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Strahlender Schutt vom Rückbau des Kernkraftwerks soll im Schacht Konrad „versenkt“ werden

So wird das Zwischenlager aussehen

GROHNDE. Warum soll in Grohnde ein weiteres Zwischenlager gebaut werden? Wie wird es aussehen? Welche Ausmaße soll es haben – und viel wichtiger: Wird von dem dort eingelagerten schwach- und mittelradioaktiven Abfällen eine Gefahr für Mensch und Tier ausgehen? Fragen über Fragen, die aufgetaucht sind, nachdem bekannt wurde, dass der Betreiber des Kernkraftwerks Grohnde beim Niedersächsischen Umweltministerium einen Antrag gestellt hat, eine solche Halle aus Stahlbeton zu bauen. Wir haben nachgefragt bei Preussen Elektra und bei der Atomaufsichtsbehörde.

veröffentlicht am 20.12.2017 um 20:27 Uhr

So wie dieses Zwischenlager am Kernkraftwerk Stade wird die Halle in Grohnde einmal aussehen. In den sogenannten Konrad-Containern und Mosaik-Behältern, die extra dicke Wände haben, befindet sich schwach- und mittelradioaktiver Abfall. In manchen Run
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Der Betreiber hat rasch reagiert, die Antworten des Ministeriums haben uns bis Redaktionsschluss nicht erreicht.

Welche Größe soll das geplante Zwischenlager haben – und wo auf dem Gelände soll es gebaut werden?

Das ist derzeit noch nicht bekannt, denn die Planung für die sogenannte Bereitstellungshalle haben gerade erst begonnen. Daher stehen sowohl Größe als auch Standort auf dem Gelände noch nicht fest. Zur Orientierung: Preussen Elektra plant eine solche Halle auch am Standort Unterweser. Das Gebäude dort wird 79 Meter lang, 28 Meter breit und 17 Meter hoch sein. Es ist anzunehmen, dass die Halle in Grohnde ähnliche Dimensionen haben wird.

Was genau soll in Grohnde gelagert werden?

Es handelt sich – im Gegensatz zu dem hochradioaktiven Material (gemeint sind abgebrannte Brennelemente) um schwach- und mittelradioaktive Abfälle, die keine Wärme entwickeln. „Sie resultieren aus dem Betrieb der Anlage, aber wir benötigen sie maßgeblich für die aus dem Rückbau entstehenden Abfälle: Stahl, Beton, Metalle – zum Beispiel aus dem Abbau der Reaktorbehälter-Einbauten, des Reaktorbehälters und des ihn umgebenden biologischen Schilds. Das ist eine sehr dicke Betonhülle“, erklärt Almut Zyweck, Sprecherin von Preussen Elektra.

Werden die Abfälle in Castor-Behältern gelagert?

Das Zwischenlager in Stade von außen. Foto: PREUSSEN ELEKTRA
  • Das Zwischenlager in Stade von außen. Foto: PREUSSEN ELEKTRA

Nein. Castor-Behälter werden nur für die hochradioaktiven Abfälle (Brennelemente) benutzt. Der strahlende Schutt, der beim Rückbau des Kernkraftwerks anfällt, und ab dem Jahr 2022 im Schacht Konrad endgelagert werden soll, wird in sogenannte Mosaik-Behälter und Konrad-Container gefüllt. Diese Spezialbehälter haben dicke Wände aus Gusseisen, Kugelgraphit oder Beton. Manche mit radioaktivem Abfall gefüllte Behälter werden mit Beton ausgegossen. Diese Maßnahmen sollen Strahlung abschirmen.

Wann rechnet der Betreiber mit einer atomrechtlichen Genehmigung?

Das kann Jahre dauern. Beim Kernkraftwerk Unterweser hat Preussen Elektra den Antrag im Juni 2013 gestellt. Anfang kommenden Jahres wird dort mit einer Genehmigung gerechnet.


Wie soll das Zwischenlager gegen Unfälle und terroristische Anschläge geschützt werden?

