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Schäferhund im Einsatz auf dem Campingplatz Elbrinxen / Einziger Spezialhund in Deutschland

Spezialhund Artus sucht nach Datenträgern

ELBRINXEN. Artus (8) ist Deutschlands einziger Diensthund, der ausschließlich auf das Finden von Datenträgern ausgebildet wurde. CDs, Handys, Speicherkarten oder auch noch so gut versteckte USB-Sticks. Für die Suche auf dem Campingplatz „Eichwald“ bei Lügde wurde Artus eingesetzt. Die Dewezet erklärt, wie er arbeitet und was er kann.

veröffentlicht am 28.02.2019 um 18:15 Uhr
aktualisiert am 28.02.2019 um 19:02 Uhr

Artus nach seinem ersten Einsatz am Donnerstag. Sein Blick weicht nicht von seinem Hundeführer. Foto: fn
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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Nachdem Jörg Siebert die Hundebox geöffnet hat, springt Artus mit einem großen Satz aus dem VW Caddy. Stundenlang hat der belgische Schäferhund auf dem Campingplatzgelände in Elbrinxen hinter Gitterstäben auf seinen Einsatz warten müssen.

Gitterstäbe kennt Artus. Der neun Jahre alte Rüde ist Diensthund bei der Justiz in Sachsen. Und er ist Spezialist: Deutschlands einziger Diensthund, der ausschließlich auf das Finden von Datenträgern ausgebildet wurde. CDs, Handys, Speicherkarten oder auch noch so gut versteckte USB-Sticks. Artus erschnüffelt die Teile. Nicht nur in Zellen. Er wird auch von der Polizei angefordert.

Die Ausbildung zum bundesweit ersten Datenträgerspürhund konnte der Hund im März 2013 erfolgreich absolvieren. Man habe damals einen großen Bedarf bei der Suche nach Mobilfunkgeräten und SIM-Karten von Inhaftierten gesehen. Doch nach was schnüffelt Artus eigentlich? Kunststoffe? Metalle? Oder gleich beides?

Beamte einer Hundertschaft bei der Suche. Foto: fn

Artus sei darauf trainiert, Lithium und andere seltene Erden zu erschnüffeln, so Hundeführer Jörg Siebert. Ebenfalls chemische Verbindungen, die verbaut wurden. „Für den Hund sind es immer noch Gerüche, die wir Menschen nicht wahrnehmen. Wissenschaftlich kann ich das nicht erklären. Aber durch seine Atmung kann der Hund mehr Gerüche aufnehmen, auch intensiver“, sagt der Sachse.

Jetzt soll Artus in der Behausung des Missbrauchs-Verdächtigen Andreas V. nach möglichen Datenträgern suchen. Bevor der Rüde hinter den meterhohen grünen Sichtschutzwänden verschwindet und seiner Arbeit nachgeht, hebt Artus an einem Baum schnell noch sein Bein. Sicher ist sicher, denn bis zu eine halbe Stunde wird er im Holzkabuff beschäftigt sein. Spätestens dann muss der Hund eine Pause einlegen, so Siebert. Durch schnelles und kräftiges Hecheln zieht die Hunde-Supernase die Gerüche ein. Beim Suchen erhöhe sich die Körpertemperatur des Tieres um ein bis zwei Grad Celsius. „Der Hund sucht permanent mit einem leichten Fieber. Das ist Stress – positiver Stress – und deshalb braucht der Rüde die Pausen“, meint der Justizbeamte.

Bevor der Hundeführer seinen Artus in den Einsatz führt, checkt der Justizbeamte Such- oder Tatorte, ob sie gefährlich für seinen Hund sein könnten. Für Artus hat der Sachse zwei Paar Schuhe angeschafft – Paarpreis 150 Euro. In Elbrinxen muss er seinem Hund aber keine Schuhe überstreifen.

Was hinter dem Sichtschutz vor sich geht, weiß nur Siebert. „Wir haben ihn zwar so trainiert, dass ihn nichts stört, auch keine Kameras. Es sollten aber keine weiteren Personen bei der Suche dabei sein, auch keine Tiere, damit die größten Ablenkungen ausgeschlossen sind“, meint der Beamte.

Dossier: Alle Infos zum Missbrauchsfall in Lügde

Am Mittwoch war der Diensthund sechsmal im Chaos der Hütte im Sucheinsatz. Eigentlich zu oft, den jeder Einsatz sei für den Hund Schwerstarbeit. Mehr als drei bis vier Einsätze könne er daher nicht leisten, so Siebert. Aber Artus war erfolgreich, wie sich herausstellte. Wie berichtet, erschnüffelte der Rüde einen USB-Stick. Möglicherweise ein Beweisstück. Kripobeamte müssen das Speichermedium noch auswerten.

„Es sieht sehr spektakulär aus, wenn er etwas gefunden hat“, erklärt der Hundeführer. Artus friert dann förmlich ein und hält seine Schnauze vor den Fundort. Während andere Suchhunde bellen, bleibt der Spezialist in Sachen Datenträgern regungslos stehen. „Man hat das Gefühl, als wenn er nicht mehr atmet“, beschreibt der Justizbeamte die Szenerie.

Wenn dann noch die Ohren des belgischen Schäferhunds nach vorne zeigen, kommt ein Kommando. Artus darf sein Spielzeug abholen – einen Ball als Belohnung. „Das ist für ihn höherwertiger als ein gebratenes Hähnchen. Das würde er stehenlassen“, ist sich Siebert sicher. Nach einem „Fein gemacht“ zieht er sich mit dem Rüden zurück und legt ihm draußen ein Handy oder einen Stick hin. „Was die Kripo drinnen aus dem Fund macht, ist deren Sache“, erzählt der Hundeführer.

Auch am Donnerstag hat der Hund etwas zwischen dem Gerümpel gefunden. Nach 20 Minuten Suche stolzierte Artus mit einem Ball im Fang aus der Behausung. Ob es ein Beweisstück war oder „nur“ eine Belohnung vom Hundeführer, wollte die Polizei nicht kommentieren. Diensthunde können in der Regel sechs bis sieben Jahre eingesetzt werden. Für Artus bedeutet das, dass er sich wohl bald zur Ruhe setzen wird. Eine Nachfolge sei noch nicht geklärt, heißt es.



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