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Jahrhundertsommer 2018 – so lang so warm und so trocken wie nie

So fühlt sich der Klimawandel an

WESERBERGLAND. Halten die derzeitigen Erwärmungsraten an, wird die Zielmarke von durchschnittlich 1,5°C bis 2040 erreicht sein, schätzt der Weltklimarat. Das erste Jahr mit 1,5°C gibt es aber viel früher, wahrscheinlich im Zusammenhang mit einem großen Wärmereignis (El Nino) im Pazifik schon Ende der 2020er/Anfang 2030er Jahre. Global haben die Durchschnittstemperaturen bereits um 1°C zugelegt. Was schon dieser Betrag ausmacht, konnte man im Sommerhalbjahr hautnah erleben.

veröffentlicht am 25.10.2018 um 17:33 Uhr

Ausgetrocknete Böden, verkümmerte Pflanzen – im Weserbergland war es von April bis Mitte Oktober viel zu trocken. Foto: Dana
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Reinhard Zakrzewski Reporter

Vor Kurzem ist ein Zwischenbericht des Weltklimarates herausgekommen. Darin wird eine radikale und schnelle Reduktion der CO2-Emmissionen angemahnt. Gegenüber der vorindustriellen Zeit (1850-1900) dürfe die Erderwärmung 1,5°C nicht übersteigen, warnte das Gremium nach der Auswertung zahlreicher neuer Studien. In diesem Fall wären die Auswirkungen auf das Klima und die maritimen Ökosysteme noch einigermaßen beherrschbar, bei plus 2 Grad Celsius kaum noch.

Halten die derzeitigen Erwärmungsraten an, wird die Zielmarke von durchschnittlich 1,5°C bis 2040 erreicht sein, schätzt der Weltklimarat. Das erste Jahr mit 1,5°C gibt es aber viel früher, wahrscheinlich im Zusammenhang mit einem großen Wärmereignis (El Nino) im Pazifik schon Ende der 2020er/Anfang 2030er Jahre. Global haben die Durchschnittstemperaturen bereits um 1°C zugelegt. Was schon dieser Betrag ausmacht, konnte man im Sommerhalbjahr hautnah erleben.

In der Weserregion waren alle Monate von April bis September zwischen 1,1 Grad (September) und 3,5 Grad (April) erheblich zu warm. Nach einem schon viel zu trockenen April, fielen in der Hauptvegetationsperiode von Anfang Mai bis zum 21. Oktober fast 60 Prozent der normalen Niederschläge aus. Dazu brannte die Sonne gut 1300 Stunden vom Himmel, 220 Stunden länger als üblich. Auch die Zahl der Sommer- (ab 25 Grad) und heißen Tage (ab 30 Grad) erreichte historische Rekorde. Hameln meldete 82 (normal 35) beziehungsweise 26 (normal acht) davon. Während die Regentage (mindestens ein Liter/qm) so selten waren wie noch nie, stellten die sonnigen Tage (Sonnenanteil mindestens 80 Prozent) alles bisher da gewesene in den Schatten. Und wie konnte es in diesem Jahr anders sein: Nach weiteren unglaublichen Wärmerekorden ging dem Supersommer erst in der dritten Oktoberwoche endgültig die Puste aus.

Fast alle Klimawissenschaftler sind sich einig: Für die häufigen und immer extremer werdenden Witterungsperioden und Einzelereignisse ist der Anstieg der anthropogenen Treibhausgase verantwortlich.

Dabei machen CO2 und Co das Klima nicht nur heißer, sondern sie verändern auch die Dynamik des Wetters. Wichtig für die Andauer von Großwetterlagen ist das Verhalten des Jetstreams. Dieses schmale – gewöhnlich leicht wellende – Starkwindband in rund zehn Kilometer Höhe, steuert die Tief- und Hochdruckgebiete kontinuierlich von Westen nach Osten um die Nordhemisphäre herum. Angetrieben werden die Höhenwinde durch das Temperaturgefälle zwischen der Arktis und den Tropen. Durch den Schwund der polaren Eisdecke und die damit verbundenen überdurchschnittlich Erwärmung der hohen Breiten, werden die Temperaturunterschiede kleiner. In der Folge schwächt sich der Jetstream ab und kommt zunehmend ins Schlingern. Dabei entwickeln sich Wellenmuster mit immer größeren Ausschlägen in Nord-Süd-Richtung, die nur sehr langsam oder gar nicht mehr nach Osten vorankommen.

Setzt sich eine solche Welle im atlantisch-europäischen Raum fest, können sich mit überwiegend südlichen Winden (unter einem Wellenberg) extreme Hitze- und Dürreperioden wie in diesem Jahr aufbauen, bei meist nördlicher Strömung (im Wellental) unbeständige und nasskühle Perioden wie im vergangenen Sommer. Katastrophale Dürrejahre gab es auch schon in früheren Jahrhunderten, aber sie waren viel seltener. 1540 und 1616 zählen dazu, 1717 vor allem in Süddeutschland und natürlich das legendäre Trockenjahr 1959. In unserem jungen Jahrhundert gab es nach 2003 und 2016 nun schon drei dieser Extremjahre – ein Schelm, wer da nicht an den Klimawandel denkt. Alles in allem zählt die große Hitze und Trockenheit von 2018 zu den Megaereignissen der letzten 500 Jahre.

Und was macht der Winter? Eigentlich bleibt alles beim Alten. Nach aktuellen Klimaberechnungen des US-amerikanischen Wetterdienstes NOAA soll der norddeutsche Winter um ein bis zwei Grad zu warm und unter häufigem Hochdruckeinfluss normal feucht bis leicht zu trocken ausfallen. An eine Auffüllung der dezimierten Wasservorräte oder längere Winterfreuden im Flachland ist bei diesem Szenario nicht zu denken.



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