Die Hallenwände sind bis zu 80 Zentimeter dick und bestehen aus Stahlbeton. Darin stehen die Container. Das Konzept für die Zwischenlagerung von radioaktiven Abfällen beruht auf den Empfehlungen der Entsorgungskommission (ESK), also den „ESK-Leitlinien für die Zwischenlagerung von radioaktiven Abfällen mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung“ vom 23. August 2012. Ziel der ESK-Leitlinien ist es, alle sicherheitstechnisch relevanten Einflussparameter zu erfassen, die für eine Zwischenlagerung relevant sind. Daraus ergeben sich Anforderungen sowohl an die Zwischenlager und ihren Betrieb als auch an die radioaktiven Abfälle und ihre Behandlung. Dabei werden sowohl Einwirkungen von innen (Ausfall sicherheitstechnisch wichtiger Einrichtungen wie Stromversorgung, Brand oder Absturz von Lasten auf die Behälter) als auch Einwirkungen von außen (Sturm, Hochwasser, Erdbeben, Druckwellen aus chemischen Reaktionen, Flugzeugabsturz) betrachtet. Theoretisch sollte alles sicher sein. Ob es jemals Realtests gegeben hat, weiß die Preussen-Elektra-Sprecherin nicht.

Wer prüft Dichtigkeit, Kontaminationsfreiheit und überwacht die Strahlung?

Die Abfallbehälter, die zum Einsatz kommen werden, besitzen nach Angaben des Betreibers eine Bauartzulassung, sind dicht verschlossen und außen „praktisch kontaminationsfrei“. Preussen Elektra muss das vor der Einlagerung nachweisen. Nach Betreiberangaben besteht keine Gefahr, wenn man sich in der Nähe der Spezialbehälter aufhält. „Wenn Sie ein Jahr lang am Kraftwerkszaun leben würden, dürften Sie mit maximal einem Millisievert belastet werden. Tatsächlich liegt die Belastung nur im Promillebereich. Zum Vergleich: Die natürliche und die zivilisatorische Strahlung durch Flugreisen oder medizinische Behandlungen liegt in Deutschland im Durchschnitt zwischen 4 und 6 Millisievert“, sagt Almut Zyweck.

Wie lange darf ein Zwischenlager längstens betrieben werden?

Eine zeitliche Begrenzung für die Zwischenlagerung sieht die Strahlenschutzverordnung nicht vor. Die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle lagern daher so lange im Zwischenlager bis sie in den für die Endlagerung vorgesehenen Schacht Konrad gebracht werden können.

Was ist der Unterschied zwischen einem Endlager und einem Zwischenlager?

Zum einen geht es bei der Endlagerung um eine endgültige Lagerung der radioaktiven Abfälle in einem Bergwerk. In diesen tiefen stabilen geologischen Schichten (800 bis 1300 Meter im Schacht Konrad), die von der Biosphäre abgeschlossen sind, ist eine Überwachung nach einem vollständigen Verschluss der Schächte nicht mehr erforderlich. In einem oberirdischen Zwischenlager werden die Abfälle in endlagergerechten Behältern, die auch zum Transport vorgesehen sind, aufbewahrt und müssen überwacht werden.

Welche Gefahren gehen von einem Zwischenlager aus?

Nach Angaben von Preussen Elektra gehen von einem Zwischenlager zumindest „keine unzulässigen Gefahren“ aus. Die Strahlenschutzverordnung legt Grenzwerte für die Strahlenexposition der Bevölkerung fest. Der Betreiber muss sie einhalten.

Wie viele Castoren mit abgebrannten Brennstäben befinden sich im aktuellen Zwischenlager in Grohnde?

Es sind derzeit 30. Die Halle ist für 100 Behälter ausgelegt worden. Das Zwischenlager für hochradioaktiven Abfall in Grohnde ist 93 Meter lang, 27 Meter breit und 23 Meter hoch, befindet sich auf dem gesicherten Gelände des Kernkraftwerks und hat rund 35 Millionen Euro gekostet. 28 Monate wurde gebaut. Es existiert eine Genehmigung für 40 Jahre. Die Frage ist allerdings: Wann gibt es ein Endlager? Für die Suche eines Endlagers für hochradioaktive Abfälle ist der Bund zuständig. Wie lange die Brennelemente im Zwischenlager bleiben, hängt also davon ab, wann ein Endlager zur Verfügung stehen wird.

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