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Baden im Fluss nicht verboten – aber auch nicht beliebt / Angler ärgern sich über Müll am Kiesteich

Sprung in die Weser wagen nur wenige

Hameln-Pyrmont (ch). Das Quecksilber hat die 30-Grad-Marke lange hinter sich gelassen, das kühlende Speiseeis schmilzt innerhalb kürzester Zeit, und rund um die Schwimmbäder lässt sich kein einziger Parkplatz mehr ergattern – spätestens seit dem Wochenende sind alle auf der Suche nach Abkühlung. Wenn die Bäder überfüllt sind, gibt es in Hameln theoretisch zwei Ausweichmöglichkeiten: Kiesteiche oder Weser. Praktisch gibt es bei beiden Schwierigkeiten.

veröffentlicht am 21.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 04:41 Uhr

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Die Weser fließt direkt durch die Stadt, ein großes Wasservergnügen vor Ort und nach Aussage der Stadt Hameln ist das Schwimmen hier auch erlaubt. Gebadet oder mit der Bademöglichkeit geworben wird jedoch kaum. Denn nicht verboten ist nicht gleich offiziell genehmigt. Die Weser in Hameln ist kein offizielles Badegewässer, als das „jeder Abschnitt eines Oberflächengewässers, bei dem die zuständige Behörde mit einer großen Zahl von Badenden rechnet und für den sie kein dauerhaftes Badeverbot erlassen hat oder nicht auf Dauer vom Baden abrät“, definiert wird.

„Die Wasserqualität zum Baden wird nicht überprüft“, heißt es vonseiten des niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz. Diese müsste das Gesundheitsamt im Landkreis beantragen. Doch solange nicht viele Bürgeranfragen kämen oder man feststelle, dass es viele Badende in der Weser gäbe, werde man nicht tätig werden, sagt Claus Hake vom Landkreis Hameln-Pyrmont. „Bevor es nicht als offizielles Badegewässer anerkannt ist, lassen wir das Wasser auch nicht überprüfen“, erklärt er. Theoretisch könnte sich bei den regelmäßigen Kontrollen dann herausstellen, dass das Wasser nicht zum Baden geeignet ist, und es würde offiziell verboten werden. Nur was offiziell anerkannt ist, kann auch offiziell verboten werden. Bislang stelle sich die Frage jedoch nicht, da aufgrund der Strömungen die Weser bei den Badenden nicht beliebt ist. Offiziell als Badegewässer anerkannt ist im Landkreis nur der Humboldtsee in Wallensen, im Landkreis Schaumburg der Doktorsee und der Helenensee.

Nicht zum Baden freigegeben, aber in jedem Jahr hoch frequentiert, sind die Kiesteiche in Tündern. Klares, kühles Wasser und schattige Liegeplätze verlocken bei der Hitze, doch die Seen befinden sich in Privatbesitz, die Konflikte zwischen Pächtern oder Besitzern und den nach Abkühlung lechzenden Bürgern sind in jedem Sommer Dauerthema. Vier der Teiche in Tündern hat der Hamelner Sportfischerverein gepachtet, der große Betrieb stört das Angeln, vor allem ärgern sie sich über den Müll, den sie selbst entsorgen müssen. „Bei so einem Wetter wie jetzt kann ich es sogar verstehen, dass die Leute sich abkühlen wollen“, sagt der Vorsitzende des Vereins, Jürgen Gemoll. Das Problem sei aber, dass die Mitglieder vor lauter Betrieb nicht angeln könnten und viele Besucher ihren Müll überall liegen lassen würden, den der Verein dann in Eigenleistung entsorgen muss. „Wir müssen es hinnehmen, weil es nicht anders zu lösen ist.“

Eine theoretische Lösung des Problems, die jedoch auch noch mit vielen Fragezeichen versehen ist, ist das Projekt „Tündernsee“, dessen Ziel es ist, auf und an einer zusammenhängenden Wasserfläche von 100 Hektar Freizeitmöglichkeiten aller Art anzubieten, mit Gelegenheiten zum Segeln, Rudern, Kanufahren, Tauchen und Schwimmen. Doch solange dort noch Kies abgebaut wird, bleibt die Seenlandschaft ein Zukunftsprojekt. „Noch sind wir mit den Planungen beschäftigt“, sagt Karl-Friedrich Meyer, Mitbegründer der Tündern See Verwaltungsgesellschaft mbH. Eine offizielle Genehmigung der Stadt für den Badebetrieb würde es erst dann geben, wenn der Kiesabbau abgeschlossen wäre, zudem müssten die nötige Infrastruktur wie sanitäre Anlagen geschaffen werden, auch eine Badeaufsicht müsste es geben. Und auch dann bliebe die Frage: Wer soll den Badebereich und -betrieb finanzieren?

Das Baden in der Weser ist in Hameln nicht verboten, obwohl sie kein offizielles Badegewässer ist. Doch nur wenige nutzen die Bademöglichkeit.

Foto: wfx



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