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Politik fragt beim Landrat nach

Sind die Kreis-Lkw mit Abbiege-Assistenten ausgestattet?

HAMELN-PYRMONT. Die hohe Zahl von tödlichen Abbiegeunfällen mit Lkw ruft die heimische Politik auf den Plan: Die Linken im Kreistag wollen die technische Ausstattung der kreiseigenen Fahrzeuge überprüft wissen. Linken-Fraktionschef Peter Kurbjuweit will wissen: „Sind die kreiseigenen Fahrzeuge damit ausgestattet?“

veröffentlicht am 28.01.2019 um 16:55 Uhr

Thomas Thimm

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Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

Die hohe Zahl von tödlichen Abbiegeunfällen mit Lastwagen ruft auch die heimische Politik auf den Plan: Die Linken im Kreistag Hameln-Pyrmont wollen die technische Ausstattung der kreiseigenen Fahrzeuge überprüft wissen. „Es ist unverständlich, warum Abbiegeassistenten nicht längst verpflichtend sind“, sagt der Kreistagsabgeordnete Matthias Loeding. Und Linken-Fraktionschef Peter Kurbjuweit will konkret wissen: „Sind die kreiseigenen Fahrzeuge damit ausgestattet?“

Direkt an Hameln-Pyrmonts Landrat Tjark Bartels gewandt, fragen die Linken: Sind die Lkw des Kreises, seiner Eigenbetriebe und Töchter, insbesondere die Kreisabfallwirtschaft, mit Abbiegeassistenten ausgestattet? Wenn nein: Bis wann ist der flächendeckende Einsatz von Abbiegeassistenten geplant, so wie es auf Landesebene angekündigt worden ist? Welche Kosten sind mit der Ausstattung verbunden? Und schließlich: Welche Fördermöglichkeiten stehen zur Verfügung?

In Hannover sollen Linienbusse und Müllfahrzeuge jetzt mit einem Abbiegeassistenten nachgerüstet werden. Das kündigten die kommunalen Unternehmen Üstra und Aha an. Die Kosten für Anschaffung und Einbau der neuen Technik gehen in den Millionenbereich. Regiobus will zumindest beim Kauf von 24 neuen Bussen den Einbau von Assistenzsystemen berücksichtigen. „Abbiegeassistenten können schreckliche Unfälle wie jetzt in Lehrte verhindern“, sagte Aha-Sprecherin Helene Herich.

Die Diskussion um neue Sicherheitssysteme für Lastwagen ist in den letzten Wochen beschleunigt worden, nachdem in den letzten neun Monaten in der Region Hannover drei Kinder bei Unfällen mit Lastwagen ums Leben gekommen sind. Ein elfjähriges Mädchen starb im Januar auf dem Weg zur Schule. Der mutmaßliche Unfallverursacher, ein 35-jähriger Fahrer eines Müllwagens, hatte den Unfall nach eigener Aussage gar nicht bemerkt. Wie schon bei zwei anderen folgenreichen Unfällen im vergangenen Jahr wollte der Transporter an einer Kreuzung abbiegen – der Fahrer hatte das Kind offenbar übersehen. Erst Ende November wurde eine 16-jährige Schülerin in Burgdorf von einem abbiegenden Lastwagen überrollt und tödlich verletzt. Im April 2018 starb ein elf Jahre alter Junge nach einem ähnlichen Unfall in Hannover, weil der Fahrer den jungen Radfahrer beim Abbiegen im toten Winkel nicht bemerkt hatte.

Nach Angaben des Automobilclubs ACE kommen jedes Jahr Dutzende Radfahrer in Deutschland auf diese Weise ums Leben. Die Zahl der Schwerverletzten ist dreistellig. Insgesamt sterben laut ADAC in Deutschland jedes Jahr rund 900 Menschen bei Unfällen unter Beteiligung von Lkw und Bussen, etwa 8500 werden schwer verletzt.

Das müsste nicht sein, meinen Experten. „Wenn alle Lkw mit Abbiegeassistenten ausgerüstet wären, könnte das pro Jahr 30 Menschenleben retten“, sagt Siegfried Brockmann von der Unfallforschung der Versicherer. Der Deutsche Verkehrsgerichtstag hat sich für Abbiege- und Notbrems-Assistenten in allen neuen Bussen und Lastern ausgesprochen. Die Kosten lägen bei 1000 Euro pro Fahrzeug.

Bei den Automobilclubs stößt die Forderung auf breite Zustimmung: AvD, ADAC und die Polizeigewerkschaft plädieren für die Sicherheitsassistenten.

Mein Standpunkt
Thomas Thimm
Von Thomas Thimm

Es kann doch nur eine Meinung geben: Jedes technische Modul, mit dem die Sicherheit im Straßenverkehr erhöht werden kann, muss auch genutzt – und zur Pflicht werden. Erinnern wir uns zurück: Was war das einst für ein hysterischer Aufschrei, als es um die Gurtpflicht ging – heute eine Selbstverständlichkeit. Selbstredend müssen Abbiege- und Notbrems-Assistenten für Lkw zur Pflicht werden. Rettet nämlich Menschenleben. Übrigens ebenso wie ein Tempolimit auf Autobahnen auch.



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