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Insgesamt gibt man sich zufrieden – doch in manchen Branchen knirscht es gewaltig

So sieht es im Handwerk aus

HAMELN-PYRMONT. Wahre Euphorie klingt jubelnder, stattdessen bleibt das Handwerk auf seiner Zufriedenheitsskala bodenständig zurückhaltend. Es gibt Licht und Schatten bei den Handwerkern in Hameln-Pyrmont und unter dem Strich heißt es von Kreishandwerksmeister Wilhelm Bente: „Alles in allem können wir zufrieden sein. Wir erwarten ein Umsatzwachstum von 2,5 Prozent und ein leichtes Plus bei den Beschäftigungszahlen.“

veröffentlicht am 19.06.2017 um 18:40 Uhr

Vor allem am Bau ist gut zu tun: Das Handwerk geht von einem insgesamt guten Jahr aus. Foto: pixabay
Thomas Thimm

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Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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Aktuell sieht das Handwerk eine große Gefahr auf sich zukommen: Die mögliche Einführung einer blauen Umweltplakette, die mittelfristig nur noch Fahrzeugen mit geringen Emissionen den Zugang in die großen Städte erlaubt, ist nach Bentes Urteil „nicht machbar“. Schließlich mache das heimische Handwerk rund die Hälfte seines Umsatzes in Hannover. Die Einführung einer blauen Umweltplakette, ohne die ältere Dieselautos nicht mehr in die Innenstadt kämen, träfe ganze Handwerker-Autoflotten – und ist auch in der Politik umstritten.

Das Handwerk ist mit Schwung ins Jahr 2017 gestartet. Die Kombination aus billigen Krediten und steigender Beschäftigung beflügele die Kauflust der Verbraucher, sagte Bente am Montagabend vor der Kreishandwerkerschaft. Die starken Wohnungsbauaktivitäten vor allem in Ballungsräumen stützen nach seinen Worten die Konjunktur. Gegenüber dem Vorjahresquartal sank der Geschäftsklimaindex von 65 leicht auf 64,5 Prozent. Bente: „Das ist Jammern auf hohem Niveau.“

Das Bauhauptgewerbe ist in Hameln-Pyrmont optimistisch ins Jahr gestartet. Im Januar und Februar sei durch die winterliche Witterung das Arbeitsvolumen zunächst leicht gesunken. Allerdings habe sich die positive Prognose für das Jahr 2017 inzwischen bewahrheitet. Bente: „Das Zinsniveau ist trotz leichter Steigerungen niedrig. Die Industrie investiert und die öffentliche Hand modernisiert ihre Infrastruktur.“ Sorgen bereiten hier allerdings die Preissteigerungen auf der Beschaffungsseite – nach Darstellung Bentes beklagen zwei Drittel der Betriebe diesen Zustand.

Im Ausbaugewerbe sind 73 Prozent der Betriebe mit der aktuellen Lage zufrieden, sagt Bente. Die Auslastung der Betriebe wäre demnach deutlich gestiegen. Das führt zu einem Plus von zwei Prozent bei den Beschäftigten. Entsprechend zuversichtlich sind die Unternehmen, sie blicken zuversichtlich in die Zukunft. Die Nachfrage beim Wohnungsbau, bei der energetischen Sanierung sowie beim barrierefreien Bauen „bilden positive Effekte für den weiteren Geschäftsverlauf“, sagt Bente.

Das Zulieferhandwerk befindet sich bei der Auftrags- und Umsatzentwicklung „auf einem guten Niveau“. Allerdings beklagen 15 Prozent der Betriebe sinkende Umsätze – was auch Auswirkungen hat: Die Zahl der Mitarbeiter wurde bereits dementsprechend nach unten angepasst.

Im Kfz-Handwerk normalisiert sich die Lage wieder: Nach einem starken und guten Jahr 2016 schrumpft man offenbar wieder auf Normalkurs. Aktuell sind 60 Prozent der Betriebe mit der Lage zufrieden – vor Jahresfrist lag dieser Wert bei 80 Prozent. Eine überdurchschnittliche Auslastung der Werkstätten hatte 2016 das Bild geprägt; im Frühjahr 2017 reduzierten sich bei fast einem Drittel der Betriebe Aufträge und Umsatz.

Im Nahrungsmittelhandwerkist der Verlauf ähnlich: Nach einem starken Jahr 2016 klagen die Betriebe nun über mangelnde Auslastungen. Zudem habe man auf der Einkaufsseite mit deutlich gestiegenen Preisen zu kämpfen. Wie Bente durchblicken ließ, erwartet man in der Branche keine schnelle Entspannung der Situation. Bei der Mitarbeiterzahl sei diese Entwicklung aber noch nicht angekommen.

Auch im Gesundheitshandwerksieht es nicht viel freundlicher aus. Im Jahr 2016 sehr erfolgreich, beklagt man nun in einem Drittel der Betriebe Umsatzrückgänge. Die Auslastung und die Beschäftigung seien „aber noch gut“, so Bente. Dies sorge für eine optimistische Prognose für die Zukunft.

In den Dienstleistungshandwerkengibt es ebenfalls Umsatzrückgänge zu verzeichnen. Der Start in das Jahr 2017 sei auch hier eher verhalten gewesen, die Auslastung liege „eher im unteren Bereich“.

Trotz der ein oder anderen Schwachstelle in einzelnen Bereichen und der damit verbundenen ersten dunklen Wolken setzt Bente auf das stabile Konsumklima und den boomenden Wohnungsbau: „Das dürfte dem Handwerk insgesamt ein gutes Jahr bescheren.“ Allerdings gibt es gleich eine ganze Reihe von Herausforderungen für das Handwerk. Dazu gehören die Fachkräftesicherung und die Gewinnung neuer Mitarbeiter. Mittel- bis langfristig unterstützt das Handwerk die Ideen, die duale Ausbildung im Wettbewerb mit den Hochschulen zu stärken und für mehr Berufsorientierung an den Gymnasien zu sorgen. Hier sieht sich das Handwerk mit der Bundesregierung auf einer Linie. Speziell bei jungen Flüchtlingen zeige sich dagegen, so Bente, dass es trotz einiger Positivbeispiele noch sehr viel Arbeit gebe. Die Integration in Ausbildung erweise sich „als deutlich schwieriger als erhofft“. Vor allem die sprachlichen Anforderungen würden unterschätzt. Hinzu kämen „die kaum vorhandene Schulbildung und der Druck, schnell viel Geld verdienen zu wollen“.



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