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Rittersaal auf Schloss Schwöbber beeindruckt US-Journalisten

„So leben die Deutschen also…“

Aerzen. 50 US-Pressevertreter hatten sich über das Wochenende im Schlosshotel Schwöbber einquartiert, um über den Besuch ihres Präsidenten in Hannover zu berichten. Aus der Zehntscheune ging der Name des Ortes Aerzen um die Welt. Begeistert waren die Journalisten aber auch von dem Hotel...

veröffentlicht am 25.04.2016 um 18:26 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:50 Uhr

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Autor:

von Lars Lindhorst
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Der Rittersaal im Schlosshotel Münchhausen hinterlässt bei so manchem bleibenden Eindruck. „What a room…“, sagt ein amerikanischer Journalist am späten Abend, als er auf einen Drink das wohl prächtigste Zimmer des Schlosses betritt. Der historische Rittersaal in Schwöbber wird gewöhnlich als Hotellobby genutzt. Der Saal bietet seinen Gästen den für ein Schlosshotel angemessenen herrschaftlichen Rahmen für leise Gespräche. Klassische Musik erklingt dezent aus Lautsprecherboxen.

Der Amerikaner sinkt in einen roten, weichen Sessel und blickt nach oben, wo er gut fünf Meter höher prächtigen Decken- und Wandmalereien entgegenblickt. „Really nice“, sagt er andächtig. Ein anderer Amerikaner, der hinzu kommt, sieht das Ambiente des Rittersaals mit anderen Augen. Amüsiert ruft er seinem Kollegen in dem roten Sessel zu: „Look, that’s the way the Germans live“. Frei übersetzt: „Schau an, so leben die Deutschen also.“ Die beiden Männer schauen sich an, lachen kurz, dann bestellen sie einen guten Rotwein aus Österreich.

Es ist kurz vor 22 Uhr. Für die Journalisten aus den Vereinigten Staaten ist für heute erst mal Feierabend. Die beiden Amerikaner sind Teil eines gut 50 Medienvertreter umfassenden Trosses, den US-Präsident Barack Obama mit nach Deutschland gebracht hat. Über das Wochenende haben sich die Presseleute in Schwöbber einquartiert. Vor wenigen Tagen waren sie mit dem Präsidenten noch in London, Besuch beim britischen Premierminister David Cameron. Vor wenigen Stunden haben die Journalisten die Ankunft von POTUS (Abkürzung in den sozialen Medien für „President Of The United States“) auf dem Langenhagener Flughafen medial begleitet, die Aussagen der Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel analysiert, Fernsehbeiträge geschnitten und Artikel verfasst.

Darlene Superville ist „White House Reporter“ für die Nachrichtenagentur AP. Ihre Berichte sendet sie von Aerzen aus in die Welt.

Physisch in der niedersächsischen Landeshauptstadt anwesend müssen die Medienvertreter der US-Delegation dabei gar nicht sein: Um über das transatlantische Verhältnis, Flüchtlingsfragen und das Freihandelsabkommen zu berichten, reicht auch die Anwesenheit in Schwöbber aus – rund 50 Kilometer entfernt von den Geschehnissen des Tages. An Ansprechpartnern der US-Regierung fehlt es da im Schlosshotel gewiss nicht: Das Weiße Haus hat im nördlichen Flügel des Schlosses, nur ein paar Schritte vom Rittersaal entfernt, sein offizielles Pressebüro eingerichtet. Den Reisebus, der die Journalisten aber von Schwöbber nach Hannover zur Pressekonferenz am Sonntag und wieder zurück chauffiert, nutzen eine gute Handvoll Menschen.

Die journalistische Arbeit geschieht indes in einem Nebengebäude. In der Zehntscheune des Schlosses sind Arbeitsplätze für die Reporter eingerichtet worden. Die Pressekonferenz von Obama und Merkel am Sonntag erleben viele der politischen Delegationsjournalisten denn auch vor dem Bildschirm in der Zehntscheune. Ihre Artikel veröffentlichen sie auch von der Zehntscheune aus. Moderne Technik macht’s möglich, den Besuch vor Ort in Hannover nicht unbedingt nötig.

Für ein Wochenende

geht der Name Aerzen durch die Welt

Womöglich hat aber nicht nur der Rittersaal den Ausschlag für die US-Delegation gegeben, ihr Pressezentrum in Schwöbber einzurichten – und eben nicht in der Landeshauptstadt Hannover, näher dran am US-Präsidenten, näher an seiner Residenz auf Zeit. Wie sich herausstellt, ist es wohl das gesamte Paket, das das Schlosshotel den Amerikanern zu bieten hat. „Es ist wirklich sehr schön hier“, sagt ein Mitarbeiter der amerikanischen Botschaft in Berlin lapidar. Der Botschaftsvertreter sorgt an diesem Wochenende im Pressezentrum für reibungslose Abläufe. Darüber, warum das Weiße Haus in Washington nun Schwöbber den Vorzug vor anderen Veranstaltungsorten in Hannover gegeben hat, sagt er nichts Näheres. Nur so viel: Für den Pressetross der US-Delegation habe es keinen geeigneteren Ort als das Hotel in Schwöbber gegeben.

Dass das „White House Press Office“ nicht Hannover, sondern eben in Schwöbber das Pressezentrum eingerichtet hat, beschert Aerzen zumindest an diesem Wochenende einen Namen, der durch die Welt geht. Reporter des US-Nachrichtensenders CNN berichten vor der Kamera. Im Hintergrund des Fernsehbildes sieht man das Schloss. „Aerzen, Germany“ – nicht etwa Hannover – ist als Ort der Berichterstattung auf den Fernsehbildschirmen zu sehen. Auch die White-House-Reporterin Darlene Superville von der amerikanischen Presseagentur Associated Press (AP) berichtet schon am Samstag, als Obama noch in London weilt, direkt aus Aerzen. In ihren Berichten, die über AP an viele andere Medien in den USA und aller Welt weitergegeben werden, gibt sie die Gemeinde aus dem Weserbergland als Ort an. Den bleibenden Eindruck aber, den der Rittersaal bei den Amerikanern hinterlässt, wird die internationale Berichterstattung – namentlich aus Aerzen – bei den Nachrichtenkonsumenten wahrscheinlich nicht hinterlassen. Mit dem Abflug von Obama aus Hannover zieht auch sein Pressetross weiter.

Am gestrigen Montag reiste auch ein Großteil der Medienvertreter aus Schwöbber wieder ab. Spätestens heute geht dort alles wieder seinen gewohnten Gang.



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