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Nächtliche Begegnung bei Völkerhausen / Experten prüfen Handy-Foto / Ministerium: Keine Gefahr

Streift der Wolf durch das Weserbergland?

Weserbergland (pj/fn/cb). Der erste Wolf scheint im Landkreis Hameln-Pyrmont angekommen zu sein. Es gibt ein Handyfoto, das vor einigen Tagen im Bereich des Hellbergs zwischen Börry und Hastenbeck, nahe Völkerhausen, von einer Hamelnerin aufgenommen wurde. Im Scheinwerferlicht des Autos „ist ein wolfsähnliches Tier zu sehen“, bestätigt Bärbel Pott-Dörfer, Wolfsexpertin beim niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, der Naturschutzabteilung des Umweltministeriums. Sie fügt an: „Es sieht nach einem Wolf aus, wir sind aber nicht hundertprozentig sicher, dass es sich um einen Wolf handelt.“

veröffentlicht am 17.08.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 21.12.2016 um 10:14 Uhr

Das Problem: „Um einen harten Nachweis zu führen, brauchen wir eine Spur – und die im geschnürten Trab.“ Eine andere Gangart sei nicht sicher, ein einzelner Abdruck der Pfote, ein Trittsiegel, wie es in der Fachsprache heißt, reiche nicht aus.

Britta Habbe, Mitarbeiterin der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, Institut für Wildtierforschung, bestätigt dies: „Es gibt einige Hinweise, aber noch keinen Nachweis. Wir brauchen Fakten, Erzählungen nützen uns nichts.“

Britta Habbe ist seit Februar auch Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft. Sie versucht, die Jäger in Niedersachsen an den Gedanken zu gewöhnen, dass der Wolf kommen wird. „Die Tiere sind unterwegs“, weiß auch Hameln-Pyrmonts Kreisjägermeister Jürgen Ziegler. Für ihn ist es „nur eine Frage der Zeit, wann die ersten im Weserbergland bestätigt werden“.

Vor allem, seitdem vor drei Jahren ein Wolf im Solling gesichtet und später im Reinhardswald tot aufgefunden wurde. Bereits im Februar 2008 gab es Hinweise auf die Rückkehr des Wolfs in den Solling. Der Nachweis gelang aber erst Ende September durch zwei Förster des niedersächsischen Forstamtes Neuhaus, darunter der Leiter des Wildparks Neuhaus, Robert Willeke.

Der Vorsitzende der Kreisjägerschaft, die Wolfsbeauftragte der Jägerschaft und die Expertin des Umweltministeriums hoffen, dass sich wie im Solling ein klarer Nachweis erbringen lässt, dass es sich tatsächlich um einen Wolf handelt, der am Hellberg fotografiert wurde. In anderen Fällen im Harz entpuppten sich vermeintliche Wölfe auf Fotos später als streunende Huskys oder Wolfshunde. Doch nach Auswertung des Fotos vom Hellberg sagt Bärbel Pott-Dörfer: „Es spricht mehr dafür als dagegen, dass es ein Wolf ist.“ So sei der typische Sattelfleck am Rücken andeutungsweise zu sehen. Die Gesichtszeichnung, die Maske, spreche ebenso für einen Wolf wie die hellen Flanken und die dunkle Körperoberseite. Was die Fachleute unsicher macht, sind die relativ kurzen Beine des Tiers im Schein des Autoscheinwerfers und dass das Tier kein typisches Sommerfell zeige.

Inzwischen wurde die Stelle am Hellberg, an der das Tier gesichtet wurde, genau untersucht. Britta Habbe: „Es wurden aber keine weiteren Hinweise gefunden.“ Eine Fotofalle wurde aufgebaut, um das Tier vielleicht mit einem weiteren Bild zweifelsfrei als Wolf zu identifizieren.

Bereits im vergangenen Jahr war von einem Wolf gesprochen worden, der sich im östlichen Landkreis Hameln-Pyrmont aufgehalten haben soll. Gerüchte kursierten, eine Bestätigung gab es schlussendlich aber nicht, erklärt Kreisjägermeister Jürgen Ziegler.

Die deutsche Fabelwelt sorgt bekanntermaßen für schlaflos machende Gutenachtgeschichten mit Gevatter Wolf in der Hauptrolle. Doch zwischen Märchen und Realität klaffen Welten. „Kein Grund zur Besorgnis“, sagt die Diplom-Biologin Bärbel Pott-Dörfer. „Die Jäger müssen mit dem Wolf rechnen, wenn sie im Wald unterwegs sind.“ Wenn sich am Hellberg ein Wolf „aufhält, ist dies aber kein Grund zur Besorgnis für Menschen in den umliegenden Orten und auch kein Grund, nicht mehr dort spazieren zu gehen, denn Wölfe weichen dem Menschen aus“.

Dass es sich bei dem Tier vom Hellberg um einen Flüchtling aus einem Gehege handeln könnte, ist unwahrscheinlich. „Ich habe alle mir bekannten Gehege abtelefoniert“, sagt Bärbel Pott-Dörfer.

Die Wolfs-Expertin des Landes und Britta Habbe bitten darum, eventuelle Beobachtungen zu melden, um mehr Informationen zu sammeln. Bärbel Pott-Dörfer ist unter Tel. 0170/9488161 und Britta Habbe unter 0511/8567791 zu erreichen.

Dieses Foto konnte eine Hamelnerin mit ihrem Handy mit Zoomfunktion nachts im Scheinwerferlicht ihres Autos von dem Tier schießen. Viel spricht dafür, dass es sich um einen Wolf handelt.



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