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Hitze, Starkregen und milde Winter

Soja und Sonnenblumen? Klimawandel auf den Feldern

HAMELN-PYRMONT. Steigende Temperaturen, heftige Regenfälle, Dürren, milde Winter: Der Klimawandel ist keine abstrakte Bedrohung in der Zukunft. Auf den Feldern der heimischen Landwirte ist er längst angekommen – im Bösen wie im Guten.

veröffentlicht am 05.04.2019 um 13:04 Uhr
aktualisiert am 05.04.2019 um 19:10 Uhr

Staubtrocken: Ernte bei Hilligsfeld im Dürrejahr 2018. Foto: Dana
Frank Henke

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Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite
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Die Veränderung sei längst da: „Natürlich spüren auch wir den Anstieg der Jahresmitteltemperatur, die Winter sind milder geworden“, sagt Kreislandwirt Karl-Friedrich Meyer. Hinzu kommt Starkregen. Die Auswirkungen sind komplex, Gewinner und Verlierer nicht immer so leicht auszumachen.

„Zuckerrüben und Mais profitieren von warmen und trockenen Sommern und auch das Getreide ist qualitativ hochwertig“, sagt Meyer. Vorausgesetzt, der Boden ist tief genug. Auf flachgründigen Äckern oder in Hanglagen sorgt Hitze schnell für Trockenheit und Ernteausfall.

Hinzu kommen immer wieder heftige Regenfälle. 220 Millimeter fielen zum Beispiel allein im Juli 2017. Das mache dann gerade Sommerfrüchten zu schaffen, sagt Junglandwirtin Helena Wüllner – und so dann auch dem Hitzegewinner Zuckerrübe. Das Saatbett für die Rübe müsse eigentlich „sehr fein krümelig“ sein, erklärt sie. „Wenn dann aber einige Tage nach der Saat ein heftiger Regenschauer folgt, verschlämmt das Land und nach dem Abtrocknen der Oberfläche bildet sich eine Erdkruste.“ Die keimende Pflanze schaffe es dann nicht ans Sonnenlicht. Die Folge: eine teure neue Aussaat für 350 bis 400 Euro pro Hektar.

In den vergangenen Jahren erlebte Deutschland diese angedeuteten Extremwetterlagen hintereinander: ein sehr nasses Jahr 2017 mit langen Regenperioden, dann 2018 das trockenste seit 100 Jahren. Landwirt Jörg Pape aus Aerzen-Egge vergleicht: Im regenreichen 2017, wurde die Ernte schwierig, die Trocknungskosten des Ernteguts stiegen in die Höhe, die Qualität des Getreides sank. Folgen des feuchten Bodens: „Höherer Maschinenverschleiß, höhere Reparaturkosten, mehr Zeitaufwand, höherer Spritverbrauch“, umreißt Pape.

Im trockenen vergangenen Jahr hingegen litten dann die Geräte im harten, trockenen Boden. Auf Feldern in schlechterer Lage vertrockneten Rüben und Mais, Getreide blieb niedrig, auf den Weiden verdörrte das Gras, die Preise für Silage, Heu und Stroh kletterten in die Höhe, mussten aber dennoch zugekauft werden.

Es ist unsere Kunst, uns darauf einzustellen, so wie unsere Vorfahren es auch gemacht haben.

Karl-Friedrich Meyer, Kreislandwirt Hameln-Pyrmont

„Wir müssen uns auf weitere trockene Sommer einstellen und auf besondere Niederschlagereignisse“, ist Kreislandwirt Meyer sicher. „Vor allem die Frühjahrstrockenheit macht uns zunehmend Probleme.“ Dünger wird so nicht oder verspätet aufgenommen.

Und auch die milderen Winter – Meyer: „Der letzte starke Winter war 2010“ – sind kein Segen für die Bauern: „Länger anhaltende Frost- und Schneeperioden sind für unsere Böden sehr wichtig, um eine gute Frostgare zu erreichen und die Wasservorräte des Bodens zu füllen“, erklärt Landwirtin Helena Wüllner. „Frostgare“ meint die lockere und feinkörnige Bodenstruktur, die bei Minusgraden entsteht. Zusätzlich gäbe ein kalter Winter den Pflanzen einen starken Anreiz, um im Frühjahr so richtig loszuwachsen.

Lauter Probleme also? Ganz so pessimistisch klingen die Landwirte dann doch nicht. Im Gegenteil: „Wenn man von den Extremwetterlagen 2017 und 18 absieht, werden wir durch die Erwärmung in unserer Region wahrscheinlich eher profitieren“, erwartet Jörg Pape, „da wir bei 800 Millimetern Jahresniederschlag eher gut mit Wasser versorgt sind.“ Der Frühling kommt früher, die Vegetationszeit hat sich schon jetzt verlängert, also werden die Erträge wohl steigen – auch wenn sich die Landschaft verändern könnte: „Als neue Pflanze könnte sich bei uns die Sojabohne und die Sonnenblume etablieren“, sagt der Landwirt. „Verlierer könnte Getreide sein, weil es einen höheren Wasserbedarf hat.“

Kreislandwirt Meyer betrachtet es grundsätzlich: „Klimatische Veränderungen und Herausforderungen hat es für uns Landwirte immer gegeben“, resümiert er. „Es ist unsere Kunst und unser Geschick, uns darauf mit den entsprechenden Arbeitsgängen auf den Feldern einzustellen, so wie unsere Vorfahren es auch gemacht haben.“ Heute sei etwa die schonende, konservierende Bodenbearbeitung „ein großer Fortschritt“, um Wasser im Boden zu speichern.

Das Zeitfenster für Feldarbeit unter Optimalbedingungen werde angesichts der Wetterextreme kleiner, so Pape. Darauf müsste sich die Landwirtschaft einstellen. Etwa mit mehr Maschinen und Personal, um diese kurzen Phasen voll ausnutzen zu können. Aber auch mit mehr Futterreserven, einer angepassten Fruchtfolge und Sortenvielfalt.

„In unserem Betrieb setzten wir auf robuste Getreide- und Rapssorten“, sagt Helena Wüllner. Denn den Betrieb trotz Wetterextremen und folgenden Ernteausfällen wirtschaftlich zu führen, das sei „die größte Herausforderung“.



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