN. Nicole Heitmann und ihre Hündin „Ella“ sind ein eingespieltes Team. Die 13 Monate alte Weimeraner-Hündin ist konzentriert und streckt ihre Nase in die Luft. „Ella“ ist kein gewöhnlicher Hund. Sie ist ein Mantrailer, ein spezieller Suchhund, der darauf trainiert ist, Menschen zu finden.

veröffentlicht am 16.08.2018 um 14:22 Uhr
aktualisiert am 24.08.2018 um 17:51 Uhr

Nicole Heitmann, Vorsitzende des Hundesportvereins an der Lieth, mit Mantrailer „Capone“. Seit Kurzem gehen die Mitglieder des Obernkirchener Vereins für die Polizei auf die Suche nach Vermissten. Foto: leo
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Leonhard Behmann Volontär zur Autorenseite
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Heitmann ist mit „Ella“ gerade in einem Waldstück des Harrl im Einsatz. „Die Hündin sucht mit ihrer guten Nase nach einer vermissten Seniorin. Nicole Heitmann, Vorsitzende des Obernkirchener Hundesportvereins an der Lieth, ist stolz auf ihre „Ella“. Erst seit zwei Monaten gehen die Mitglieder des Hundesportvereins für die Polizei auf die Suche nach Vermissten.

Heitmanns Lebensgefährte Marc Holtmann ist Hundetrainer. Er bildet Hunde zu Mantrailern aus. „Eigentlich kann jeder Hund ein Mantrailer werden“, erzählt der 43-Jährige. Seit gut zwei Jahren gibt es den Obernkirchener Verein. Seitdem bietet er Kurse und Trainingsstunden für Menschen an, die ihren Hund zum Suchhund ausbilden lassen wollen. „In erster Linie ist das Mantrailing eine Herausforderung für die Hunde. Heute werden sie viel zu wenig gefordert, wobei der Hund eigentlich ein Arbeitstier ist“, erklärt Holtmann. Deswegen biete man auch die Mantrailing-Kurse an.

Es ist toll, dass es diesen Verein und die Helfer gibt – sie sind uns eine große Hilfe.

Peter Hochheim, Polizeihauptkommissar

„Dem Tier macht das Spaß“, sagt der Obernkirchener, der für den Verein hauptberuflich als Trainer arbeitet. Zudem wirke das Mantrailing auf die Hunde therapeutisch, erklärt Nicole Heitmann. „Es gibt Hunde, die im Alltag Ängste habe – die blenden sie bei der Arbeit aber komplett aus“, sagt die 35-Jährige. Dreimal sind Heitmann und ihre Vereinsmitglieder in den letzten zwei Monaten bei Vermisstensuchen im Einsatz gewesen. „Alles hat angefangen, als wir gerade beim Training in Obernkirchen waren und uns Angehörige einer Vermissten ansprachen, ob wir nicht helfen können“, erinnert sich Heitmann. „Wir haben natürlich sofort geholfen – mit vier Mantrailern“, erzählt die Obernkirchnerin. So sei der Kontakt zur Polizei entstanden.

Suchhündin „Ella“ mit Nicole Heitmann im Einsatz im Harrl. Hormongeruch und Hautschuppen weisen ihr den Weg. Foto: leo
  • Suchhündin „Ella“ mit Nicole Heitmann im Einsatz im Harrl. Hormongeruch und Hautschuppen weisen ihr den Weg. Foto: leo

Als kürzlich bei der Suche nach einer vermissten Seniorin, die aus dem Krankenhaus in Vehlen verschwunden war, die Polizei bei Nicole Heitmann auf dem Handy anrief (wir berichteten), sagte sie sofort Hilfe zu. „Innerhalb von 20 Minuten waren wir mit drei Hunden einsatzbereit vor Ort“, erzählt Holtmann, der selber auch einen Mantrailer hat. In der Regel seien immer zwei bis drei Suchhunde verfügbar, wenn ein Notruf reinkomme. „Wenn wir mehr benötigen, können wir andere Vereinsmitglieder anrufen“, sagt Heitmann.

