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Holzmindener Firmenchef beklagt „dilettantisch gemanagte Energiewende“ / 50 Millionen Euro Umsatzminus

Stiebel Eltron streicht 120 Arbeitsplätze

Holzminden. Beim Holzmindener Heizgerätehersteller Stiebel Eltron laufen die Geschäfte schlechter. Rudolf Sonnemann, Vorsitzender der Geschäftsführung, sieht die Ursache für den Umsatzrückgang in der „dilettantisch gemanagten Energiewende“ seitens der Politik. Die im Familienbesitz befindliche Gruppe wird 120 weitere Arbeitsplätze streichen, davon 80 am Hauptsitz. Das Unternehmen habe schon im vorigen Jahr die Beschäftigtenzahl in Holzminden um rund 120 auf 1400 Mitarbeiter verringert – einerseits durch den Abbau von Leiharbeit, andererseits durch natürliche Fluktuation. Auch zwei Drittel der nun einzusparenden Stellen sollen sozialverträglich reduziert werden, etwa durch Vorruhestandsregelungen und Verzicht auf Neubesetzungen. Das verkündete die Firmenleitung gestern in Holzminden.

veröffentlicht am 03.03.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 04:21 Uhr

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Autor:

Frank Müntefering
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Die Mitarbeiter wurden am Nachmittag auf einer Betriebsversammlung unterrichtet. Grund für den Abbau von Arbeitsplätzen sei die dramatisch schlechte Umsatzentwicklung im Bereich der Erneuerbaren Energien in den vergangenen zwei Jahren, heißt es. Bis zu 50 Millionen Euro weniger Umsatz wurde gemacht. Seit der Entscheidung, aus der Atomenergie auszusteigen, habe sich die Energiewende zu einer Nullnummer entwickelt, sagt Sonnemann. Letztes Beispiel dafür sei die ausgebliebene Entscheidung der Großen Koalition in der vergangenen Woche, die steuerliche Abschreibung von energetischen Maßnahmen einzuführen. Zudem sorgten der hohe Strompreis und die geringeren Kosten bei Öl und Gas für Rückgänge beim Kauf von Wärmeerzeugern.

Stiebel Eltron, so führt Sonnemann aus, müsse seine Unternehmens- und Kostenstrukturen anpassen. Durch den Abbau von Arbeitsplätzen reagiere man auf ein verändertes Markt- und Wettbewerbsumfeld. Personalleiter Gerhard Starke berichtet, die Zahl der Leiharbeitskräfte sei seit vorigem Jahr von 150 auf 40 zurückgefahren worden sei. Man wolle nun einen freiwilligen Sozialplan aufstellen. Allerdings seien betriebsbedingte Kündigungen nicht zu vermeiden. Es könnte bis zu 40 Entlassungen geben. Sonnemann nennt diese eine sehr schwere Entscheidung. Stiebel Eltron sei mit seinen Mitarbeitern sehr verbunden, aber: „Wir sind derzeit nicht mehr auf dem Wachstumpfad und müssen dem Rechnung tragen.“ Dr. Kai Schiefelbein, Geschäftsführer Technik von Stiebel Eltron, erinnert daran, dass das Unternehmen in den vergangenen Jahren stark in den Standort Holzminden investiert habe, etwa mit der Wärmepumpenproduktion, der Blechfertigung, der neuen Speicherherstellung und dem Lager. „Die stark gestiegenen Strompreise und bei sinken Öl- und Gaspreisen sowie die fehlende steuerliche Abschreibung haben uns in die Suppe gespuckt“, begründete er den Umsatzrückgang. Er rechne damit, dass die Talsohle im kommenden Jahr durchschritten ist. Das Unternehmen sei „auf dem richtigen Weg und für die Zukunft gut aufgestellt“.

Sonnemann betont, dass man im Unternehmen alles auf den Prüfstand stelle und dass schlankere Strukturen notwendig seien. Die bisher an mehreren Standort in Deutschland aufgestellte Kundendienstdisposition soll zukünftig in Holzminden zentralisiert werden. Bei der Entlohnung der Mitarbeiter wolle man aber keine Einschränkungen machen. Man werde auch die neuen Tarife übernehmen, die soeben ausgehandelt worden sind. „Wenn Sie wissen wollen, ob wir unseren Mitarbeitern Opfer abverlangen? Ein klares Nein“, unterstreicht Schiefelbein.

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  • Verkündeten schlechte Nachrichten (v. li.): Stiebel-Eltron-Technikchef Kai Schiefelbein, Betriebsratsvorsitzender Jochen Löffelsend, Rudolf Sonnemann als Vorsitzender der Geschäftsführung und Personalleiter Gerhard Starke. fhm

Der Betriebsratsvorsitzende Jochen Löffelsend bestätigt, dass die Unternehmensführung bereits im vergangenen Jahr auf einer Mitarbeiterversammlung die Belegschaft über die wirtschaftliche Lage informiert habe. Der Betriebsrat hatte danach klare Fragen formuliert. Jetzt werde man gemeinsam besprechen, was zu tun ist – und in welcher Form.

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