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Kontroverse Diskussion über ein Anheben der Altersgrenze / Brandschützer lehnen Vorstoß ab

Sollen Feuerwehrleute noch länger Dienst tun?

Hameln-Pyrmont (tis). Derzeit wird das Niedersächsische Brandschutzgesetz aus dem Jahr 1978 überarbeitet und den neuen Erfordernissen angepasst. Darin enthalten ist noch eine Altersgrenze bis 62 Jahre für die Teilnahme am aktiven Dienst. Im Rahmen der Anhörung hat sich der Niedersächsische Landkreistag dafür ausgesprochen, diese Altersgrenze anzuheben. Die Feuerwehren in Niedersachsen und auch im Landkreis Hameln-Pyrmont lehnen dies aber ab.

veröffentlicht am 30.04.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 10:21 Uhr

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Der Gesetzentwurf zum neuen Niedersächsischen Brandschutzgesetz trage laut des Geschäftsführers des Niedersächsischen Landkreistages (NLT), Dr. Hubert Meyer, dem demografischen Wandel in Niedersachsen durch einige begrüßenswerte Maßnahmen Rechnung. Seiner Meinung nach sollte der Entwurf, wenn es um die Altersgrenze für ehrenamtliche Feuerwehrleute geht, aber noch etwas mutiger werden. „Die Altersgrenze von 62 Jahren für ehrenamtliche Feuerwehrleute ist nicht mehr zeitgemäß. Wir sprechen uns vor dem Hintergrund des breiten Erfahrungsschatzes der älteren Kameraden und der immer fitter werdenden Generation ‚60plus‘ für eine Anhebung aus“, erklärte NLT-Geschäftsführer Meyer. Das sehen die Feuerwehren allerdings kritisch. Der Landesfeuerwehrverband Niedersachsen hat sich mehrheitlich dafür ausgesprochen, dass die derzeitige Altersgrenze mit 62 Jahren für den ehrenamtlichen Einsatzdienst in den Feuerwehren beibehalten wird. „In diesem Zusammenhang sei nochmals darauf hingewiesen, dass eine mögliche Anhebung der Altersgrenze weder die Leistungsfähigkeit noch die Einsatzbereitschaft einer freiwilligen Feuerwehr zukünftig langfristig sichern kann. Ferner nimmt gerade im Altersbereich über 50 die Tauglichkeit etwa im für die Feuerwehren wichtigen Bereich des Atemschutzes deutlich ab“, erklärt der Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbandes, Michael Sander.

Hameln-Pyrmonts Kreisbrandmeister Frank Wöbbecke hätte zwar keine Probleme mit einer leichten Anhebung der Altersgrenze. „Aber auf jeden Fall muss eine Altersgrenze landeseinheitlich festgelegt werden. Es kann nicht sein, dass, wie es auch angedacht wird, jede Gemeinde für sich über eine Altersgrenze entscheidet. Das würde zu erheblichen Problemen führen“, erklärt Wöbbecke. Da der Vorschlag zur Anhebung der Altersgrenze ja von den kommunalen Spitzenverbänden gekommen sei, wäre eine Erhöhung der Altersgrenze um ein, zwei Jahre ein Kompromiss zwischen den Kommunen und der Feuerwehr, mit dem er leben könne. Allerdings hält der Kreisbrandmeister gar nichts davon, eine Altersgrenze auch über das 65. Lebensjahr zu verlängern. Zudem sieht er mit der Verschiebung der Altersgrenze keine Lösung für den Rückgang bei den aktiven Brandschützern. „Man muss ganz einfach sehen, dass gar nicht so viele Feuerwehrkameraden mehr über 60 Jahre aktiv sind. Wir müssen uns vielmehr um neue Mitglieder von unten kümmern. Jugend- und vor allem Kinderfeuerwehren sind da wichtige Faktoren“, bemerkt der Kreisbrandmeister.

Bad Pyrmonts Stadtbrandmeister Jürgen Bitterling spricht von einer Verlagerung in die falsche Richtung: „Wir brauchen mehr jüngere Aktive, die überall einsetzbar und motiviert sind. Das können die älteren Kameraden teilweise schon körperlich gar nicht mehr leisten.“ Außerdem sei festzustellen, dass Brandschützer meist mit Mitte 50 aus dem aktiven Dienst ausschieden. Auch Hessisch Oldendorfs Stadtbrandmeister Jürgen Hilpert sieht das Ganze kritisch, weil die Probleme nur um einige Jahre nach hinten geschoben würden. „Ich begrüße vielmehr, dass die Jugend- und besonders die Kinderwehren als wichtiger Faktor für die Nachwuchsarbeit besondere Erwähnung im neuen Gesetz finden sollen“, so Jürgen Hilpert. Insbesondere durch die Kinderfeuerwehren sei es jetzt ja möglich, Jungen und Mädchen frühzeitig an die Feuerwehren zu binden, das sie sich meist im Alter von acht Jahren orientieren würden, welchem Hobby sie als Schwerpunkt nachgehen wollen. Und in den Jugendwehren ist ja eine Mitgliedschaft erst ab zehn Jahre möglich.

„Die älteren Aktiven waren meist schon über viele Jahre im Ehrenamt aktiv. Warum sollen wir sie immer noch weiter fordern, das macht keinen Sinn“, bemerkt Carsten Koch, Stadtbrandmeister in Bad Münder. Denn nur allein Erfahrung helfe im teilweise sehr anstrengenden Einsatzdienst meist auch nicht weiter.



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