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PETA hat Brieftaubenzüchter im Visier

Sind Taubenwettflüge Tierquälerei?

HAMELN-PYRMONT. Nach Zirkuschefs und Putenzüchtern ist nun eine andere Gruppe von Tierhaltern ins Visier der Organisation PETA gerückt: Jetzt haben sich die Tierschützer die Brieftaubenzüchter des Regionalverbandes Egge-Weser, dem auch die heimischen Reisevereinigungen angeschlossen sind, wegen angeblich tierschutzwidriger Wettflugveranstaltung vorgenommen.

veröffentlicht am 21.09.2017 um 15:00 Uhr
aktualisiert am 21.09.2017 um 18:30 Uhr

Foto: pixay
Joachim Zieseniß

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Joachim Zieseniß Reporter Bodenwerder zur Autorenseite
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Bei den Wettflügen, bei denen tausende von Tauben vor Hunderten von Reise-Kilometern aufgelassen und den Weg zu ihren Heimatschlägen zurückfliegen müssen, würden die Tiere von ihren Haltern „großem Leiden ausgesetzt“, heißt es seitens PETA.

Die Begründung: Viele der Vögel stürben auf den anstrengenden Flügen an Dehydration, Hunger, Erschöpfung oder Verletzungen. Die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V. weist deshalb auf die Tierschutzwidrigkeit des Brieftaubensports hin und fordert ein Verbot der Taubenwettflüge in Deutschland. „Um zu ihrem Partner oder dem Nachwuchs im Nest zurückzufinden, gehen die Tauben über ihre Kräfte hinaus“, so Vanessa Reithinger, Fachreferentin bei PETA Deutschland e.V. Taubenwettflüge widersprächen damit dem Tierschutzgesetz: Nach Paragraf 3 ist es verboten, Tieren Leistungen abzuverlangen, die ihre Kräfte übersteigen. Zudem legt das Gesetz fest, dass Tiere im Training oder bei Wettkämpfen keinen Maßnahmen ausgesetzt werden dürfen, die mit erheblichen Schmerzen, Leiden oder körperlichen Schäden verbunden sind.

„Die Behauptung, dass Wettflüge Tierquälerei sind, ist dummes Zeug. Jeder Züchter hängt an seinen Tauben, die er bei Wettbewerben starten lässt, und wird ihnen nichts abverlangen, was nicht zuvor antrainiert ist“, versichert der Grohnder Eberhard Stelzer, Vorsitzender der Reisevereinigung „Rattenfänger von Hameln“: „Kein Züchter wird ein Tier zum Wettkampf geben, dass nicht topfit ist.“. So würden bereits junge Tauben anfangs mit Fünf- bis Zehn-Kilometer-Strecken dazu gebracht, zum eigenen Schlag zurückzukehren. Bei den darauf folgenden Wettflügen würden die Distanzen langsam gesteigert, um die Tiere nicht zu überfordern. Außerdem seinen in Deutschland – anders als beispielsweise in Belgien – Wettflüge, bei denen auf Geld gesetzt wird, verboten.

Und Karl Fricke, Taubenspezialist aus Tündern, fügt hinzu, dass Reisetauben vor dem Start tierärztlich überwacht und lange vor dem Wettbewerb mit Kraftfutter hochgepäppelt seien. Die Tiere stürben also nicht, wie von PETA behauptet, an Entkräftung. Lediglich Umwetter könnten ihnen den Garaus machen. Deshalb würde die Wetterlage auf den Flugstrecken vor dem Auflassen auch peinlichst anhand von Prognosen überwacht, so Fricke.

Für Eberhard Stelzer ist außerdem die in den vergangenen Jahren rapide zunehmende Zahl von Greifvögeln für eine Nichtrückkehr von Tauben verantwortlich zu machen. Ausfälle, die Züchter übrigens auch immer mehr am heimischen Schlag erleben, und die viele schon zum Aufgeben veranlasst haben. Stelzer: „Waren wir von etwa zehn Jahren noch rund 100 Züchter in unserem Verein, so sind es jetzt eben noch knapp 30.“

Nach Angaben von PETA nehmen in Deutschland rund 25 000 der etwa 50 000 Brieftaubenzüchter mit ihren Tieren an Wettflügen teil. Schätzungsweise leben 2,5 Millionen Brieftauben in deutschen Taubenschlägen. Und PETA beharrt auf seiner Ansicht: „Beim Brieftaubensport steht die Leistung der Vögel im Mittelpunkt, ihr Wohlbefinden spielt keine Rolle.“

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