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Wie Forschungsabteilungen heimischer Unternehmen ihre Betriebsgeheimnisse sichern

Spione rauben Ideen, Trends und Nerven

Weserbergland(TT/cb/jl/as)

veröffentlicht am 05.05.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 23:21 Uhr

Trends müssen geheim bleiben: Produktmanagerin Karen Helwege von
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Ganz Deutschland schaut nach Göttingen, wo Wissenschaftler die Elite-Uni mit gefälschten Forschungsarbeiten in Verruf gebracht haben. Es ging um Millionen und um den guten Ruf. Um das große Geld geht es auch in den Forschungsabteilungen der Firmen landauf, landab. Deren größtes Problem sind allerdings nicht gefälschte Arbeiten, sondern Industriespionage und Produktpiraterie – zu interessant sind mögliche Trends, zu wichtig grundlegende Erkenntnisse. In der Wirtschaft beschäftigen sich Manager und ihre Entwickler immer häufiger mit dem Problem des Ausspähens. Davon betroffen sind weltweit agierende Konzerne ebenso wie die Unternehmen vor Ort.

Grundsätzlich ist man nie zu 100 Prozent sicher

Bei dem Hessisch Oldendorfer Unternehmen Marc

Shoes geht es in erster Linie um Fragen des Designs – immer mit dem Blick auf mögliche Gefahren durch Produktpiraten. Der Gesamtverantwortliche für die Produktion, Hans Kreuch, erklärt auf Anfrage: „Grundsätzlich ist man nie zu 100 Prozent sicher. Es gibt in unserer Branche Ideen-Diebstahl, wir selbst sind bislang noch nicht ausgespäht worden. Marc Shoes war aber schon Opfer von Plagiat-Herstellern.“ In erster Linie achten die Verantwortlichen des Schuhherstellers darauf, dass alle Geschäftspartner vertrauenswürdig, seriös und zuverlässig sind. Dabei müsse man sehr vorsichtig vorgehen, schließlich sei man weltweit aktiv. Trend-Scouts sammeln mit einem Vorlauf von etwa einem Jahr in Städten wie Amsterdam, London, Barcelona oder Berlin Trends, die später in Produktlinien einfließen sollen. Die Produktion von Prototypen und Mustern erfolge in China, Indien und Indonesien – wichtig sei dabei, „dass die Partner ihre Entwicklungsstudios immer und für jeden geschlossen halten“, sagt Kreuch. Nur so ließe sich verhindern, dass sich Ideen aus der eigenen Designschmiede bei Mitbewerbern oder auf den Basaren der Plagiathersteller wiederfänden.

Mit weltweit 5219 Mitarbeitern in 35 Ländern ist die in Holzminden beheimatete Symrise AG ein Schwergewicht. Im Bereich Forschung und Entwicklung sind auf allen Kontinenten 160 Mitarbeiter für den börsennotierten Anbieter von Duft- und Geschmackstoffen sowie kosmetischen Grund- und Wirkstoffen im Einsatz. Jährlich, erklärt Gerhard Krammer, Leiter Entwicklung und Aromen in Holzminden, melde Symrise mehr als 40 Patente an. Holzminden, so Krammer, sei die Drehscheibe für Innovationen, das Zentrum, in dem alle Fäden zusammenliefen. Seit vielen Jahren arbeite Symrise in der Forschung weltweit mit namhaften Universitäten zusammen, in Deutschland beispielsweise mit Hannover und München. „Mit gutem Erfolg“, wie Krammer betont. Industriespionage sei natürlich auch für Symrise ein wichtiges Thema. Das Unternehmen schütze sich unter anderem mit Geheimhaltungsvereinbarungen und nutze geschlossene Systeme.

Gute Ideen schnell zum Patent anmelden

Die Groß Berkeler Lenze AG geht auf Nummer sicher, indem sie schützenswerte Ideen schnell zum Patent anmeldet. Wie der Leiter der Innovationsabteilung, Edwin Kiel, betont, „sind unsere Produkte bislang wenig von Produktpiraterie betroffen“. Das liege vermutlich unter anderem an der Software, „die nicht so einfach zu kopieren und vor allem nur durch die Unterstützung unserer Vertriebsingenieure mit Vorteil zu nutzen“ sei. Als innovations- und technologieorientiertes Unternehmen sei Lenze auf Forschung und Entwicklung angewiesen. Dabei bezeichnet es Lenze als einen Vorteil, „dass man auf ein umfassendes Netzwerk in der Hochschul- und Forschungslandschaft zurückgreifen kann“. Lenze kooperiert mit den Hochschulen in Hannover, Braunschweig, Bremen und Paderborn.

Forschungsergebnisse zum Teil veröffentlicht

Bei der hameln group ist Industriespionage „nur bedingt ein Thema“, wie Susanne Bönig auf Anfrage erklärt. Die Dokumentationen über die Forschungsarbeiten werden bei dem Hamelner Pharmaunternehmen verschlossen in einem Archiv aufbewahrt. Mit Mitarbeitern und Kunden werden Geheimhaltungsvereinbarungen geschlossen. Die Zahl der Mitarbeiter in der Abteilung Forschung und Entwicklung der hameln rds gmbh liegt bei 88 Mitarbeitern, davon 79 im slowakischen Modra. Bei generischen Präparaten denkt und forscht das Unternehmen drei bis fünf Jahre im Voraus, bei Originalpräparaten sind es sogar zehn Jahre. Die Ergebnisse werden in Fachzeitschriften publiziert, Einzelheiten bleiben allerdings geistiges Eigentum der Firma.

„Um unser Unternehmen vor Gefahren von außen zu schützen, haben wir im Außenbereich Videoanlagen installiert. Und am Wochenende ist ein Sicherheitsdienst präsent“, sagt der für den Werkschutz bei „Phoenix Contact Elektronics“ in Bad Pyrmont zuständige „Facility Manager“ Frank Schröder. Was die interne Sicherheit betrifft, so betont Schröder das „partnerschaftliche Miteinander“ der Beschäftigten im Unternehmen. Mitarbeiter zu beobachten, passe nicht in diese „gute Unternehmenskultur“. Der Betriebstechnik-Leiter schätzt die Produktpiraterie nach Messeauftritten als viel realeres Risiko ein.



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