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Was eine Spanisch-Klasse in Madrid und an drei Tagen der Verspätung alles erlebt hat

Statt im Flieger mit dem Bus nach Hause

Rinteln (mld). Blumen haben sie mitgebracht, kleine Geschenke oder Kissen in Herzform. Als die Türen aufgehen, recken sich die Hälse. Noch die letzten Sekunden des Wartens, in denen Eltern ihre Kinder und Kinder ihre Eltern suchen – und sich schließlich gegenseitig in die Arme nehmen können.

veröffentlicht am 19.04.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:41 Uhr

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Szenen, wie man sie sonst eher in der Ankunftshalle eines Flughafens erwartet – würden denn momentan Linienflüge erlaubt sein. Die Rückkehr einer Spanisch-Klasse des Rintelner Ernestinum-Gymnasiums von einem Besuch in Madrid war wegen des Vulkans Eyjafjallajökull und seiner Aschewolken abenteuerlich – und endete anstatt auf dem Flughafen in Paderborn auf einem Busparkplatz in Rinteln. Eigentlich sollten die Schüler nach vier Stunden Flug Freitagnacht ankommen – nun waren sie nach 30 Stunden im Bus endlich am Montagnachmittag da.

„Ich habe nur noch so wenig Kraft“, sagt Pilar Martos und hält Daumen und Zeigefinger in knapp zwei Zentimeter Abstand parallel übereinander. Die Lehrerin für Spanisch und Deutsch hat den Madrid-Besuch organisiert, doch zusammen mit ihrer Kollegin Petra Schuhmacher und ihrem Bruder Francisco Martos, der in Spanien lebt, hat sie in den letzten Tagen ganz andere Dinge organisieren müssen: die Schüler beruhigen und beschäftigen, mit der Fluggesellschaft Air Berlin telefonieren, die Eltern informieren, entscheiden, was als Nächstes gemacht wird oder gemacht werden kann.

Als sie ihren Schülern Freitag die schlechte Nachricht überbringt, dass wegen des Vulkanausbruchs fürs Erste die Flughäfen dichtgemacht würden, „gab es regelrechte Nervenzusammenbrüche“, erzählt Martos. Vor allem die Schülerinnen hätten die Nachricht, auf unbestimmte Zeit in Madrid festzusetzen, schlecht aufgenommen: Viele hätten angefangen zu weinen. „Die Jungs haben das ein bisschen lockerer weggesteckt“, sagt Martos und lächelt.

Den Freitag haben Klasse und Lehrer dann im Sportinternat verbracht, sogar Geschichte gelernt, wie die Lehrerin stolz erzählt, die meiste Zeit aber natürlich im Computerraum, E-Mails schreiben und Nachrichtenportale abrufen. Martos’ Bruder ist zum Flughafen gefahren und hat versucht, Informationen zu bekommen. Inzwischen gaben die Nachrichten Warnungen heraus, dass Touristen nicht zum Flughafen fahren sollten, um das Chaos nicht zu vergrößern. Entgegen aller Klischees über das gute Wetter in Südeuropa regnete es, so dass ein geplanter Stadtbesuch am Samstag ins Wasser fiel. Die Jugendlichen lenkten sich mit Sport ab, ansonsten telefonierten sie viel nach Deutschland, besuchten das benachbarte Einkaufszentrum – inklusive McDonald’s –, am Abend ging es mit den Spaniern, mit denen die Klasse zuvor die Woche verbracht hatte, doch noch in die Stadt.

Martos’ Bruder gelingt es schließlich, einen Reisebus allein für die deutsche Schulklasse aufzutreiben, inklusive zweier Busfahrer. Air Berlin habe ihnen geraten, den Bus zu nehmen, anstatt darauf zu hoffen, dass das Flugverbot aufgehoben werden könnte – „das könne bis Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag dauern“, erzählt Martos. „Außerdem standen Tausende Touristen auf der Warteliste.“

Antje Senne, deren Tochter Nina-Sophie in Madrid war, hat in den letzten Tagen nicht gut geschlafen: Beunruhigt und aufgeregt sei sie gewesen, „weil man sein Kind ja so schnell wie möglich wiederhaben will“. Die Schülerinnen Emine Kaptan, Lea Reichenberg, Alissa Wilkening und Danielle Vega werden die Zeit wohl in recht guter Erinnerung behalten: Zwar hätten sie anfangs viel geweint, aber der ständige Kontakt mit den Eltern übers Handy war ja da. Nur die Busfahrt quer durch Europa sei anstrengend gewesen. Für Schüler Jens Hensel ist klar, was er zuerst macht, wenn er zu Hause ist: „Duschen, essen, schlafen.“ Was kaum ein Schüler anders sehen dürfte.

Wiedersehensfreude im Weserbergland: Die Schüler kamen mit dem Bus aus Madrid.



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