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e.on Kernkraft Grohnde wehrt sich gegen Behauptung der Bielefelder Ärztin und spricht von Rufmord

„Strahlenbelastung geringer als beim Fliegen“

Hameln-Pyrmont / Hannover (HW). Mit geharnischten Worten hat Dr. Petra Uhlmann, Sprecherin bei e.on Kernkraftwerk Hannover, auf die Empfehlung der Ärztin Dr. Angelika Claußen an Eltern mit kleinen Kindern reagiert, anlässlich des bevorstehenden Wechsels der Brennelemente im AKW Grohnde möglichst weit weg zu fahren. „Die Bevölkerung auf so offensichtlich ideologisch motivierte Weise derartig zu verunsichern, verurteilen wir aufs Schärfste“, erklärte Uhlmann. Wenn die stellvertretende Vorsitzende der deutschen Sektion der kernenergiekritischen IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer verantwortung) zum Vortrag lade, lasse das in der Regel nichts Gutes vermuten, so die Sprecherin weiter, die als „Rufmord“ bezeichnet, „dass die Psychiaterin den Familien rund um das Kernkraftwerk Grohnde allen Ernstes empfiehlt, sich während der Revision mindestens 100 Kilometer vom Kraftwerk zu entfernen“. Dass die Medizinerin aus Bielefeld Panikmache von sich weise, nennt Uhlmann „Sarkasmus“.

veröffentlicht am 28.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 11:41 Uhr

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Grundsätzlich sei festzustellen, dass Ableitungen radioaktiver Stoffe aus Kernkraftwerken gemäß den Bestimmungen der jeweiligen Genehmigung erfolgten. „Sie liegen in der Regel bei einigen Prozent der genehmigten Vorsorge-Grenzwerte“, betont Uhlmann. Auch die Autoren der aktuellsten Kinderkrebsstudie und Ex-Umweltminister Siegmar Gabriel (SPD) hätten seinerzeit festgestellt, dass die Strahlung, die im Normalbetrieb von Kernkraftwerken ausgeht, als Ursache für Kinderkrebserkrankungen nicht in Betracht käme. „Die jährliche natürliche Strahlenbelastung in Deutschland beträgt etwa 2,1 Millisievert. In der Nähe von Kernkraftwerken ist sie um das Tausend- bis Zehntausendfache niedriger“, sagt Uhlmann.

Zu dem Themenkomplex der kindlichen Leukämie in der Nähe von Kernkraftwerken seien in der Vergangenheit eine Reihe von Studien erarbeitet worden. „Fest steht, dass in keiner der Studien ein kausaler Zusammenhang zwischen kindlichen Leukämie-Fällen und dem Betrieb von Kernkraftwerken nachgewiesen wurde“, betont die Sprecherin und zitiert die Autorin der jüngsten Leukämie-Studie, Prof. Maria Blettner: „Nach allem, was wir aus der Strahlenbiologie wissen, können die Leukämien nicht durch Strahlenbelastung durch die Kernkraftwerke ausgelöst worden sein. Die Strahlung aus den kerntechnischen Anlagen ist um das 1000- bis 100 000-Fache geringer als die natürliche Strahlung, der wir alle ausgesetzt sind. Und sie ist viel kleiner als die Belastung durch Röntgen oder etwa beim Fliegen.“

Laut der e.on-Sprecherin bezögen sich zwei in den 90er-Jahren erstellte Studien nicht nur auf Standorte, an denen Kernkraftwerke in Betrieb seien, sondern auch auf solche, an denen Kernkraftwerke geplant, aber nie realisiert worden seien. „Die Ergebnisse zeigten, dass das Risiko, an kindlicher Leukämie zu erkranken, an den Planungsstandorten höher war als in den Kernkraftwerks-Standorten“, sagt Uhlmann. Für das Kernkraftwerk Grohnde lasse sich deshalb sagen, dass es zu keiner Zeit zu einer Häufung von Leukämie-Fällen in der Umgebung der Anlage gekommen sei. „Und das von Anbeginn an nicht“, betont die e.on-Sprecherin und teilt noch einmal gegen die Medizinerin aus Bielefeld und ihren in Hameln gehaltenen Vortrag zum Thema „Machen Atomkraftwerke Kinder krank?“ (wir berichteten) aus: „Es liegt nahe, dass es sich bei dem Vortrag von Frau Dr. Claußen um einen von vielen Versuchen handelt, mit aller Kraft einen Zusammenhang zwischen kindlicher Leukämie und Kernkraftwerken herzustellen. Wenn der IPPNW wirklich so viel daran gelegen ist, die Ursachen kindlicher Leukämie zu erforschen, empfehlen wir der Organisation dringend, eine systematische Untersuchung der Leukämiecluster in Deutschland nach gemeinsamen Risikofaktoren voranzubringen und sich nicht in abstrusen Behauptungen zu ergehen.“

Ableitungen radioaktiver Stoffe aus Kernkraftwerken – wie hier in Grohnde – erfolgen nach den Bestimmungen der jeweiligen Genehmigung, erklärt Dr. Petra Uhlmann und widerspricht damit der Bielefelder Ärztin Dr. Angelika Claußen.

Foto: Dana



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