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Wenn Handyempfang weg ist, können Notrufsäulen Leben retten

SOS an der A 2

WESERBERGLAND. Auch im Handy-Zeitalter können die Notrufsäulen an der Autobahn Leben retten. Zum Beispiel, wenn man sich im Funkloch befindet und einen Unfall melden muss.

veröffentlicht am 11.06.2019 um 18:22 Uhr
aktualisiert am 11.06.2019 um 21:00 Uhr

Zahlreiche Notrufsäulen wie diese am Parkplatz Löwengrund in Porta Westfalica, gibt es entlang der Autobahn 2. Foto: Thomas Lieske

Autor:

Kerstin Lange und Thomas Lieske
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Ein heftiger Windzug erfasst den Mann in gelber Weste am Straßenrand. Er steht nur knapp zwei Meter von der rechten Fahrspur der Autobahn 2 am Parkplatz Löwengrund bei Porta Westfalica – ein Lkw rast mit über 90 Stundenkilometern direkt an ihm vorbei. Mit beiden Händen klammert er sich an die orangefarbene Säule und versucht, einen Notruf abzusetzen. SOS steht in großen Lettern auf dem Gerät. Es ist eine von rund 40 Notrufsäulen, die im Auetal und auf Portaer Gebiet an der A2 stehen. Wer einen Unfall, eine Panne oder einen anderen Notfall hat, aber gerade kein Handy griffbereit oder ohne Empfang ist, der kann sich über die Notrufsäule bemerkbar machen und Hilfe rufen.

So wie der Mann, der dringend medizinische Hilfe für seine Frau auf dem Beifahrersitz benötigt. Sein Handy hat keinen Empfang – ausgerechnet jetzt ein totales Funkloch am Rastplatz. Er ist froh, dass genau dort eine Notrufsäule steht. Und die ist einfach zu bedienen: Klappe zur Seite schieben und auf den Gesprächspartner warten.

Wer an der A2 im Auetal – oder irgendwo anders in Deutschland an der Autobahn – eine Notrufsäule nutzt, landet in der Notrufzentrale des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft – kurz: GDV – in Hamburg, erklärt Sprecherin Birgit Luge-Erhardt. „Über die Notrufsäule können Pannen oder Unfälle gemeldet werden“, sagt die Sprecherin. Aber auch für medizinische Notfälle, Falschfahrer oder Böschungsbrände sind sie gedacht. „Grundsätzlich gilt: Wenn Hilfe auf der Autobahn benötigt wird, nutzen Sie die Notrufsäule“, betont Luge-Erhardt.

So geht es auch dem Mann am Rastplatz. Er hat die Klappe zur Seite geschoben. Innerhalb weniger Sekunden meldet sich die Zentrale aus Hamburg. Dort sitzen erfahrene Notrufagenten, die die Lage erst einmal sondieren müssen.

„Handelt es sich um einen Notfall, zum Beispiel einen Unfall, stellen die Agenten sofort eine Konferenzschaltung zwischen dem Verkehrsteilnehmer, unserer Notrufzentrale und der zuständigen Polizei- oder Rettungsleitstelle her, sodass notwendige Maßnahmen schnell eingeleitet werden können“, erklärt die Sprecherin. So vergeht im Normalfall nicht viel mehr Zeit als bei einem direkten Anruf bei der 112 oder 110.

Das Netz der Notrufsäulen entlang der Autobahn ist dicht: „Etwa alle zwei Kilometer steht eine solche Säule“, sagt Luge-Erhardt. Allerdings: An der A2 im Bereich Porta Westfalica stehen deutlich mehr Säulen als an anderen Abschnitten: allein zehn in jede Fahrtrichtung auf rund 13 Kilometern Länge. Ob das Zufall ist oder etwas mit Unfall- und Pannenhäufungspunkten zu tun hat, dazu könne die GDV allerdings keine Aussage treffen.

Wie viele Notrufe genau über die Säulen auf den einzelnen Gebieten im vergangenen Jahr eingegangen sind, das werde nicht gesondert erfasst. Allerdings: Von der gesamten A 2 gingen 2018 rund 2680 Notrufe ein – zu Missbrauch der Einrichtungen komme es aber kaum. Die Zahl sei generell eher abnehmend, „weil immer mehr Leute ein Handy dabei haben“.

Dennoch erwiesen sich die Säulen laut der Sprecherin immer wieder als wertvolle Helfer in Notlagen. Denn gerade im Bereich Auetal ist das Handynetz noch immer sehr schlecht und an vielen Stellen fehlt die Verbindung oder ist extrem schlecht – im Notfall also lebensbedrohlich.

Und einen weiteren entscheidenden Vorteil haben die Notrufgeräte gegenüber Smartphones: „Wir können bei Nutzung der Notrufsäule den genauen Standort an den Pannenhelfer oder die Rettungskräfte weitergeben“, heißt es.

Dieser Vorteil kommt auch dem Mann am Parkplatz Löwengrund zugute. Er spricht kaum Deutsch, kann nur schwer verständlich seinen Standort durchgeben. Für die Retter ist das kein Problem. Den genauen Standort des Notfallortes haben sie – und das sogar zentimetergenau. Dank des Helfers in Orange.



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