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Drei Wochen nach dem Unglück im Osterwald spricht Ina König erstmals über ihre Gefühle

Sie zögerte nicht – sie war voller „Zuversicht“

Hameln-Pyrmont (hen). Menschen, die sie gut kennen, beschreiben Ina König als eine „zupackende Frau“, eine, die keine großen Reden hält, die kein großes Aufheben von sich macht. Davon konnten sich gestern die zahllosen Medienvertreter selbst ein Bild machen, als Ministerpräsident David McAllister der Erzieherin die Niedersächsische Rettungsmedaille überreichte. Im schlichten schwarzen Rock, blaugrünem T-Shirt und schwarzer Bolero-Strickjacke tritt die Hamelnerin fast schüchtern ans Mikrofon, das vor dem Kindergarten St. Nicolai in Oldendorf aufgebaut ist. Auf dem Parkplatz wimmelt es von Übertragungswagen von Radio- und Fernsehsendern, ein Absperrband trennt die Journalisten von der zur Feier geladenen Gästeschar.

veröffentlicht am 31.07.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 05:41 Uhr

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Vor genau drei Wochen hat Ina König dem zu diesem Zeitpunkt drei Jahre alten Jannic das Leben gerettet; sie war ohne zu zögern hinterhergesprungen, als der Junge 25 Meter tief in einen alten Bergwerkschacht gestürzt war. Für ihren mutigen und selbstlosen Einsatz wurde ihr gestern an ihrem ersten offiziellen Arbeitstag nach dem Unglück die hohe und selten vergebene Auszeichnung zuteil. „Darüber freue ich mich“, sagte sie, noch viel mehr aber freue sie sich darüber, „dass es Jannic und mir so gut geht“. Bevor sie in den Schacht gesprungen sei, habe sie ihrer Kollegin, der Kindergartenleiterin Susanne Schüler, zugerufen, sie möge die Feuerwehr alarmieren. „Mit der Zuversicht, die Feuerwehr holt uns da wieder raus, konnte ich springen. Mein Vertrauen war, wie es sich gezeigt hat, auch nicht unbegründet.“ Sie gibt sich nicht bescheiden, sie ist es. Ganz wie Pastor Wilhelm Meissner es vorab für die Mikrofone der wartenden Journalisten formuliert hatte: „Sie drängt sich nicht in den Mittelpunkt.“ Auch er beschreibt die Erzieherin als eine „beherzte und zurückhaltende Frau, die weiß, was sie tut“. Was hast du gedacht, als du unten im Schacht gewesen bist, sei eine häufig gestellte Frage gewesen, sagt sie, und gibt die Antwort: „Zuallererst war ich froh darüber, dass ich Jannic schnell gefunden habe und ihn im Arm halten konnte. Danach waren die Gedanken bei meinen zwei Söhnen und bei meinem Mann.“

Ina König hat „dem Schicksal einen glücklichen Verlauf gegeben“, würdigt McAllister das selbstlose Handeln der Hamelnerin. Sie sei ein Lebensrisiko eingegangen; dies sei ein „besonders bemerkenswertes Beispiel von Mut und Zivilcourage und beispielhaftem, selbstlosen Einsatz“. Der Ministerpräsident betonte, dass die Gesellschaft auf Menschen angewiesen sei, die nicht an ihre eigenen Interessen oder ihre eigene Sicherheit dächten, sondern sich für andere einsetzten.

Kindergartenleiterin Susanne Schüler berichtete, Jannic spiele heute wieder fröhlich mit den anderen Kindern – und sie zeigte sich stolz, dass sie „die tapferste und mutigste Erzieherin in ganz Niedersachsen“ in ihrem Team habe. Der Kindergarten erhielt aus den Händen von Dorothea Misch, Vorsitzende von „Bild hilft“, einen Spendenscheck in Höhe von 10 000 Euro.

Bevor Ina König mit einem ausgewählten Kreis unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Kindergarten verschwand, bedankte sie sich höflich bei der Presse – dafür, dass „meine Privatsphäre geachtet wurde und auch in Zukunft weiter geachtet wird“.

Weitere Bilder und ein Video unter dewezet.de

Ina König hält die Niedersächsische Rettungsmedaille in den Händen, die Ministerpräsident David McAllister ihr überreicht hat. Die Verleihung rief ein großes Medienecho hervor.

Fotos: Dana

Vor drei Wochen rettete die Hamelnerin durch einen Sprung in den tiefen Bergwerkschacht dem kleinen Jannic das Leben.Fotos: ube



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