15 Besitzer von Mantrailern sind im Verein aktiv. Alle im Hundesportverein helfen dann ehrenamtlich. „Das funktioniert wie bei der freiwilligen Feuerwehr. Notfalls lassen wir auch am Arbeitsplatz alles stehen und liegen, um zu helfen“, sagt Holtmann. Für die beiden ist das selbstverständlich. „Schließlich wünscht man sich in der Not selbst auch jede nur erdenkliche Hilfe“, sagt Holtmann. „Einfach nur zuschauen – das ist nicht unser Ding“, fügt seine Lebensgefährtin hinzu.

Für Polizeihauptkommissar Peter Hochheim, der letzte Woche die Suche geleitet hat, ist die ehrenamtliche Obernkirchner Hundestaffel eine große Hilfe. „Es ist toll, dass es diesen Verein und die Helfer gibt – sie sind uns eine große Hilfe“, sagt der Kriminalbeamte. Die Polizei in Niedersachsen hat zwar eigene Mantrailer-Hunde. Die seien aber nicht einsatzbereit gewesen.

Information

Wie funktioniert Mantrailing?

Hündin „Ella“ muss bei ihrem Einsatz ganz unterschiedliche menschliche Gerüche voneinander unterscheiden können und sich trotz vieler anderer Gerüche ausschließlich auf die Merkmale der gesuchten Person konzentrieren. Hundeführerin Nicole Heitmann befestigt bei Sucheinsätzen eine lange orangefarbene Leine am Geschirr von „Ella“. Wenn das passiert ist, weiß die Weimaraner-Hündin, was sie tun soll. Damit „Ella“ weiß, wen sie suchen muss, gibt Heitmann ihr noch ein Kleidungsstück, an dem sie riechen kann, dann das Kommando „Such“. Die Leine strafft sich, und „Ella“ läuft los. Mit ihrer empfindlichen Nase riecht sie eine Million Mal besser als ein Mensch. Der Mensch hat fünf Millionen Riechzellen, der Dackel 125 Millionen und der Schäferhund 220 Millionen.

Ein Mensch verliert ständig Hautschuppen – in jeder Minute Tausende. Die Hautpartikel werden verwirbelt und verstreut, wenn der Mensch sich bewegt – „Ella“ kann diese mikroskopisch kleinen Teile riechen. Sogar Hormone kann die Hündin, die im Alter von zwölf Wochen zum Mantrailer ausgebildet wurde, problemlos wahrnehmen und der Spur folgen.leo

„Aber auch sonst ist es wichtig, dass es im Alarmfall schnell geht. Und das sind Frauen und Männer vom Hundesportverein mit ihren Suchhunden“, sagt Hochheim. Wenn in der Region Suchhunde benötigt werden, sind sie in der Regel schneller als Polizeihunde. „Welche Dienststelle hat diese tolle Möglichkeit schon“, hebt Hochheim die Besonderheit hervor. Die Polizei in Bückeburg will die Zusammenarbeit mit dem Verein aus Obernkirchen weiter ausbauen. Nicole Heitmann und Marc Holtmann freut das. „Wir helfen gern“, sagt Heitmann.

Mantrailer können nicht nur bei Spuren von Fußgängern eingesetzt werden. Selbst die relative Abgeschlossenheit eines fahrenden Autos verhindert nicht, dass die Personen verfolgbare Spuren hinterlassen. „Mantrailer können im Unterschied zu Fährtenhunden auch in Gebäuden und auf bebauten Flächen eingesetzt werden“, erklärt Nicole Heitmann. „Da die Nase – ähnlich wie beim Sehen – zwischen rechts und links differenzieren kann, können die Hunde räumlich riechen. Auf diese Weise ist der Hund fähig, der Richtung, die eine Spur hat, zu folgen“, erklärt die Obernkirchnerin, während sie mit ihrer Hündin nach der Seniorin im Harrl sucht. „Ella“ hat bereits Witterung aufgenommen und verfolgt die Spur der Gesuchten. Wie immer zählt in solchen Fällen jede Minute.



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